InterviewChristoph Bruns über seine erste Million

Christoph Bruns
Christoph Bruns, 50, ist Fondsmanager, Teilhaber und Vorstand des Aktienfondsspezialisten Loys
© Lyndon French

Herr Bruns, erinnern Sie sich noch an Ihre erste Aktie?

Klar. Ich fand 1986 auf dem Schreibtisch meines Vaters einen Börsenbrief, der eine kanadische Goldaktie empfahl. Da war ich 19. Ich stieg mit meinen Ersparnissen ein: 2000 Mark, die ich mir mit dem Walzen von Tennisplätzen verdient hatte.

Und, ging die Spekulation auf?

Anfangs ja. Der Wert verdoppelte sich. Mehrmals. Ich dachte: Prima, so kann man sich lästiger Arbeit entledigen! Die Aktie war natürlich Schrott. Nach dem Crash 1987 wurde sie wertlos. Zum Glück.

Wieso zum Glück?

Ich betrachte es als Schicksal. Meine Faszination für die Börse war geweckt. Ich erkannte meinen Fehler, wollte alles wissen. Ich begann ein BWL-Studium, promovierte und fing mit 26 als Fondsmanager bei Union Investment an. Die hatten damals kaum Aktienexpertise und gaben mir eine Chance. Ich habe den Schmerz der hart erwalzten 2000 Mark aber nicht vergessen. Da hat sich mir etwas eingeprägt: Vorsicht vor Aktien, die alle toll finden. Viel besser sind Papiere, die unter Wert gehandelt werden.

„Hören Sie Leuten zu, die reich geworden sind“

Capital 06/2017
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Wann kam die erste Million?

Bei Union stieg ich rasch zum Aktienchef auf, dann zum Leiter des Portfoliomanagements. Der Börsenboom bescherte uns blendende Geschäfte. Man gab mir als 27-Jährigem den Aktienfonds Uniglobal zur Verwaltung. Das ist heute ein milliardenschwerer Riester-Fonds, war damals aber ein totes Pferd mit übler Performance. Ich änderte das. Mit 31 hatte ich die Million zusammen.

War die Million denn Ihr Ziel?

Überhaupt nicht. Das war Teil der Arbeit, die ich bis heute liebe: Geld dort verwalten, wo jeden Tag etwas Neues passiert – an der Börse. Warren Buffett oder Bill Gross arbeiten im hohen Alter auch nicht, weil sie es noch müssen. Die sind fasziniert und getrieben von dem, was sie tun.

Aber Sie sind nach dem Börsencrash 2001 ausgestiegen. Warum?

Meiner Frau, einer US-Amerikanerin, hatte ich versprochen, dass wir in die USA ziehen, wenn wir Nachwuchs bekommen. Eine Woche später war sie schwanger. Ich kündigte, und wir zogen nach Chicago. Nur herumsitzen war aber nichts für mich, auch wenn ich damals mit Ende 30 bereits genug verdient hatte. Also stieg ich 2004 als Teilhaber und Fondsmanager bei Loys ein.

Was ist denn Ihr Rat: Wie wird man bei der Geldanlage reich?

Hören Sie Leuten zu, die reich geworden sind. Notfalls auch einem Donald Trump. Nicht selbst ernannten Experten oder weltfremden Professoren. Finanziell ist die Beteiligung an Unternehmen über Aktien das Klügste und Beste überhaupt. Daher liegt mein Vermögen auch vollständig in meinen Fonds.

Empfehlen Sie jungen Leuten noch, in der Finanzbranche zu arbeiten?

Die ist in Verruf geraten, aber das wird sich wieder ändern. Finanzen sind das Öl im Motor der Wirtschaft. Ob die Politik will oder nicht.


Christoph Bruns, 50, ist Fondsmanager, Teilhaber und Vorstand des Aktienfondsspezialisten Loys. Von Chicago aus verwaltet er Aktienfonds im Volumen von 1,2 Mrd. Euro. Bruns schreibt regelmäßig Kolumnen für capital.de und ärgert sich vor allem über die Stigmatisierung der Aktienanlage in Deutschland.


Meine erste Million erscheint monatlich in Capital. Weitere Folgen: Sipgate-Chef Tim Mois, Jazzmusiker Nils Landgren, Autohändler Burkhard Weller, Lambertz-Chef Hermann BühlbeckerTV-Entertainer Eckart von Hirschhausen, Filmregisseur Roland Emmerich, Schriftstellerin Cornelia Funke, Immobilienunternehmer Christian Völkers, Rapper Samy Deluxe, Schiffscontainerhändler Ian Karan, Filmproduzentin Regina Ziegler, Start-up-Investor Morten Lund, Vaude-Gründer Albrecht von Dewitz, Trigema-Chef Wolfgang Grupp, Ex-Manager Jan Bredak, Investor Frank Thelen, Vermögensverwalter Gottfried Heller, Reiseunternehmerin Jasmin Taylor, Ex-Rennfahrer Niki Lauda, Promi-Wirt Michael Käfer, Erlebnisunternehmer Jochen Schweizer, Internetunternehmer Fabian Heilemann, Modedesignerin Jette Joop, Scanhaus-Chef Friedemann Kunz, Lichtblick-Gründer Heiko von Tschischwitz und Xing-Gründer Lars Hinrichs.

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