Tourismus Mallorca im Stress

Für Mallorca war die Ankündigung einer Reisewelle aus Deutschland eine Morgendämmerung in der Pandemie
Für Mallorca war die Ankündigung einer Reisewelle aus Deutschland eine Morgendämmerung in der Pandemie
© IMAGO / ZUMA Wire
Mallorca rechnet mit 40.000 Gästen aus Deutschland in den Osterferien. Doch aus Berlin und der eigenen Lokalregierung bekommt die spanische Urlaubsinsel Gegenwind. Für Tourismus und Gastronomie sind die Osterurlauber aber lebensnotwendig

Mallorca, die Lieblingssonneninsel der Deutschen, ist im Stress. Gerade erst hatte die spanische Regierung beschlossen, die Wirtschaft auf den balearischen Inseln nach wochenlangem harten Lockdown wieder zu öffnen und das Ostergeschäft mitzunehmen, da zieht die Inselregierung beim Tourismus schon wieder die Notbremse.

Die Inzidenz auf der Mittelmeerinsel steigt wieder. Die Zahl der Neuinfektionen je 100.000 Einwohner stieg binnen einer Woche von rund 20 auf 30. Das Risiko sei zu groß, heißt es. Deshalb will die Regionalregierung nun die erst Mitte März wieder geöffneten Innenräume von Cafés, Restaurants und Kneipen erneut schließen. Bedient wird nur im Außenbereich – und das nur bis 17 Uhr.

Nicht nur für die mallorquiner Wirtschaft, auch für die reiselustigen Deutschen, die sich auf ihre Oster-Auszeit vom Lockdown gefreut hatten, dürfte das eine Enttäuschung sein. Man habe es ja nicht darauf angelegt, dass zu Ostern schon wieder ausländische Touristen kommen, zitiert die Zeitung „Diario de Mallorca“ den Wirtschaftsminister der Balearen, Iago Negueruela. „Für uns hat Ostern keine Priorität. Wichtig ist es, die Sommersaison zu sichern.“

Das hatten viele wohl anders verstanden – sowohl auf der Insel wie in Deutschland. Regierungschefin Francina Armengol hatte bei ihrem virtuellen Auftritt am 10. März im Rahmen der Internationalen Tourismusbörse ITB die Touristen aus der Bucht von Palma noch willkommen geheißen: „Die Balearen werden langsam die Aktivität wiederaufnehmen und die Wirkung jedes Schrittes überprüfen, bevor Sie den nächsten machen.“

Leere Inseln: Die Deutschen sind entzückt

Rund 40.000 Deutsche sitzen auf gepackten Koffern und wollen über die Ostertage Mallorca und die Nachbarinseln besuchen. Alles schien so einfach: Wenn in Deutschland nicht gereist werden soll oder darf, dann eben ab in den Urlaubsflieger in den Süden, wo die Corona-Fallzahlen auf einem niedrigeren Niveau sind.

Seit dem 12. März gilt Mallorca für Deutschland nicht mehr als Risikogebiet. Die Reiserückkehrer sind zur keiner Quarantäne verpflichtet. Lediglich ein Coronatest wird fällig, und den müssen praktischerweise die Fluggesellschaften vor der Rückkehr vornehmen. Bequemer könnte es für die Reisenden kaum sein. Ein angenehmer Nebeneffekt der Tatsache, dass andere Länder eine Reise ihrer Bürger auf die Balearen weniger gelassen sehen: Die Inseln sind leer.

Sogar Spanier vom Festland dürfen ihre Inseln noch nicht bereisen. „Zu Ostern werden nur die Deutschen auf Mallorca sein, die Briten und viele andere Europäer können nicht auf die Balearen fliegen“, sagte Tui-Deutschland-Chef Marek Andryszak der „Bild“-Zeitung.

Auch Großbritannien halte an seinen strengen Reiseregeln fest, die Briten – die wie die Deutschen eigentlich die Stammgäste stellen – dürfen frühestens Mitte Mai wieder ins Ausland reisen. Es verspricht somit ein ruhiger Urlaub zu werden: „Von den 1000 Hotels, die im Hochsommer geöffnet sind, werden nicht mal zehn Prozent zu Ostern zur Verfügung stehen“, sagte Andrysak.

Für viele Unternehmer auf der Insel dürfte das schon jetzt zu ruhig sein. Nach wochenlangem Corona-Stillstand sind viele Existenzen gefährdet. Und die Hoffnungen auf ein einträgliches Geschäft zu den Osterfeiertagen schwinden: Denn nach viel Kritik, die es an den Reiselockerungen für die Balearen hagelte, schwenkt nun möglicherweise auch bald die Bundeskanzlerin die rote Fahne.

Angela Merkel erteilte in der Schalte mit den Länderchefs am Mittwoch den Prüfauftrag, ob die Flüge nach Mallorca nicht doch untersagt werden können. Vizekanzler Olaf Scholz kritisierte Mallorca-Reisen. „Es ist nicht gut, dass jetzt in dieser Situation solche Urlaubsreisen stattfinden.“ Das dürfe mitten in der dritten Welle der Pandemie kein größerer Trend werden. Ob ein Verbot rechtlich möglich ist, ist noch unklar.

Fast jeder zweite Gastronomiebetrieb vor dem Aus

Für Mallorca war die Ankündigung einer Reisewelle aus Deutschland eine Morgendämmerung in der Pandemie. Der Verband der Klein- und Mittelständler Mallorcas, Pimem, geht davon aus, dass 40 Prozent der Gastronomiebetriebe auf den Balearen die kommenden Wochen nicht überleben werden – mit oder ohne die deutsche Osterulauber.

Die Ankündigung, dass die Touristen zurückkehren konnte zumindest bei einigen in der Tourismusbranche noch für Erleichterung sorgen: „Das ist eine fantastische Nachricht. Die Insel und die Menschen brauchen den Tourismus als Motor der Wirtschaft. Wenn die Touristen nicht kommen, wird die Insel an Hunger sterben“, zitierte die „Mallorca Zeitung“ einen Fremdenführer.

Dass die Lockerungen nun schon wieder einkassiert und Innenräume geschlossen werden, bringt manchen Unternehmer jetzt an den Rand der Verzweiflung: „Das ist das endgültige Aus“, zitiert die „Süddeutsche Zeitung“ Alberto Jareño, der drei Restaurants in Mallorcas Hautpstadt Palma betreibt. Er und andere Gastronomen und Kleinunternehmer haben sich bereits vor Wochen zur Vereinigung Resistencia Balear zusammengeschlossen und schon mehrmals gegen Schließungsmaßnahmen demonstriert. Die nächste Demo ist für den 29. März geplant. „Diesmal wird es nicht mehr friedlich ablaufen“, kündigt er an.

Die Frage, ob man mehr oder weniger Risiken eingehen will, polarisiert die Inseln: Während die einen auf die Barrikaden gehen, sind andere aber auch erleichtert, dass die Balearen nicht volles Risiko laufen, wieder im totalen Lockdown zu landen. Touristen bringen zwar Geld und Arbeit, aber auch die Risiken in der Pandemie. Selbst für Mallorcas Hoteliersverband FEHM, waren die Lockerungsmaßnahmen offenbar verfrüht. „Wenn wir jetzt Fehler machen, verspielen wir die Sommersaison“, sagte eine Sprecherin.

Der Beitrag ist zuerst erschienen auf ntv.de


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