KommentarLufthansa - Exit für die Steuerzahler 

Stillgelegte Lufthansa-Maschine in SchönefeldIMAGO / Jochen Eckel

Lufthansa-Chef Carsten Spohr und sein neuer Finanzvorstand Remco Steenbergen stehen an diesem Morgen in der First Class Lounge am Frankfurter Flughafen, um ihre Bilanzzahlen für das Krisenjahr 2020 zu präsentieren. Schnittchen und Champagner gibt es hier nicht mehr. Der edle Wartebereich ist bis auf weiteres stillgelegt. „Ich arbeite seit einem viertel Jahrhundert für dieses Unternehmen“, sagt Spohr.  Er habe sich nie vorstellen können, dass er morgens um zehn Uhr zur Hauptverkehrszeit an Deutschlands größtem Drehkreuz in einem menschleeren Terminal stehen würde.

Kennzahlen Lufthansa

Das ist im März 2021 ebenso Realität, wie der größte Verlust in der Geschichte der Deutschen Lufthansa. Das Konzernergebnis summiert sich auf ein Minus von 6,7 Mrd. Euro. Vor Ausbruch der Pandemie stand unter dem Strich ein Plus von 1,2 Mrd. Euro. Das Geschäft liegt seit Monaten brach. Und noch gibt es keine Entwarnung, da noch immer nicht in Aussicht gestellt ist, wann die restriktiven Reisebeschränkungen aufgehoben werden.

Dem Lufthansa-Manager bleibt nichts anderes übrig, als weiter hart zu sparen: Flotte und Belegschaft zu reduzieren, unrentable Geschäftsbereiche veräußern, den Verwaltungsapparat zu verschlanken, Investitionen zurückzufahren. Die wichtigste Botschaft der beiden Vorstände an diesem Morgen aber war: „Wir wollen lieber am Kapitalmarkt verschuldet sein, als bei den Steuerzahlern.“

In den letzten Monaten haben Spohr und Steenberger die Bereitschaft der Investoren getestet. Mit großem Erfolg. Ein Teil der Staatshilfen von knapp 10 Mrd. Euro, die im Sommer 2020 das Überleben der Fluglinie gesichert haben, sind durch Umschuldungen am Anleihemarkt bereits zurückgezahlt. Da geht noch mehr. Die Lufthanseaten wollen nicht nur das an steigende Zinsen und hohe Auflagen gebundene Staatsgeld zurückzahlen. Steenberg will sich für künftige Krisen auch ein Liquiditätspolster von 6 bis 8 Mrd. Euro aufbauen. Das wäre ein ziemlicher Batzen.

Aber in den kommenden Wochen könnte die Euphorie der Investoren kräftig entfacht werden: Sobald die ersten Reiseziele geöffnet werden, wird es einen Ansturm auf die Flugtickets geben und gleichzeitig auch die Airline-Kurse durch die Decke gehen. Die Begeisterung der Anleger hält in dieser volatilen Branche zwar in der Regel nur für kurze Zeit. Aber die will genutzt sein.

 


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