Western von gesternMarc Rich - genialer Händler oder skrupelloser Schurke?

Marc Rich (r.) war Wegbereiter des Rohstoff-Multis Glencore
Marc Rich (r.) war Wegbereiter des Rohstoff-Multis GlencoreJindrich Novotny

Seine Bewunderer halten Marc Rich für einen Revolutionär. Ehrfürchtig nennen sie den Vater des modernen Rohstoffhandels „King of Oil“. Seine Kritiker sehen in ihm schlicht einen Verbrecher. Knapp 20 Jahre stand der israelisch-spanische Geschäftsmann auf der Most-Wanted-Liste des FBI. Staatsanwalt Rudolph Giuliani, der spätere Bürgermeister von New York, bezeichnete ihn 1982 als „den größten Steuerbetrüger in der Geschichte der USA“. Wegen illegalen Ölhandels mit dem Iran und anderer Delikte drohten Rich bis zu 300 Jahre Haft. Er setzte sich in die Schweiz ab, wo er im Juni 2013 verstarb.

Die neue Capital erscheint am 21. Juni
Die neue Capital

Richs sagenhafter Aufstieg begann Anfang der 1970er-Jahre. Es war die Zeit der Ölkrise. Rich erkannte die Chancen, organisierte eigene Tanker und suchte Handelspartner. Damit machte er den großen Ölkonzernen Konkurrenz und stieg schließlich zum größten unabhängigen Erdölhändler der Welt auf. Später handelte er mit allen Rohstoffen, die ihm Geld brachten: Kohle, Zink oder Aluminium.

Dabei scherte er sich weder um Feind noch Freund, schon gar nicht um Handelssperren. Ein Embargo schaffe Gelegenheiten, sagte er einmal, die es auf dem freien Markt nicht gäbe. Und so zählten zu seinen Kunden die Diktatoren Saddam Hussein, Franco, Fidel Castro oder Muammar al-Gaddafi ebenso wie das Apartheidsregime in Südafrika.

Rich galt als schneller, aggressiver, kreativer als seine Wettbewerber. Und skrupelloser. Als er allerdings trotz Embargo Öl aus dem Iran nach Israel verkaufte, überschritt er eine rote Linie bei den US-Behörden. Rich floh in die Schweiz. Die Marc Rich + Co. AG boomte trotzdem. Doch der wahre Feind lauerte im eigenen Haus. 1994 drängten seine ehemaligen Getreuen ihn aus dem Unternehmen – und benannten es in Glencore um. Heute ist Glencore der weltgrößte Rohstoffhändler.

Späte Milde erfuhr Rich im Januar 2001, nachdem sich die israelischen Politiker Schimon Peres, Ehud Barak und Ehud Olmert für ihn eingesetzt hatten. Als eine seiner letzten Amtshandlungen begnadigte ihn US-Präsident Bill Clinton. Die Anklage wurde nach fast 20 Jahren fallen gelassen. Doch wie fast alles im Leben von Rich hatte auch dieser Akt ein Geschmäckle. Seine Ex-Frau hatte zuvor einer Clinton-Stiftung 450.000 Dollar gespendet. Kurz vor der Trump-Wahl veröffentlichte das FBI den Bericht über die Beziehung Richs zu den Clintons.

Hauptperson

Marc Rich: Geboren wurde Rich am 18. Dezember 1934 als Marcell David Reich in Antwerpen. Mit seinen Eltern floh er vor den Nazis in die USA. Der Studienabbrecher, der Milliarden verdiente, galt in der Schweiz als Kunstmäzen. Mit 78 Jahren erlag er einem Hirnschlag.