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Start-up-Exits Flaute bei Tech-IPOs – Start-up-Verkäufe erreichen Rekordniveau

Die Werte vieler Techaktien sind derzeit im Keller, das schreckt viele IPO-Anwärter ab
Die Werte vieler Techaktien sind derzeit im Keller, das schreckt viele IPO-Anwärter ab
© IMAGO / Future Image
Die Krisenstimmung befeuert Fusionen und Übernahmen im Tech-Sektor: Wegen der niedrigen Bewertungen sind viele Start-ups zum Schnäppchenpreis zu haben. Gleichzeitig sinkt die Zahl der Tech-IPOs auf einen Tiefstand

Börsengänge von deutschen Start-ups haben im ersten Halbjahr 2022 einen Tiefstand erreicht. Nach Daten der Analysefirma Dealroom, die Capital exklusiv für den deutschen Markt ausgewertet hat, gab es von Januar bis Juni nur zwei deutsche Tech-IPOs. Das ist die niedrigste Aktivität seit 2014 und entspricht einem Rückgang von 66 Prozent im Vergleich zum Vorhalbjahr. In der zweiten Jahreshälfte 2021 waren noch sechs Start-ups an die Börse gegangen.

„Ich kenne kaum ein deutsches Tech-Unternehmen, das dieses Jahr noch an die Börse will“, sagt Andrew Parker, der bei der Silicon Valley Bank in Frankfurt Start-ups in Finanzierungsfragen berät. Angesichts der fallenden Bewertungen sei es für Start-ups derzeit schlicht zu unattraktiv, via IPO an frisches Kapital zu kommen. Der Negativtrend bei Tech-Werten zeigt sich auch international: So ist der US-Tech-Index Nasdaq Composite seit Jahresbeginn um rund 20 Prozent gefallen.

M&A-Deals auf Allzeithoch

Die miese Stimmung drückt auch auf die Bewertung von Spätphasen-Start-ups, die noch nicht an der Börse sind. Das befeuert offenbar eine neue Dynamik bei Aufkäufen und Übernahmen. Die Zahl sogenannter M&A-Deals erreichte laut Dealroom im ersten Halbjahr 2022 ein neues Rekordhoch: Insgesamt 172 Start-ups wechselten den Besitzer, ein Plus von rund neun Prozent zum vorangegangenen Halbjahr. Bemerkenswert dabei: Die durchschnittliche Deal-Summe ist leicht zurückgegangen.

„Für gut durchfinanzierte Unternehmen bietet sich künftig die Möglichkeit, Konkurrenten zu einem Schnäppchenpreis aufzukaufen“, sagt Finanzierungsexperte Parker. Nach seiner Einschätzung werden die Exit-Bewertungen noch weiter sinken. In einigen Sektoren kündige sich daher eine Konsolidierung an, etwa bei Fintechs und Liefer-Start-ups.


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