GastbeitragInsolvenzgefahr im Profifußball: Die Clubs sind „too popular to fail“

Der 1. FC Kaiserslautern aus der Dritten Liga meldete in dieser Woche Insolvenz animago images / Jan Huebner

Der Re-Start der 1. und 2. Bundesliga ist gelungen. Die ersten fünf Spieltage konnten erfolgreich als Geisterspiele absolviert werden, und auch in der 3. Liga rollt mittlerweile wieder der Ball. Es wurde weder von größeren Fanansammlungen noch von einer bedeutenden Zahl neuer Corona-Ansteckungen infolge der Wiederaufnahme des Spielbetriebs berichtet. Insofern scheinen die Voraussetzungen für die Zahlung der für die Clubs der 1. und 2. Bundesliga so wichtigen Fernsehgelder gesichert.

Trotz weiterhin stark verminderter Einnahmen aus Ticketing und Merchandising scheint die ohne Fernsehgelder drohende Insolvenzwelle von Clubs beziehungsweise deren Lizenzspielbetrieben (zumindest vorerst) abgewendet. Doch Vorsicht ist geboten: Wie verschiedene Fälle in anderen Bereichen der Gesellschaft wie Schlachthöfe oder Kirchen zeigen, können die Infektionszahlen schnell wieder ansteigen und zu einem erneuten Shutdown führen. Wissenschaftler warnen eindringlich vor einer zweiten Corona-Welle.

Der Sport ist diesbezüglich noch exponierter als andere Branchen, da bereits der Ausfall weniger Mannschaften infolge eines Ausbruchs des Corona-Virus den gesamten Spielbetrieb der Ligen beeinträchtigen und aufgrund der damit verbundenen Wettbewerbsverzerrungen zu einer Störung der sportlichen Integrität und damit einer sportlichen Bedeutungslosigkeit des weiteren Wettbewerbs führen würde. Zudem hat die erfolgreiche Wiederaufnahme des Spielbetriebs die heftige Kritik aus vielen Teilen der Gesellschaft, einschließlich weiter Teile der fußballaffinen Öffentlichkeit, an einer Fortsetzung der Bundesligen überdeckt. Auch der erfolgreiche Neustart mit Geisterspielen hat die grundsätzliche Skepsis gegenüber einer Fortsetzung der Bundesliga nicht beseitigen können. Die gesellschaftliche und grundsätzliche Kritik an einer „Sonderbehandlung“ des Fußballs bleiben Risikofaktoren für eine erfolgreiche Beendigung der Saison und damit für den vollständigen Zufluss der Fernsehgelder – und sie belasten womöglich auch noch die kommende Spielzeit 2020/2021.

Diese Risiken sind Anlass genug, sich mit einer wenig beachteten Frage auseinanderzusetzen:  Was sind eigentlich die Konsequenzen eines Saisonabbruchs, dem damit voraussichtlich verbundenen Wegfall eingeplanter Medieneinnahmen und der – vielfach als das Damoklesschwert schlechthin beschriebenen – daraus resultierenden Insolvenzgefahr für einige Clubs?

Der durch das Corona-Virus ausgelöste externe Schock, wie Ökonomen es nennen, wird einen deutlichen Effekt in den Bilanzen der Clubs zeigen. Zudem trifft die Corona-Krise nicht nur einzelne Clubs, sondern die gesamte Fußballbranche. Laut eines „Kicker“-Berichts vom Anfang April droht 13 der 36 in der DFL organisierten Clubs ohne einen Spielbetrieb noch in der laufenden Saison die Insolvenz. In der 3. Liga dürfte die Situation noch dramatischer sein: Laut eines Berichts von „Focus Online“ von Ende April soll die Liste der Insolvenzen in der 3. Liga sogar unabhängig von der Fortsetzung des Spielbetriebs länger werden. Selbst DFB-Präsident Fritz Keller rechnet mit dramatischen Folgen der Corona-Pandemie und schließt Club-Insolvenzen nicht aus. Der Beinahe-Insolvenzfall des Zweitligisten Karlsruher SC sowie die aktuelle Diskussion um die Sanierung beziehungsweise Planinsolvenz des 1. FC Kaiserslautern, dessen Antrag beim Insolvenzgericht erst am Montag dieser Woche erfolgte, dienen als konkrete Beispiele. Die „Roten Teufel“ könnten damit sogar den Startschuss für die Insolvenzwelle auslösen.

Wirtschaftliche Krisen im Fußball sind besonders

Die Erklärungsansätze für die bisherige hohe Resistenz des Profifußballs gegen Insolvenzen, vor allem gegen endgültige Liquidationen sind in der besonderen Funktionsweise dieser besonderen Branche zu finden.

  • Fußballclubs führen ihren Lizenzspielbetrieb entweder in der Rechtsform einer Kapitalgesellschaft oder als eingetragener Verein. Sie sind dabei Arbeitgeber, Steuerzahler, schließen Verträge ab wie jedes andere Unternehmen und setzen Millionenbeträge um. Aber im Kern sind sie kulturelle Artefakte, die tief in ihren geographischen Regionen und der Gesellschaft verwurzelt sind. Die Rechtsformhülle kann zwar durch Insolvenz gefährdet werden, der Kern ist jedoch „quasi-unsterblich“. Denn es gibt für Fans weder Transferperioden, um ihren Verein zu wechseln, noch gibt es für die Historie und Tradition eines Clubs eine „Auswechselbank“, um ruhmreiche Legenden, Erfolge und Misserfolge auszutauschen. Aus diesem Grund ist es wahrscheinlich, dass sich (regionale) Politik – unter Berücksichtigung des rechtlichen Rahmens – und (regionale) Wirtschaft für den Erhalt eines solchen kulturellen Artefaktes entscheiden und in der Regel rettende Maßnahmen einleiten werden.
  • Die Wertschöpfung im Sport ist grundsätzlich ein ko-kreativer Prozess, das heißt nicht der Club alleine verkauft eine erstellte Leistung, sondern viele Parteien, einschließlich seiner Fans, erstellen die Leistung gemeinsam. Die Clubs beziehungsweise die Ligen stellen hierfür im Prinzip die Plattform. Hinzu kommt, dass ein Club alleine kein vermarktbares Produkt anbieten kann, er braucht Konkurrenten, die mit ihm unter Einhaltung bestimmter Regeln kooperieren. Diese sogenannte „Kooperenz“ (eine Symbiose aus Kooperation und Konkurrenz) bedeutet, dass Clubs einander benötigen und, anders als „gewöhnliche“ Wirtschaftssubjekte, keinen Nutzen durch ein Monopol haben. Würde ein Club vom Markt verschwinden, so müsste ein anderer Club im Sinne eines Nullsummenspiels nachrücken, aber kein Club wird seine Anteile am Spielbetrieb dadurch direkt vergrößern können. Somit ist eine Liquidation, insbesondere wertvoller Konkurrenten, für keinen Club, Fan, Medienunternehmen oder Sponsor ein wünschenswertes Szenario.
  • Durch den Zusammenschluss von Clubs zu Ligen und der Definition von verbindlichen Standards im sportlichen und wirtschaftlichen Bereich (beispielsweise die zentrale Vermarktung von Medienrechten, die 50+1-Regel, Punktabzüge bei Eröffnung von Insolvenzverfahren oder das Lizenzierungsverfahren der DFL beziehungsweise des DFB) wird eine weitere besondere Funktionsweise des Profifußballs deutlich: Die Clubs sind integraler Bestandteil eines gemeinsamen Angebots und dessen sportlicher Integrität und Reputation, die etwa durch das Ausscheiden von Clubs mitten in der Saison negativ beeinträchtigt würden.

Diese Funktionsmechanismen bilden einen natürlichen Rettungsschirm im Profifußball. Je größer die Strahlkraft des „kulturellen Artefaktes“, desto stärker wirkt der Rettungsschirm. Man könnte sagen, dass zahlreiche Clubs, insbesondere die sogenannten Traditionsclubs, mittlerweile „too popular to fail“ sind. Nicht zu unterschätzen ist aber auch der Einfluss der teils besonderen Finanzierungsstrukturen auf die ohnehin schon schwierige Beurteilung von Insolvenzantragsgründen im Kontext des Profisports. 

Ist das Damoklesschwert stumpf?

Ein Insolvenzverfahren zielt in erster Linie auf die bestmögliche Befriedigung der Gläubiger entweder durch Erhalt oder durch Abwicklung eines Wirtschaftssubjektes ab. Insofern kann dies theoretisch bedeuten, dass ein Club abgewickelt und die Erlöse an die Gläubiger verteilt werden. Doch kaum ein Gläubiger wird hieran ein Interesse haben. Im Gegenteil: Durch die enorme mediale Aufmerksamkeit des Profifußballs sind nicht nur Reputationsschäden für den gesamten Wettbewerb garantiert, sondern vor allem auch für die „unkooperativen“ Gläubiger, die die Liquidation „auslösen“.

Die wesentlichen Vermögenswerte eines Clubs bei Liquidation sind das Stadion (soweit ein solches überhaupt noch in der Hand des Clubs ist und nicht etwa der Stadt gehört oder als Spezialimmobilie ökonomisch nicht sinnvoll verwertbar ist) sowie die Spieler, die aber nur in den Transferperioden wechseln können und in einer Notlage sicherlich keinen angemessenen Markterlös erzielen werden. Die anderen Hauptvermögenswerte eines Clubs sind immaterielle Vermarktungsrechte, die an einen Sportbetrieb gebunden sind, und bei einer Liquidation keinen Marktwert haben. Somit wäre der finanzielle Nutzen einer Liquidation für die Gläubiger gering im Vergleich zum potenziellen Wert im Sportbetrieb. Eine außergerichtliche Sanierung oder ein Insolvenzplanverfahren werden diesen Überlegungen gerecht.

Hinzu kommt, dass jede neue Saison auch neue Hoffnung bedeutet, denn nominell starten am Beginn einer Saison alle Clubs mit null Punkten in der Tabelle – das bietet Raum für Fantasie und Visionen. Folglich lässt sich mit einiger Berechtigung argumentieren, dass die Insolvenz eines Fußballclubs, wenn sie denn überhaupt sinnvoll ist, auch eine Chance für den betroffenen Club bietet. Sie kann als Gestaltungsmittel für die Verantwortlichen zur nachhaltigen Sanierung bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung des Spielbetriebs dienen. Eine Insolvenz muss daher nicht notwendigerweise das Damoklesschwert für einen betroffenen Club bedeuten, wie sich das in vielen Medien verfestigt hat.

So zeigt auch die Empirie, dass Insolvenzen kein unbekanntes Phänomen im Fußball darstellen und Clubs natürlich nicht von der Insolvenzordnung ausgenommen sind. Laut einer wissenschaftlichen Studie von Stefan Szymanski und Daniel Weimar gab es seit der Saison 1994/95 bis 2017/18 im deutschen Fußball 119 Insolvenzen. Davon fand aber keine in der Bundesliga statt, lediglich zwei in der 2. Bundesliga und 28 in der Regionalliga (bis 2008/09) beziehungsweise 3. Liga (ab 2008/2009). Trotz dieser 30 Insolvenzfälle in den ersten drei Spielklassen, wohlgemerkt innerhalb von 24 Spielzeiten, gab es nur eine Liquidation. In drei Fällen wurde der Antrag zurückgezogen, in 22 Fällen eine Sanierung des Clubs durch einen Insolvenzplan vollzogen und in zwei Fällen befanden sich die Clubs noch im laufenden Verfahren (Chemnitzer FC und FC Rot-Weiß Essen).

Dies bestätigt die hohe Resistenz von Profifußballclubs gegen Liquidationen. Es scheint sogar, dass ein Insolvenzverfahren zwar zunächst dramatisch anmutet und natürlich für handelnde Organe und Fans Stress bedeutet, aber gleichzeitig ein probates Sanierungsinstrument darstellen kann. In einem solchen Verfahren bestehen nämlich zahlreiche Sonderrechte für Insolvenzverwalter oder Sachwalter: Langfristige Verträge können gekündigt werden und Verbindlichkeiten erlassen – und im Rahmen eines Eigenverwaltungsverfahrens, wie aktuell beim 1.FC Kaiserslautern, sogar mit der alten Geschäftsführung an Bord.

Doch auch Spieler hätten die Möglichkeit, ihre Verträge ab dem Tag der Insolvenzeröffnung zu kündigen. Damit wäre ein Transfererlös aus der Veräußerung des Spielerwertes für den Verwalter nicht mehr erzielbar – Spieler hätten sogar den Anreiz, von ihrem einseitigen Kündigungsrecht Gebrauch zu machen, da sich durch den Wegfall der Transfersumme der Spielraum für Verhandlungen des eigenen Gehaltes beziehungsweise des Handgeldes vergrößert. Für Clubs mit nennenswerten Spielerwerten birgt eine Insolvenz als Sanierungsinstrument somit gewisse Unwägbarkeiten, die im Zweifelsfall zur Vernichtung von Werten führen und mit einer außerinsolvenzlichen Sanierung zu vermeiden wären.

Doch so resistent Clubs als kulturelle Artefakte im Kern auch sind, die individuellen Schicksale der im administrativen Bereich tätigen Personen, das heißt der Mitarbeitenden, dürfen dabei nicht als Kollateralschäden abgetan werden. Ihnen gegenüber haben die Entscheidungsträger, nicht anders als auch in Unternehmen außerhalb des Fußballbusiness, eine große Verantwortung. Des Weiteren ist der Verantwortungsbegriff im Fußballgeschäft, im Vergleich zu anderen Branchen, weitreichender zu fassen. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass Proficlubs auch eine Verantwortung gegenüber ihren langjährigen, treuen Fans haben, für die es keine „Exit-Möglichkeit“ gibt und die in vielen Fällen nicht nur durch den Erwerb von Tickets und Fanartikeln, sondern auch durch Spenden, die Zeichnung von Fananleihen oder, im Falle von Borussia Dortmund und der SpVgg Unterhaching, von Aktien zur Finanzierung ihres Clubs beigetragen haben.

Die Folgen der Corona-Krise

Wie aufgezeigt, hatten wirtschaftliche Krisen und mögliche Insolvenzfolgen vor Auftauchen des Corona-Virus schon ihre Besonderheiten im Vergleich zu gewöhnlichen Unternehmen. Die Corona-Krise bewirkte dabei sowohl einige vorläufige bedeutende insolvenzrechtliche Änderungen wie zum Beispiel

  • die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht bis mindestens zum 30. September 2020 – falls die Insolvenzreife auf den Folgen von Corona beruht und die Aussicht auf deren Beseitigung besteht
  • eine Einschränkung von Anfechtungsmöglichkeiten und
  • eine Erleichterung bei Kreditmaßnahmen und bei Gewährung von Gesellschafterdarlehen

sowie verbands- oder ligarechtliche Änderungen wie zum Beispiel

  • die teilweise Aussetzung des Punktabzuges seitens der DFL und des DFB bei Antragstellung beziehungsweise Insolvenzeröffnung und
  • der Verzicht auf die Erfüllung der wirtschaftlichen Kriterien im Lizenzierungsverfahren,

was für Clubs für eine Sanierung im Rahmen eines Insolvenzverfahrens sicherlich hilfreich ist. Doch können die mit einem Saisonabbruch einhergehenden Einnahmenausfälle damit kompensiert und Liquidationen sowie Störungen im Spielbetrieb – auch mittel- und langfristig – weiterhin verhindert werden? Die oben genannten Aspekte eines natürlichen Rettungsschirms haben weiterhin ihre Gültigkeit und weil die Krise alle Clubs unvorbereitet trifft, werden alle Clubs in die Lösung involviert sein müssen. Darüber hinaus ist der Re-Start im Fußball das deutliche Zeichen einer starken Lobby, eines professionellen Krisenmanagements und der großen gesellschaftlichen Bedeutung der Sportart.

„König Fußball“ regiert weiter

Auch das Verhalten von Businesspartnern wie Sponsoren und Medien lässt weitestgehend auf Loyalität schließen. Dass Rewe mit dem 1. FC Köln oder Congstar mit dem FC St. Pauli mitten in der Corona-Periode das Hauptsponsoring verlängerten ist zwar selektive Evidenz – zumal Telekommunikationsunternehmen und der Lebensmittelhandel klare Gewinner in der Krise sein könnten. Es zeigt aber das Potential eines kulturellen und medialen Phänomens wie des Fußballs auf. Solidaritätsaktionen zwischen den Clubs wie beispielsweise die Unterstützung mit 7,5 Mio. Euro aus dem DFL-Solidarfonds für die Clubs der 3. Liga und der Frauen-Bundesliga zeigen ebenfalls, dass der Fußball trotz aller Konkurrenz auch kooperative Aspekte zeigt und die Krisenbewältigung als eine gemeinsame Aufgabe sieht. Somit ist davon auszugehen, dass auch Corona nichts an der hohen Resistenz der Profifußballclubs gegen endgültige Liquidationen ändern können wird – selbst wenn die eine oder andere Insolvenz, die eben als Gestaltungsmittel zu begreifen ist und aufgrund der vorläufig weggefallenen Punktabzugsregelung der DFL und des DFB tendenziell sogar an Attraktivität gewonnen hat, dazu kommt.

Dies alles zeigt, dass die Insolvenz von Fußballclubs mit Insolvenzen „gewöhnlicher“ Wirtschaftsunternehmen nur bedingt vergleichbar ist. So ist es bei Fußballclubs unwahrscheinlich, dass diese aus dem Markt ausscheiden, zumal dann, wenn die Krise durch einen externen Schock wie die Corona-Krise verursacht wird. Um die Integrität des Wettbewerbs zu schützen, ist es wahrscheinlich, dass die DFL, gegebenenfalls unterstützt von finanzstarken Clubs, einen oder sogar mehrere in der Krise befindliche Clubs insoweit unterstützen werden, um eine Saison ohne wesentliche sportliche Verzerrungen zu Ende zu spielen. Selbst im Falle einer Insolvenz ist es mehr als wahrscheinlich, dass der Club in Eigenverwaltung oder durch einen Insolvenzverwalter in einem Regelverfahren weitergeführt wird. Allerdings sind durch externe Schocks verursachte Krisen auch wieder ein Einfallstor für eine Diskussion über die 50+1-Regel, da sich unter Umständen, das heißt je nach Schwere der Krise, wirtschaftlich potente „Retter“ anbieten werden, um so die Mehrheit eines Clubs zu übernehmen.

Was ist nach Corona zu erwarten? DFL und DFB werden ihre Lizenzierungsverfahren vollständig durchführen, um weiterhin finanzielle Stabilität zu fördern. Das Verfahren hat sich in der Vergangenheit bewährt und wird nach Corona vermutlich eine noch wichtigere Rolle spielen. Clubs unterliegen zwar aufgrund ihres Status als kulturelle Artefakte gewissen Schutzmechanismen. Zu diskutieren ist aber auch, ob die Einführung eines zusätzlichen Rettungsfonds zur Absicherung der Clubs gegen externe Schocks das kulturelle Erbe des gesamten Fußballs in Deutschland noch nachhaltiger zu schützen vermag und damit den Solidaritätsgedanken des sportlichen Wettbewerbs und dessen sportliche Integrität fördert.

Die Herausforderung dabei ist – wie bei jedem Sicherungsmechanismus –, Fehlanreize im Sinne von „moral hazard“ durch restriktive Bedingungen für eine Inanspruchnahme zu minimieren sowie eine sinnvolle Finanzierung und Fondsgröße festzulegen. Als Vorbilder könnten hier zum Beispiel die Einlagensicherungssysteme der Banken dienen. Jedoch muss grundsätzlich deutlich gemacht werden, dass der natürliche Rettungsschirm im professionellen Fußball kein naturgegebener Automatismus ist, sondern die Folge eines funktionierenden Prozesses der Ko-Kreation, der von allen Verantwortlichen im Fußball zu beachten und zu pflegen ist. Dazu zählt die akute Herausforderung sich verändernder Präferenzen des Sportkonsums. Weiterhin ist ein klarer Fokus auf nachhaltige Wachstumsstrategien, die Diversifizierung von Einnahmequellen und ein adäquates Risikomanagement mit dem Ziel zu setzen, zwischen den Clubs Chancengleichheit und Wettbewerbsgerechtigkeit im Sinne sportlicher Integrität zu fördern.

 


Jörg Wulfken ist Partner, Konstantin Druker und Siemen Schmidt sind Berater bei PwC. Die in diesem Beitrag vertretenen Ansichten sind ausschließlich persönliche Ansichten der Autoren und stellen nicht die Ansicht von PwC dar.