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Welthandel Wenn China niest, bekommt Deutschland den Schnupfen

Das Kwai Tsing Container Terminal in Hongkong
Erste Länder bekommen Chinas schwächelnde Konjunktur schon bei den eigenen Exporten zu spüren, darunter auch Deutschland
© IMAGO / ZUMA Wire
Chinas Wirtschaft kühlt sich ab: Nachdem die Regierung am Freitag von ihrem Wachstumsziel Abstand nahm, fiel zuletzt der Einkaufsmanagerindex im Juni stärker als erwartet. Die schwächelnde Konjunktur macht sich unlängst bei wichtigen Handelspartnern bemerkbar – auch in Deutschland.

Chinas Konjunkturabschwächung wirkt sich durch die sinkende Nachfrage nach Industriegütern auf die großen Exportnationen in Europa und Ostasien aus. Deutschland und Südkorea verzeichnen daher ungewöhnliche Defizite mit der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt.

Wegen der weltweit gestiegenen Rohstoffpreise verschleiert Chinas offizielles Importwachstum von ein Prozent im Juni gegenüber dem Vorjahr ein deutlich schlechteres Ergebnis bei den Industriegütern. Den kürzlich veröffentlichten chinesischen Zolldaten zufolge sind die Einfuhren von Hightech-Produkten sowie mechanischen und elektrischen Waren im vergangenen Monat um etwa acht Prozent zurückgegangen. Auch in diesem Monat scheint es keine Besserung zu geben: Südkoreas Exporte nach China sind in den ersten 20 Tagen des Juli um 2,5 Prozent zurückgegangen.

Welthandel: Wenn China niest, bekommt Deutschland den Schnupfen

Laut Trinh Nguyen, Wirtschaftsexpertin für asiatische Schwellenländer bei Natixis, ist der Rückgang vor allem auf die anhaltenden Auswirkungen der Lockdowns zur Verhinderung von Covid-19-Infektionen zurückzuführen. „Länder, die direkt von der chinesischen Binnennachfrage abhängig sind, insbesondere bei Industriegütern, sind anfälliger“, sagte sie.

Bei den meisten chinesischen Importen handelt es sich um Industrieerzeugnisse, die sowohl für den Verbrauch im Inland als auch für die Weiterverarbeitung zu Produkten bestimmt sind, die dann wieder exportiert werden. Deutschland und Südkorea, die die meiste Zeit des letzten Jahrzehnts Handelsüberschüsse mit China erzielt haben, verzeichneten im letzten Monat ungewöhnliche Defizite.

Für die beiden Länder kommt Chinas Einbruch „zu einem ungünstigen Zeitpunkt, da auch ihre Importkosten steigen, während die Nachfrage ihres wichtigsten Kunden stark zurückgegangen ist“, fügte Nguyen hinzu.

Schlimmer noch: ein Teil des chinesischen Importrückgangs ist wohl strukturell bedingt. Chinas Exporte von Elektrofahrzeugen sind in diesem Jahr sprunghaft angestiegen, und deren Lieferkette ist stärker auf China ausgerichtet, was die Nachfrage nach Autoteilen aus Ländern wie Südkorea verringert, so John Gong, Professor an der University of International Business and Economics in Peking.

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„Ich erwarte, dass die Pandemie-Gewinner Korea und Taiwan eine wirklich harte Zeit haben werden, da China, Halbleiter und der globale Warenzyklus sich alle negativ entwickeln”, sagte Rory Green, Leiter des Asien-Research bei TS Lombard.

Ökonomen senken ihre Erwartungen für die chinesische Wirtschaft, da die Zahl der Corona-Fälle in China nach wie vor hoch und mit weiteren Lockdowns zu rechnen ist. Auch der Einbruch im Immobiliensektor des Landes hat sich verschärft, was das Problem noch verschlimmert. Die Median-Prognose für das chinesische BIP-Wachstum im Jahr 2022 fiel in der jüngsten Bloomberg-Umfrage auf 3,9 Prozent.

Für dieses Quartal erwarten die Ökonomen ein Exportwachstum von 7,8 Prozent, während die Importe um 5,4 Prozent steigen sollen.

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©2022 Bloomberg L.P.


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