GastbeitragKlimaschutz: Zusammendenken, was zusammengehört

Thyssenkrupp Steel wirbt für die Verwendung von Wasserstoff auf Großplakat an der A40. Der Konzern will Wasserstoff in seinem Werk in Duisburg bei der Stahlproduktion einsetzen und so zum Klimaschutz beitragen.imago images / Cord

Die zunehmenden unternehmerischen Anstrengungen zum Klimaschutz und insbesondere einer Reduzierung der CO2-Emissionsintensität sind wichtige erste Bausteine auf dem Weg zur Klimaneutralität. Doch vor dem Hintergrund der zu erwartenden Folgen des Klimawandels und den sich daraus ergebenden Herausforderungen ist deutlich, dass die notwendige gesellschaftliche Transformation mehr umfasst. Es muss darum gehen, Klimaschutz, Anpassung an die Folgen des Klimawandels und Nachhaltigkeit zukünftig viel konsequenter zusammenzudenken, um die Transformation hin zu einer ressourcenschonenden, nachhaltigen, klimaneutralen und -angepassten Gesellschaft erreichen zu können. So zeigt beispielsweise der Ende 2018 veröffentlichte IPCC-Sonderbericht über 1,5 Grad Celsius globale Erwärmung des Weltklimarates, dass eine entsprechende Begrenzung der globalen Erwärmung möglich ist. Dies macht jedoch grundlegende Veränderungen und Transformationen in vielen gesellschaftlich und wirtschaftlich bedeutenden Bereichen notwendig.

Um den Herausforderungen des Klimawandels wirksam zu begegnen, müssen wir also insgesamt noch nachhaltiger Wirtschaften. Gefragt sind dabei Unternehmen, die ökonomische Geschäftsmodelle mit einer Wirtschaftsweise verbinden, die natürliche Ressourcen schont, die Umwelt wenig belastet sowie unsere Wirtschaft und Gesellschaft insgesamt widerstandsfähiger macht.

Klassifizierungssystem für nachhaltige Wirtschaftsaktivitäten

Von großer gesellschaftlicher Relevanz sind im Zuge dessen Unternehmen im Bereich der sogenannten kritischen Infrastrukturen, die eine große gesamtwirtschaftliche Bedeutung haben und deren Ausfall oder Beeinträchtigung zu gravierenden Versorgungsengpässen, erheblichen Störungen der öffentlichen Sicherheit oder anderen dramatischen Folgen führen kann. In Folge des Klimawandels ist zu erwarten, dass es vermehrt zu Beeinträchtigungen oder Ausfällen von kritischen Infrastrukturen kommt, wobei beispielsweise die Strom-, Wärme- und Wasserversorgung, die Abwasserentsorgung, der Verkehrssektor sowie die Informationstechnik und die Telekommunikation zu nennen sind. Hier gilt es dringend auch die notwendigen und langfristig verlässlichen Finanzierungsgrundlagen zu schaffen, um zentrale Versorgungsinfrastrukturen zukunftsfähig und widerstandsfähig zu machen.

Um unternehmerisches Handeln und Investitionen insgesamt stärker vor allem an Nachhaltigkeit, Klimaschutz und der Berücksichtigung von Klimarisiken auszurichten, ist der Ansatz des Klassifizierungssystems für nachhaltige Wirtschaftsaktivitäten („Taxonomie“) der EU-Kommission positiv hervorzuheben. Die Taxonomie legt Kriterien für Teilsektoren der Wirtschaft fest. Nur wenn Aktivitäten diese Kriterien erfüllen, gelten sie als nachhaltig, wobei die Taxonomie insbesondere auch einheitliche Kriterien für nachhaltige Investitionen schafft und dadurch mehr Transparenz und Vergleichbarkeit ermöglicht. Dadurch soll künftig auch die Finanzierung von Infrastrukturen beeinflusst werden. Sie soll Unternehmen dazu bewegen offenzulegen, inwieweit bestimmte Geschäftsaktivitäten beispielsweise zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels, zum Klimaschutz oder zur nachhaltigen Entwicklung beitragen und dadurch den entsprechenden Kapitalfluss zu diesen Unternehmen erhöhen.

Noch können die Klimaziele erreicht werden

Dem einzelwirtschaftlichen unternehmerischen Handeln kommt also eine weiter wachsende Verantwortung für die Berücksichtigung der Herausforderungen des Klimawandels als sich verändernde Rahmenbedingungen zu – sowohl vor dem Hintergrund des Klimaschutzes und der nachhaltigen Entwicklung als auch der Sicherstellung einer hohen Versorgungssicherheit durch resiliente Infrastrukturen.

Flankiert von wichtigen Rahmenbedingungen, Impulsen und Orientierungen wie beispielsweise dem IPCC-Sonderbericht über 1,5 Grad Celcius globale Erwärmung, dem Green Deal der EU, der FONA-Strategie des BMBF zur Forschung für Nachhaltigkeit, der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie, der Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel sowie der Helmholtz-Klima-Initiative müssen nun die nächsten entscheidenden Schritte zur gesellschaftliche Transformation gegangen werden. Der Erfolg wird entscheidend von der Zusammenarbeit und dem Dialog aller gesellschaftlichen Akteure sowie einem grundlegenden gemeinsamen Werteverständnis – insbesondere auch zwischen der Forschung und der praktischen Entscheidungs- und Umsetzungsebene vor Ort – abhängen.

Noch können die zentralen Klima- und Nachhaltigkeitsziele erreicht werden, denn grundsätzlich sprechen weder physikalische, chemische, technologische, finanzielle oder kulturelle Gründe dagegen. Dies wird aber nur gelingen, wenn neben einem starken unternehmerischen und gesellschaftlichen Handeln staatliche Entscheidungen die notwendige Verlässlichkeit und Vertrauen schaffen. Die Zeit drängt.

 


Prof. Dr. Daniela Jacob ist Meteorologin und Direktorin des Climate Service Center Germany (GERICS) am Helmholtz-Zentrum Geesthacht sowie Gastprofessorin an der Leuphana Universität Lüneburg. Dr. Markus Groth ist Ökonom und wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Unternehmen und Gesellschaft des Climate Service Center Germany (GERICS) am Helmholtz-Zentrum Geesthacht.