FinanzevolutionGeneration Y - kaum Interesse an Fintechs

Eine Hand mit einem Smartphone
Die Generation Y nutzt zwar Smartphones sehr gern – nur nicht für Bankgeschäfte
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Dirk Elsner (Foto: Sebastian Berger, Stuttgart)Dirk Elsner ist bei der DZ Bank Senior Manager Innovation und Digitalisierung. In dieser Kolumne äußert er seine private Meinung. 2008 hat er das private Wirtschaftsblog BlickLog gegründet, das mehrfach ausgezeichnet wurde.


Als wir für den Spätsommer eine Woche Kurzurlaub mit der Familie in Dänemark planten, war meine erste Sorge: „Funktioniert das WLAN-Netz?“ Sicherheitshalber deckte ich mich mit Lesematerial ein. Unter den Magazinen war der Spiegel, dessen Titelgeschichte sich mit den Auswirkungen der Robotisierung und Digitalisierung auf die Arbeitswelt befasste.

In „Mensch gegen Maschine“ fassten die Autoren die technologischen Entwicklungen der letzten Jahre zusammen und skizzierten die Veränderungen für die geschäftliche Industrie- und Dienstleistungswelt, darunter auch für die Finanzwelt:

„Junge Technologieunternehmen im Finanzsektor, Fintech genannt, treiben die etablierten Unternehmen vor sich her. Sie haben kein Filialnetz, keine Geldautomaten – aber sie gewinnen immer mehr Kunden.“

Als Vorzeigebeispiel diente den Autoren das bekannte Berliner Unternehmen N26, über das ich zuletzt hier geschrieben hatte. Neben N26 treten in Deutschland einige hundert und weltweite mehr als 10.000 Unternehmen an, die bisher als wenig innovativ geltende Finanzbranche zu verändern.

Viele Unternehmensberatungen und Analysten verweisen in ihren Studien immer wieder auf die „Digital Natives“, auf die Finanzdienstleistungen ausgerichtet werden müssten, weil sie „einen radikal anderen Anspruch an Transparenz und Spontaneität in der Interaktion mit Produkt- und Dienstleistungsanbietern“ stellen. Banken, so die Unternehmensberatung AT Kearny, „können und sollten diesen Trend nicht ignorieren, wenn sie diese als Kunden nicht verlieren wollen“.

„digital only“ gibt es bei der Generation Y nicht

Zur Generation Y zählt man die jungen Leute, die im Zeitraum von etwa 1980 bis 1999 geboren wurden. Sie werden in Anlehnung an Marc Prensky auch als „Digital Natives“ bezeichnet, weil sie mit der digitalen Welt aufgewachsen sind und als besonders internetaffin gelten. In der Zusammenfassung des Aufsatzes „Generation Y: Bankkunden im Zeitalter der Digitalisierung“ von Detlef Hellenkamp heißt es beispielsweise:

„Da die Generation Y typischerweise bereits in einer Bankbeziehung steht und sehr technikaffin ist, ist anzunehmen, dass insbesondere deren digitales Nutzungsverhalten die zukünftigen Vertriebs- und Kommunikationskanäle der Kreditinstitute maßgeblich bestimmen wird.“

Andere Autoren bezweifeln, dass die Generation Y wirklich eine Art digitales Gen hat. So stellen zwar viele Untersuchungen eine intensive Technologienutzung fest, meist beschränke sich diese aber auf die soziale Interaktion (Rolf Schulmeister) und Spiele.

Nun hatte ich in Dänemark das Vergnügen, mit vier Vertretern der Generation Y unserer Familie einmal etwas intensiver über den digitalen Wandel zu diskutieren. Ich wollte wissen, wie bekannt bei Ihnen bereits die Fintech-Leistungen sind, über die ich in dieser Kolumne regelmäßig schreibe, und in welchem Umfang sie diese nutzen.

Das Ergebnis meiner Gespräche bestätigte zumindest, dass es so etwas wie „digital only“ bei der Generation Y nicht gibt. Die einzigen Fintech-Dienste, die in „meiner Gruppe“ genutzt werden, sind Paypal, Sofortüberweisungen und dazu die Apps der jeweiligen Hausbanken.