ZEW-IndexKonjunkturerwartungen von Finanzinvestoren im freien Fall

Die Corona-Pandemie hat die Börsen durchgeschüttelt und für einen ordentlichen Kurssturz gesorgt
Die Corona-Pandemie hat die Börsen durchgeschüttelt und für einen ordentlichen Kurssturz gesorgtdpa

Die unmittelbar spürbaren Folgen der Coronakrise dämpfen deutlich den Konjunkturausblick der Finanzinvestoren. Das Barometer der Erwartungen für die nächsten sechs Monate fiel im März kräftig um 58,2 Zähler auf minus 49,5 Punkte. „Dies ist der stärkste Rückgang seit Beginn der Umfrage im Dezember 1991“, teilte das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag mit.

Die Befragung von 170 Analysten und institutionellen Anlegern nach ihren mittelfristigen Erwartungen gibt im Gegensatz zu Konjunkturprognosen der Wirtschaftsinstitute die Stimmung der Börsianer wieder. Laut ZEW-Präsident Achim Wambach hat sich der Einbruch abgezeichnet. „Für die Konjunktur stehen die Signale auf Rot“, sagt Wambach.

Damit bestätigt die Umfrage andere Prognosen, wonach sich ein dramatischer Einbruch andeutet. Die Zeichen für die deutsche Wirtschaft stehen auf Stillstand. Experten und Analysten schließen flächendeckende Produktionsstillstände nicht aus, während das Coronavirus sich auch in den Betrieben ausbreite. Eine Rezession scheint nicht mehr abwendbar.

 

Die Finanzmarktexperten gehen aktuell von einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im ersten Quartal aus und halten auch für das zweite Quartal ein Minus für sehr wahrscheinlich. Für das Gesamtjahr 2020 erwartet die Mehrheit der Experten zum aktuellen Zeitpunkt einen auf die Corona-Pandemie zurückzuführenden Wachstumsrückgang des realen BIP von etwa einem Prozentpunkt.

Im vergangenen Jahr war die deutsche Wirtschaft wegen schwacher Weltkonjunktur, Handelskonflikten und Brexit-Chaos schon mit 0,6 Prozent so langsam gewachsen wie seit 2013 nicht mehr. Die Bundesregierung rechnet für 2020 aktuell wegen der Folgen des Coronavirus mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung.

Auch was die Eurozone betrifft, so sinken die ZEW-Erwartungen der Finanzmarktexperten schmerzhaft. Sie sind mit einem Rückgang um 59,9 Punkte ebenso dramatisch wie für Deutschland. Der Indikator für das Eurogebiet liege bei einem Wert von minus 49,5 Punkten. Der Indikator für die aktuelle Konjunkturlage im Eurogebiet sinkt ebenfalls stark.

 


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