InterviewMartin Rees: „Neue Technologien werden der Schlüssel sein“

Martin Rees
Lord Martin Rees ist ein renommierter britischer Astrophysiker. In seinem neuen Buch "On the Future" erläutert er die Perspektiven der Menschheit für die Zukunft.Vodafone Institut


Der renommierte Astrophysiker Lord Martin Rees ist seit zwölf Jahren Mitglied des House of Lords, des englischen Oberhauses. Fünf Jahre lang leitete er die Royal Society, die britische Akademie der Wissenschaften. Er bekleidet zudem offiziell das Amt des königlichen Astronomen von Großbritannien.


Capital: Lord Rees, Sie sind Astronom nicht Ökonom. Ist die Astronomie ein Feld, in dem das Undenkbare denkbar wird, auch im Hinblick auf Technologie und Wirtschaft?

LORD MARTIN REES: Mein beruflicher Hintergrund beeinflusst mich insofern, als dass ich mir immer wieder die enorme Zeitspanne bewusst mache, die der Menschheit noch bevorsteht. Es werden Taten und es wird Handeln der Menschheit sein, die darüber bestimmen, ob die Zukunft strahlend oder tiefschwarz wird.

Sie denken also, es wird auf die Frage „Alles oder Nichts“ hinauslaufen. Welche Rolle spielt hierbei der technologische Fortschritt?

Unser Leben, unsere Gesundheit und unsere Umwelt können von weiteren Entwicklungen in der Bio-, Cyber-, und Robotertechnologie, wie auch der Künstlichen Intelligenz stark profitieren. In dieser grundsätzlichen Frage bin ich ein klarer Technik-Optimist.

Sie erwähnten eine Reihe von sogenannten Zukunftstechnologien darunter auch die Künstliche Intelligenz (KI), die aktuell ein großes Thema in den Medien ist. Inwiefern wird KI unser Leben in Zukunft beeinflussen?

Das selbstständige Lernen von Maschinen ist ein unglaublicher Durchbruch. Dabei befindet sich die KI noch in den Kinderschuhen! Die Erwartungen an diese Technologie sind entsprechend hoch, Prognosen jedoch schwierig.

Versuchen Sie es!

Wir wissen, dass sich mit Künstlicher Intelligenz Systeme von ebenso hoher Geschwindigkeit wie Komplexität meistern lassen. Als Beispiel seien Stromnetze oder der Verkehrsfluss genannt. Politisch wäre denkbar, dass ein Staat wie China, ein gigantisches Ausmaß an Informationen sammelt und verarbeitet, um seine Wirtschaft in bisher unbekannter Radikalität zu optimieren und zu lenken.

Und wissenschaftlich?

KI besitzt die Fähigkeit, Trilliarden Möglichkeiten zu berechnen. Der Wissenschaft könnte sie dabei helfen bessere Medikamente oder Materialien, etwa für die Stromversorgung, zu kreieren.

KI ist ein zweischneidiges Schwert?

Absolut! Das ist auch heute schon der Fall. Wenn ein Fehler in einer Software oder einem System mit künstlicher Intelligenz auftaucht, gelingt es nicht immer, ihn zu finden. Stellen Sie sich vor, ein solches System entscheidet über Gerichtsurteile, chirurgische Eingriffe oder die Kreditvergabe bei einer Bank.