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Flugchaos Lufthansa muss mit Entschädigungszahlungen von rund 100 Mio. Euro rechnen

Anzeigetafel mit annulierten und verschobenen Flügen
Anzeigetafel mit annulierten und verschobenen Flügen. Lange Warteschlagen vor dem Check-In sorgen für Frust bei den Flugreisenden
© IMAGO / Panama Pictures
Das Flugchaos kommt die Lufthansa teuer zu stehen. Nach einer ersten Zwischenbilanz des Verbraucherportals Flightright muss der deutsche Marktführer mit hohen Kompensationszahlungen rechnen

Für das anhaltende Chaos im Luftverkehr mit zahlreichen Verspätungen und Flugausfällen wird die Lufthansa in diesem Jahr voraussichtlich knapp 100 Mio. Euro als Kompensation an ihre Kunden zahlen müssen. Diese erste Zwischenbilanz zieht Oskar de Felice, Rechtsexperte beim Verbraucherportal Flightright, im Capital-Interview. Flightright versteht sich als digitale Rechtsplattform, die Passagiere bei ihren Forderungen von Erstattungen und Schadensersatz unterstützt.

Bei Flightright selbst seien bislang Forderungen in Höhe einer fast zweistelligen Millionen-Euro-Summe gegen die Lufthansa eingegangen, sagte de Felice: „Das wird sich bei uns voraussichtlich zwischen 10 und 15 Mio. Euro einpendeln.“ Hochgerechnet auf alle Forderungen im Markt, die auch von anderen Fluggastrechteportalen, Anwälten oder von den Passagieren direkt gestellt werden, werde das Volumen seinen Schätzungen und Erfahrungen aus den Vorjahren für die Lufthansa in diesem Jahr rund 80 bis 90 Mio. Euro betragen. Das sei eine konservative Berechnung. Darin seien noch keine Forderungen für Übernachtungs- und Verpflegungskosten enthalten. Zudem machen nach Angaben von Flightright bislang auch nur 30 bis 45 Prozent der Passagiere ihre berechtigten Forderungen gegenüber den Fluggesellschaften geltend.

Nach der EU-Passagierrechtsverordnung müssen Fluggesellschaften bei selbstverschuldeten Verspätungen ihren Kunden Umbuchungen oder Ticketkostenerstattungen anbieten. Bei Flugausfällen kommen zudem pauschale Entschädigungszahlungen von 250 bis 600 Euro hinzu. Betroffene Passagiere haben bis Ende 2025 Zeit, ihre Ansprüche geltend zu machen.

Das Chaos in diesem Jahr startete Ende Mai mit der ersten Reisewelle zu Pfingsten und setzt sich in der Hauptreisezeit weiter fort. Laut Flightright-Experte de Felice sind die Auswirkungen allerdings noch nicht so gravierend wie 2018 nach der Insolvenz der damals zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft Air Berlin als der Flugplan sämtlicher Airlines durcheinander geriet. Im Gegensatz dazu konzentrierten sich die Probleme in diesem Jahr auf weniger Airlines. „In Deutschland verzeichnet die Lufthansa mit Abstand die meisten Ausfälle und Verspätungen“, so de Felice. „Dagegen fliegen Wettbewerber wie die Billigflieger Ryanair und Easyjet hier relativ normal.“


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