FinanzevolutionKryptowährungen und ICOs zwischen Wildnis und Zähmung

Symbolbild für Bitcoin, Etherum und Ripple: Die Zahl der Kryptowährungen steigt stetigPixabay.com

Vor einem Jahr verbrachten meine Frau und ich unseren Urlaub in Namibia. Das ist ein wunderschönes Land, in dem sich – anders als in unseren Breitengraden – der Übergang zwischen fast unberührter Wildnis und zivilisatorischer Zähmung gut beobachten lässt. Während bei uns das Leben, die Arbeit und sogar das Ableben strikt geregelt sind, scheint man in Afrika nur das Notwendigste und oft nicht einmal das regulieren zu wollen. Diese Wildnis können wir derzeit noch bei Kryptowährungen wie Bitcoin, Ether, Ripple oder IOTA beobachten. Sie sorgen weltweit für viel Aufmerksamkeit.

Regierungen und Regulatoren ringen um den richtigen Umgang mit diesen neuen Finanzinstrumenten. Die starken Kursbewegungen beschäftigen Spekulanten und Unternehmen, die sich über „Kryptos“ finanzieren wollen. Der Marktwert aller derzeit über 1500 Kryptowährungen bewegt sich auf einer rasanten Achterbahnfahrt. Von Anfang 2017 noch unter 20 Mrd. Dollar ging es bis im Januar 2018 auf über 800 Mrd. Dollar. Derzeit pendelt der Marktwert laut des Branchendienstes Coinmarketcap um die 300 Mrd. Dollar.

ICOs als Finanzierungsinstrument

Längst haben Start-ups Kryptos als Finanzierungsinstrument entdeckt. Und erste etablierte Unternehmen (zum Beispiel Kodak) versuchen sich über sogenannte ICOs zu finanzieren. ICOs (= Initial Coin Offering) sind eine noch junge Adaption der Unternehmensfinanzierung, die seit 2017 einen Boom erleben (hier eine laufend aktualisierte Statistik). Die Bezeichnung ist an den englischen Begriff für Börsengang „Initial Public Offering“ (IPO) angelehnt, hat damit aber wenig zu tun. Ich habe darüber bereits hier und hier geschrieben. Bei einem ICO werden digitale Token (Token = Wertmarke) für verschiedenste Zwecke verkauft. Technisch realisiert werden ICOs mit Hilfe von Varianten der Blockchain-Technologie, die auch der Mutter aller Kryptowährungen zu Grunde liegt, dem Bitcoin. Mit Hilfe der Blockchain-Technologie werden Verfügungsrechte über materielle und immaterielle Güter mit Hilfe kryptografischer Verfahren manipulationssicher dezentral und digital dokumentiert.

In den vergangenen 14 Monaten haben nach Erhebung der Start-up-Datenbank Crunchbase Gründer 4,5 Mrd. Dollar über ICOs eingesammelt. Über traditionelle Finanzierungsrunden sollen es danach nur 1,3 Mrd. Dollar gewesen sein. Manche Token können zur Nutzung von Dienstleistungen oder zum Kauf von Produkten verwendet werden (man spricht dann von einem utility token). Dies beabsichtigt etwa das Frankfurter Fintech Savedroid. Andere beinhalten bestimmte Rechte, wie Stimmrechte, Gewinnanteile, Zinsen oder andere Wertversprechen. Oft sind diese Gegenleistungen selbst für Fachleute nur schwer erkennbar und zu bewerten. Gleichwohl haben viele dieser Kryptoassets einen positiven Marktwert und werden auf spezialisierten Plattformen (Kryptobörsen genannt) gehandelt. Dort können sie in herkömmliche Währungen oder andere digitale Token getauscht werden.