TourismusGriechenland schreibt die Urlaubssaison ab

Griechenland hat die Corona-Pandemie bisher gut gemeistert, trotzdem meiden Urlauber das Land. Wie hier auf Naxos bleiben viele Hotelbetten leerimago images / robertharding

Es ist Ende Juli, die Sonne scheint auf Naxos, das Meer leuchtet türkisblau, doch der Strand ist relativ leer. „Sie sind die ersten deutschen Gäste, die wir dieses Jahr haben“, sagt der Kellner im Hotel „Naxion on the Beach“. Normalerweise wäre das Hotel jetzt ausgebucht. Viele Deutsche, Franzosen, Engländer wären jetzt hier. Doch dieses Jahr ist eben alles anders.

Griechenland trifft die Corona-Krise hart. Dabei hat Athen die Pandemie bisher gut gemeistert: Nur gut 4300 nachgewiesene Infektionsfälle gibt es bislang, 203 Menschen sind im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben. Anfang Juni sagte Griechenlands Tourismusminister Harry Theoharis ntv.de: „Wir freuen uns auf unsere Freunde aus Deutschland.“ Und fügte hinzu: „Wahrscheinlich sind deutsche Urlauber hier sicherer als in Deutschland.“ Doch auch Wochen später sind weder auf dem griechischen Festland, noch auf den Inseln viele deutsche oder andere ausländische Urlauber unterwegs.

800.000 Griechen leben vom Tourismus

Das liegt einerseits daran, dass es nur wenige Direktflüge gibt. Zudem sorgt die Einführung der QR-Codes für Verunsicherung. Auch die Ankündigung, dass es sporadisch Corona-Tests an den Flughäfen geben könnte, schreckt manchen Urlauber ab. Tatsächlich dient der QR-Code nur der Nachverfolgung von Infektionsfällen. Ihn zu beantragen, dauert nur fünf Minuten. Zugeschickt wird er dann wenige Stunde vor der Anreise.

„Für uns war das kein Problem“, sagt Katharina Baumann aus Graz. Sie kommt mit ihrer Familie seit Jahren hierher. Auch in diesem Jahr war es für sie keine Frage, hier ihren Urlaub hier zu verbringen. „Es ging mehr darum, wann wir wieder nach Griechenland reisen können.“ Getestet wird nur, wer aus Risikoländern kommt – Deutschland und Österreich zählen nicht dazu.

Trotzdem bleiben die ausländischen Gäste weg. Und das sorgt für die eigentliche Krise, die Wirtschaftskrise. Mehr als 800.000 Griechen leben vom Tourismus. Erst im vergangenen Jahr zählte das Land mehr als 33 Millionen Touristen – Rekord. Der sollte eigentlich in diesem Jahr bereits wieder gebrochen werden. Doch dann kam Corona.

„Ja, die Inseln sind sicher“

„Die Saison ist abgeschrieben“, sagt der Vizegouverneur von Naxos, Ioannis Margaritis. „700.000 Touristen hatten wir vergangenes Jahr hier auf Naxos. Dieses Jahr? Wir wissen es nicht.“ Dabei hatte die Kykladen-Insel nur einen einzigen Corona-Fall – und zwar Ende März. „Ja, die Inseln sind sicher“, sagt Margaritis. Deshalb kämen auch viele Griechen her. Viele kommen mit den Fähren. Vor der Gangway werden Fieber gemessen und Kontaktdaten erfasst. Auf den Inseln tragen die Mitarbeiter in den Hotels Masken, es wird viel desinfiziert, Abstände müssen eingehalten werden.

Doch größere Hotels haben gar nicht erst geöffnet, andere haben die Preise deutlich gesenkt. Margaritis betreibt selbst zwei kleine Hotels der Spitzenklasse auf Naxos. Doch auch die sind nur zu einem Viertel belegt. Im August werde es besser, meint er. Da haben die Griechen Urlaub. Damit hat er noch Glück. Naxos lebt nur zur Hälfte vom Tourismus, die andere Hälfte bringt die Landwirtschaft ein.

Schlimmer sieht es auf Santorin, Kreta oder Rhodos aus. Dort ist man auf die ausländischen Urlauber komplett angewiesen. Und die kommen auch hier nur spärlich. Eine Katastrophe für Griechenland. Mit 70 Mrd. Euro will die EU das Land unterstützen, das sich gerade von der Wirtschaftskrise zu erholen begann. Es hat keine Rücklagen.

Wird das Geld reichen, um Griechenland wieder auf die Beine zu helfen? Margaritis zuckt mit den Schultern: „Es wird der Wirtschaft helfen!“. Und nächstes Jahr wird hoffentlich besser. „Die Buchungen sind gut. Es kommen viele Reservierungen rein.“ Doch alles hängt von einem Impfstoff ab. Das wissen sie auch hier auf Naxos.

Der Beitrag ist zuerst erschienen auf ntv.de