GastkommentarNew Work braucht Individualität

Als 1992 Geborene zähle ich mich zu der Generation, die mit der Grenzenlosigkeit an digitalen Informationen und Möglichkeiten aufgewachsen ist. In diesem Sinne ziemlich privilegiert und trotzdem, oder gerade deshalb, gewillt, neue Ansprüche zu stellen. Wir, die Millennials, fordern eine Revolution des Systems von Arbeit. Mit mehr Freiraum, Eigenverantwortung, Ungebundenheit und, in gewisser Weise, Planbarkeit. Wir möchten uns weiterentwickeln und verstehen Arbeit nicht als Mittel zum Zweck, sondern als Möglichkeit, uns selbst zu verwirklichen. Im Grunde, unseren eigenen Sinn zu finden. Die Antwort auf die Frage nach dem “Warum”.

Begünstigt durch den Kampf um Talente werden die veränderten Anforderungen wahrgenommen und sind neben der Digitalisierung und Technologisierung primärer Katalysator für die Gestaltung von New Work.

Unabhängig jeglicher Branche werden neue Technologien in unsere Lebens- und Arbeitswelten einfließen. Bereits heute ermöglichen sie die Entwicklung neuartiger Geschäftsmodelle oder ‘Remote Work’, wie beispielsweise des Digitalen Nomaden auf Bali. Der Marktdruck steigt, Kommunikation und Kollaboration werden durch Tools unterstützt. Wir schaffen uns neue Arbeitsmodelle, Berufsbezeichnungen und Methoden. So ermöglicht die Digitalisierung unterstützt durch künftige und bereits vorhandene Technologien eine Individualisierung unserer Arbeit.

Ganzheitliche Transformation oder gar nicht

Für Organisationen, ob Corporates, Mittelständler, NROs oder Startups bedeutet das mehr als eine reine ‘Digitale Transformation’. Es braucht die Bereitschaft für eine ganzheitliche Veränderung, die Orientierung schafft – ob digital oder analog. Ein Innovationshub und die Umstellung auf Kollaborationstools können ein Startpunkt sein. Viel wichtiger bleibt dennoch, wie die Menschen als Einzelne und als Gemeinschaft mitgenommen werden.

Warum?

Als allererstes die eigene Haltung und Sinnhaftigkeit hinterfragen: Wofür wollen wir als Unternehmen stehen? Warum möchten wir uns digital aufstellen? Nach welchen Werten und Prinzipien möchten wir heute und in Zukunft agieren?

So einfach wie diese Fragen auch klingen mögen, sie sind der Kern allen Wandels! Es muss ein einheitlicher Mindset-Shift in der gesamten Unternehmenskultur, und damit als allererstes in der Führungsebene, passieren.
 Damit ist die härteste Nuss nach dem ‘Warum’ geknackt, sodass die Fragen nach dem ‘Was’ und dem ‘Wie’ folgen können. New Work gibt den Raum Spielregeln festzulegen, die zur eigenen Haltung und den Menschen in der Organisation passen. Nicht jeder möchte und braucht flexible Arbeitsmodelle, agile Methoden oder hierarchieloses, selbstverantwortliches Arbeiten nach Holacracy. New Work öffnet lediglich die Türen zu Möglichkeiten, die wir heute ausprobieren und realisieren können.

Der Einzelne macht den Unterschied

Nicht nur für die Wirtschaftswelt, sondern für jeden Einzelnen ist New Work eine Chance für Veränderung. Das ist keine Frage des Alters oder der Branche, sondern von Vertrauen in sich selbst und der eigenen Bedürfnisse. Wenn wir nichts einfordern, passiert nichts. Wenn wir nicht selbst aktiv werden, beitragen und bereit sind, Risiken einzugehen, verändert sich das System um uns, nicht mit uns.

Ich bin immer wieder überrascht, wie viele Menschen ihr eigenes Verständnis von New Work antreiben und leben. Es sind diese Beispiele, die zeigen, was die neue Arbeitswelt bedeuten kann und wie der Einzelne sich darin involviert. Mit unserer Initiative Humans of New Work von SOULWORX schreiben wir Geschichten von Persönlichkeiten, die den Wandel mit antreiben und andere dazu ermutigen. Darunter beispielsweise die beiden Gründerinnen Anja Dehghan und Maria Gerono von Jobinnvator, einer Suchmaschine für Jobs, die zum Leben passen: “Heute sind andere Qualitäten wichtiger und damit auch andere Führungspersönlichkeiten gefragt. Es geht immer mehr darum, sein Team befähigen zu können. Man muss heute anders suchen, um geeignete Mitarbeiter zu finden. Im Zweifelsfall gilt Hire for attitude. Train for skills.”

Für mich gibt es (noch) keine allumfassende Definition von New Work und genau das macht es so spannend. Wir bewegen uns in einem Zeitalter der Veränderung, welche wir selbst beeinflussen, und damit das System von Arbeit neu definieren können.
 New Work ist ein Mindset und eine Haltung, mit der die individuelle Gestaltung von Leben und Arbeit beginnt.


Monika Jiang bezeichnet sich selbst als „Millenial Activist“ und ist Teil der Strategieberatung Soulworx