ExklusivIdentitäts-Plattform Verimi ohne nennenswerte Resonanz

Beim Startschuss waren alle noch zuversichtlich. Geschäftsführerin Donata Hopfen (mit Smartphone) hat aber schon hingeschmissen
Beim Startschuss waren alle noch zuversichtlich. Geschäftsführerin Donata Hopfen (mit Smartphone) hat aber schon hingeschmissendpa

Verimi, das Online-Projekt führender deutscher Konzerne, hat einen Fehlstart hingelegt. Wie das Wirtschaftsmagazin Capital (Ausgabe 7/2018, EVT 21. Juni) berichtet, haben sich bei der Identitäts-Plattform, die einen sicheren Zugang zu Digital-Angeboten gewährleisten und damit auch US-Diensten wie Facebook und Google Paroli bieten will, nach Unternehmensangaben bis Mitte Juni erst 13.000 Nutzer registriert. Verimi wurde Anfang April relativ geräuschlos freigeschaltet, „ohne dass wir ein Markteinführungskonzept gestartet hätten“, sagte Verimi-Geschäftsführer Torsten Sonntag gegenüber Capital.

Die neue Capital erscheint am 21. Juni
Die neue Capital erscheint am 21. Juni

Um einen Erfolg feiern zu können, wird die Plattform auf einige Millionen Nutzer kommen müssen. Ausreichend Schubkraft haben bislang auch die zehn großen Gesellschafter rund um Allianz, Deutsche Bank, Deutsche Telekom, Lufthansa und Axel Springer Verlag nicht gebracht, die vor gut einem Jahr den Startschuss für die Initiative gegeben haben. Von ihnen sind bislang lediglich die Deutsche Bank und die Bundesdruckerei bei der Plattform angeschlossen.

Dabei werden hohe Erwartungen und Anforderungen an Verimi gestellt. Die Plattform soll wie ein digitaler Generalschlüssel funktionieren, über die sich Internetnutzer einmal registrieren und danach mit einem Klick überall sicher und einfach anmelden können: bei Banken, Zeitungen, Taxi-Apps, Telefonbetreibern. In den Markt für Registrierungsdienste stoßen die dominanten US-Plattformen wie Facebook oder Google längst machtvoll vor. Deutschen Unternehme laufen Gefahr, die Hoheit über ihre Kundendaten zu verlieren.

Verimi muss nun Fahrt aufnehmen, um neue Partner und Nutzer zu gewinnen. Dabei hat das Start-up ein Henne-Ei-Problem, wie auch Geschäftsführer Torsten Sonntag einräumt. Bislang gibt es zu wenig attraktive Angebote, um Nutzer anzulocken. Und solange keine Nutzer da sind, ist es für mögliche neue Partner wenig attraktiv einzusteigen. In den kommenden Wochen sollen die Verimi-Gesellschafter Telekom und die Allianz angeschlossen werden. Das Vielfliegerprogramm Miles & More wird „als erste Lufthansa-Tochter im September angeschlossen werden“, sagt Sonntag. Die 32 Millionen Vielfliegerkunden können sich dann über den grünen Verimi-Button mit ihren Daten auch bei anderen registrieren. Darüber hinaus will Sonntag die begehrten Meilen des Vielfliegerprogramms als Lockmittel einsetzen, um andere Kunden zu Verimi zu lotsen.