ExklusivInvestor wirft Deutscher Bank Versagen in Danske-Affäre vor

Symbolbild: Deutsche Bank
Symbolbild: Deutsche BankGetty Images/Alex Kraus

In der Geldwäscheaffäre bei der Danske Bank wirft der US-Investor Bill Browder der Deutschen Bank und weiteren westlichen Finanzinstituten Fehlverhalten vor. Die Institute hätten ein Geldwäschenetzwerk „gestützt“, über das russische Beamte 230 Mio. Dollar aus einem Steuerbetrug gewaschen hätten, sagte Browder dem Wirtschaftsmagazin Capital. Sergei Magnitski, Wirtschaftsprüfer von Browders Fonds Hermitage Capital, hatte die Affäre im Jahr 2008 aufgedeckt, landete aber selbst im Gefängnis, wo er 2009 unter bis heute ungeklärten Umständen starb. Als Reaktion erließ die US-Regierung 2012 den „Magnitski Act“ mit Sanktionen gegen mehrere russische Beamte.

Nach den Recherchen von Browder, der früher zu den größten ausländischen Investoren in Russland zählte, aber im Zuge der Magnitski-Affäre zu einem scharfen Kreml-Kritiker wurde, landeten die 230 Mio. Dollar aus dem mutmaßlichen Steuerbetrug am Ende auf 21 Konten von Briefkastenfirmen bei der Danske Bank in Estland – jener Bank, die derzeit im Zentrum eines der größten Geldwäscheskandale der Geschichte steht. Über das Netzwerk von mehreren Dutzend Firmen in mehreren Ländern seien Transaktionen über insgesamt 9 Mrd. Dollar abgewickelt worden, sagte Browder, der die Geldflüsse mithilfe der estnischen Ermittlungsbehörden rekonstruiert hat. Dabei habe sich das Geldwäschenetzwerk nicht nur auf die Danske Bank stützen können, sondern auch auf weitere Finanzinstitute, über die die Zahlungen abgewickelt wurden. Ein detailliertes Schaubild mit den Geldflüssen zwischen beteiligten Firmen liegt Capital vor.

Bill Browder
Bill Browder war mit seinem Fonds Hermitage Capital Großinvestor in Russland. Nach dem Tod seines Wirtschaftsprüfers Sergei Magnitski 2009 sorgte er dafür, dass der Fall weltpolitische Folgen hatte (Foto: Getty Images/Drew Angerer)

Westliche Banken seien bereit gewesen, für „offenkundige Strohfirmen“ ohne rechtmäßige Geschäftsaktivitäten Konten zu führen, sagte Browder. Auch die Korrespondenzbanken, die für die Danske-Tochter in Estland Transaktionen in Dollar abwickelten, hätten von den verdächtigen Konten und Zahlungen gewusst. „Diese Banken haben augenscheinlich dabei versagt, umgehend Gegenmaßnahmen einzuleiten oder die Transaktionen den Behörden zu melden“, sagte Browder. Zu den drei Korrespondenzbanken der Danske Bank zählte jahrelang auch die Deutsche Bank, über die der weitaus größte Teil der dubiosen Zahlungen bei der Danske Bank Estland abgewickelt wurde. Mittlerweile stufen die Dänen Transaktionen bei ihrer estnischen Tochter in Höhe von rund 230 Mrd. Dollar zwischen 2007 und 2015 als verdächtig und mutmaßlich illegal ein.

Auf Anfrage von Capital erklärte die Deutsche Bank, es sei die Aufgabe der Danske Estland als kontoführende Bank gewesen, ihre Kunden entsprechend den geltenden Vorschriften zu überprüfen. Ihre Geschäftsbeziehung mit der estnischen Filiale der Danske Bank habe die Deutsche Bank 2015 beendet, „weil uns Transaktionen wiederholt verdächtig vorkamen“. Allgemein habe man im Zusammenhang mit den Vorgängen bei der Danske Bank „bisher kein Fehlverhalten unserer Bank feststellen“ können.

Lücken bei Geldwäschekontrollen

Die neue Capital erscheint am 24. Januar
Die neue Capital erscheint am 24. Januar

Wegen Lücken bei den internen Geldwäschekontrollen steht die Deutsche Bank seit einiger Zeit im Visier der deutschen Finanzaufsicht. Im Herbst installierte die Aufsichtsbehörde einen Sonderbeauftragten für Geldwäschebekämpfung in der Frankfurter Bankzentrale, der für eine Verbesserung der Kontrollmechanismen sorgen soll – ein Novum in der Branche. Auch die Geschäftsbeziehung zur skandalgeplagten Danske Bank droht das Institut weiter zu belasten. Sollte sich eine Verbindung zum Fall Magnitski bestätigen, könnte die Bank unter Umständen auch Probleme in den USA bekommen.

Im Zusammenhang mit den Transaktionen in der Magnitski-Affäre hatte Hermitage-Capital-Gründer Browder den estnischen Behörden schon vor mehreren Monaten 26 Danske-Bank-Mitarbeiter gemeldet, die Beihilfe zur Geldwäsche geleistet hätten. Kurz vor Weihnachten nahm die Polizei in Estland zehn frühere Mitarbeiter der Bank fest – in erster Linie wegen ihrer Rolle in anderen Geldwäschesystemen bei der estnischen Danske-Bank-Tochter. In einer eigenen Untersuchung hatte die Bank 42 aktuelle und frühere Mitarbeiter sowie externe Agenten identifiziert und den Behörden gemeldet, die in verdächtige Aktivitäten bei ihrer Filiale in Estland involviert gewesen seien.