GeldanlageAirline-Aktien: die große Urlaubswette

Die Tui-Aktie ist zu einem Höhenflug abgehobenimago images / Aviation-Stock

Corona ist noch nicht vorbei, da macht in Großbritannien bereits die nächste Epidemie die Runde: Fernweh – auffälligstes Symptom: Urlaubsfieber. Seit Premierminister Boris Johnson angekündigt hat, zum Sommer hin Auslandsreisen wieder zu erlauben, sind die Flugbuchungen bei der britischen Airline Easyjet um mehr als 300 Prozent gestiegen. Reise-Weltmarktführer Tui verzeichnet sogar ein Buchungsplus von rund 500 Prozent. Dabei ist noch nicht einmal klar, wann genau Johnson die Grenzen öffnen will. Konkrete Pläne legt die britische Regierung voraussichtlich erst im April vor.

Nicht nur in Großbritannien, wo die Impfkampagne große Fortschritte verzeichnet, spekulieren Bürger auf einen entspannten Sommer. Auch in Deutschland regt sich Hoffnung, dass man die Sommerferien in diesem Jahr nicht auf Balkonien verbringen muss. Ebenso in anderen Ländern. In der Folge haben die Aktienkurse vieler Fluggesellschaften in den vergangenen Tagen deutlich angezogen.

Der Aktienkurs von Easyjet ist seit Mitte Februar um rund 22 Prozent gestiegen, von 9,30 Euro auf 11,40 Euro am Mittwochmittag (24. Februar). Tui hat im selben Zeitraum um rund 23 Prozent zugelegt. Die Aktie kostete zuletzt 4,89 Euro und notierte damit so hoch wie seit Ausbruch der Coronakrise nicht mehr.

TUI Aktie

TUI Aktie Chart
Kursanbieter: L&S RT

Ryanair, American Airlines, Lufthansa: Überall geht es derzeit aufwärts. Analysten der Deutschen Bank und der Bank of America (BofA) haben die Aktien zahlreicher US-Fluggesellschaften auf „kaufen“ gesetzt und ihre Kursziele angehoben. Auch Experten der Investmentbank Goldman Sachs sehen bei Airline-Titeln Potenzial. Sie argumentieren, dass Fluggesellschaften von Lockerungen besonders stark profitieren dürften, weil die Menschen Nachholbedarf in Sachen Reisen haben. „Die Aktien von Fluggesellschaften steigen dank des Versprechens, dass die Sommersaison gerettet ist“, kommentiert Neil Wilson, Chefanalyst der Handelsplattform Markets.com.

Zu großer Optimismus?

Aber ist sie das tatsächlich? Dass die Buchungszahlen in die Höhe geschossen sind, ist jedenfalls kein Garant für eine gute Urlaubssaison. Sondern nicht viel mehr als ein Zeichen für den Optimismus der Reisewilligen. Der kann nur allzu schnell in Enttäuschung umschlagen, wenn wegen weiterer Lockdowns alle wieder zu Hause sitzen, statt sich am Strand in der Sonne zu aalen. „Der internationale Reiseverkehr wird problematisch bleiben und Restriktionen, Isolation und Tests unterliegen“, räumt Wilson ein.

An der Börse werden Erwartungen gehandelt. In den Erwartungen, die sich momentan in den Aktienkursen von Fluggesellschaften widerspiegeln, ist eine große Portion Zuversicht eingepreist – möglicherweise eine zu große. Die ansteckenderen Virus-Mutanten und die drohende dritte Infektionswelle könnten den Traum vom Sommerurlaub wieder zunichtemachen. In Deutschland steht deshalb bereits der Osterurlaub auf der Kippe. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hatte Urlaub zu Ostern kürzlich für unmöglich erklärt. Die Bundesregierung reagierte mit dem Hinweis, dass man sich noch nicht festlegen könne und den Corona-Trend im Blick behalten müssen. Der zeigt inzwischen leider wieder leicht nach oben. Ein schlechtes Zeichen für Urlauber und Airline-Aktionäre.

 


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