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Gaskrise Energiehändler horten Flüssiggas auf See

Flüssiggastanker auf Reede: die Schwesterschiffe Arctic Voyager und Arctic Lady Ende Juni vor Skagen
Flüssiggastanker auf Reede: die Schwesterschiffe Arctic Voyager und Arctic Lady Ende Juni vor Skagen
© IMAGO / osnapix
Der Gasmarkt leidet unter einer akuten Angebotsverknappung, trotzdem wird Flüssiggas auf See in Tankschiffen zwischengelagert. Das hat unterschiedliche Gründe

Energiehändler und Energieversorger lagern vermehrt Flüssiggas auf See ein – ein ungewöhnlicher Schritt, um die Vorräte für den Winter zu horten, denn der Markt leidet unter einer gravierenden Angebotsverknappung. Doch in Europa parken zahlreiche Energieunternehmen, die unter Versorgungsengpässen leiden, ihre LNG-Lieferungen vorsorglich in Küstennähe, damit sie in den Wintermonaten russisches Pipelinegas ersetzen können.

Ein Import des Brennstoffs in Onshore-Lager ist angesichts der vollen Auslastung der Terminals schlicht nicht möglich. Daher haben Einkäufer entschieden, lieber dafür zu zahlen, dass die Tankschiffe in küstennahen Gewässern dümpeln.

Auch Importeure in Asien und Südamerika sind auf diesen Zug aufgesprungen und bemühen sich um zusätzliche Lieferungen. Zugleich wollen sich die international agierenden Händler durch die Einlagerung des Flüssiggas (LNG) einen Vorteil verschaffen, sobald die Preise in der kalten Jahreszeit in die Höhe schnellen.

Monatsimport Spaniens

In sogenannten schwimmenden Lagern wurden am 2. September weltweit rund 1,4 Millionen Tonnen LNG gelagert, berichtet das Energieberatungsunternehmen Kpler. Das sei so viel wie seit zwei Jahren nicht mehr – eine Menge, die fast den gesamten Einfuhren Spaniens im August entspricht.

Auf dem Ölmarkt wird eine solche Strategie häufig angewandt. Bei verflüssigtem Erdgas geschieht dies jedoch nur selten, da der Energieträger – überwiegend Methan, das durch Abkühlung auf unter minus160 Grad Celsius verflüssigt wird – an Bord der Tankschiffe nach und nach verdampft. Das erschwert die Lagerung über einen längeren Zeitraum erheblich – und macht zugleich deutlich, was Gasimporteure alles auf sich nehmen, um sicherzugehen, dass sie in diesem Winter über genügend Kapazitäten verfügen.

Ein schwimmendes LNG-Terminal bei der Ankunft in Eemshaven bei Groningen in den Niederlanden.
Ein schwimmendes LNG-Terminal bei der Ankunft in Eemshaven bei Groningen in den Niederlanden.
© IMAGO / ANP

Nach Informationen von Bloomberg und Kpler dienen derzeit mindestens neun LNG-Schiffe als Zwischenlager auf See. Das Tankschiff British Partner etwa lag in diesem Monat im Südchinesischen Meer. Zuvor nahm es in der Nähe von Malaysia eine aus omanischem und katarischem Gas gemischte Ladung über einen Schiff-zu-Schiff-Transfer auf, wie Bloomberg-Daten zeigen. Währenddessen wartet die Aristidis I in der Karibik – gefüllt mit Erdgas aus der Dominikanischen Republik und den USA, weiß Energieanalyst Mathew Ang von der Kpler-Beratung.

Frachtraten steigen

In Europa wie in Asien bewegen sich die Erdgaspreise für diese Jahreszeit auf absoluten Rekordhöhen. Russland drosselt weiterhin die Gaslieferungen an wichtige westliche Kunden und heizt damit den Wettbewerb um verfügbare Mengen von Flüssiggas aus Produktionsländern wie den USA, Nigeria oder Katar spürbar an.

Die erhöhte weltweite Nachfrage nach den speziell isolierten Tankschiffen treibt auch die Frachtraten in die Höhe. Und Händler erwarteten, dass auch hier das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht ist. Normalerweise geben große Energiekonzerne am Ende des Sommers Tanker frei. Dass sie das derzeit verweigern, ist ein weiteres Indiz dafür, wie knapp der Markt gerade ist.

„Wir würden erwarten, dass mehr schwimmende Speicher zur Verfügung gestellt werden“, sagt Oystein Kalleklev, Geschäftsführer des Schiffsreeders Flex LNG Management. „Allerdings ist der Markt für Flüssiggastanker während des Winters weitestgehend leergefegt, weshalb wir davon ausgehen, dass die Handelsgesellschaften auf Schiffe aus ihrem bestehenden Pool ausweichen müssen.“

Mitarbeit: Stephen Stapczynski und Kevin Varley

©2022 Bloomberg L.P.


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