EpidemieEin bisschen Alltag in Wuhan

Eine Chinesin fährt in Wuhan mit dem Bus
Eine Chinesin fährt in Wuhan mit dem Bus. Der öffentliche Nahverkehr war lange Zeit eingestelltdpa

Kleine Gruppen von Menschen verlassen in Wuhan nach Wochen der Isolation ihre Wohnungen, besuchen Lebensmittelgeschäfte oder gehen zum ersten Mal seit den drastischen Quarantänemaßnahmen Ende Januar auf die Straße. Von Normalität kann in der vom Coronavirus schwer gebeutelten Stadt zwar noch nicht die Rede sein. Doch immerhin kehrt ein Stück Alltag in das Leben der meisten Chinesen dort zurück.

China hat im ganzen Land die strengen Restriktionen zur Eindämmung des Coronavirus gelockert. Ausgangssperren wurden teilweise aufgehoben. Selbst in der Provinz Hubei und deren Hauptstadt Wuhan, von der aus sich das Virus Sars-CoV-2 seit dem Jahreswechsel weltweit ausgebreitet hat, dürfen die Menschen allmählich wieder vor die Tür. Busse und U-Bahnen fahren, und Kontrollpunkte werden nach Angaben der Behörden abgebaut. Am Wochenende kam der erste Zug in Wuhan an und brachte mehr als 1000 Arbeiter aus anderen Teilen der Provinz Hubei.

Die örtlichen Behörden verkündeten am Sonntag, dass die Einwohner wieder zur Arbeit zurückkehren könnten – wenn auch unter Auflagen: Sie dürfen kein Fieber haben und müssen eine Bescheinigung ihres Arbeitgebers sowie einen sogenannten grünen Gesundheitsschein für ihren virenfreien Status vorlegen. Nichtansässige, die seit Inkrafttreten der strengen Reisebeschränkungen am 23. Januar in Wuhan gestrandet sind, können ebenfalls damit beginnen, einen Antrag auf Ausreise zu stellen.

„Wuhan macht dem Rest der Welt Hoffnung“

Mit den Lockerungen verbreitet die chinesische Regierung vorsichtigen Optimismus. Fünf Tage in Folge schon habe sich innerhalb des Landes niemand mehr neu mit dem Virus angesteckt, berichtete die nationale Gesundheitskommission vor der Entscheidung am Wochenende. Das gilt auch für das Epizentrum Wuhan. Alle am Sonntag gemeldeten 39 neuen Fälle seien von außen ins Land eingeschleppt worden. Bei den Neuansteckungen handele es sich zumeist um chinesische Studenten, die in ihre Heimat zurückkehrten, weil in Europa und in den USA zur Eindämmung des Virus Universitäten geschlossen werden, hieß es.

Viele Experten zweifeln allerdings an den offiziellen Zahlen der Staatsführung. Mehrmals hatte China die Statistiken geändert und damit für Verwirrung bei internationalen Beobachtern gesorgt. Die genauen Fallzahlen sind daher zwar kaum unabhängig zu prüfen. Dass sie in letzter Zeit stark gesunken sind, ist aber weitgehend unbestritten. „Dem Trend kann man im Großen und Ganzen glauben“, sagte der China-Experte Maximilian Mayer von der University of Nottingham im Gespräch mit ntv.de.

Daher blickt der Rest der Welt hoffnungsvoll nach China, während sich das Virus vor allem in Europa und den USA immer weiter ausbreitet. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) nährt die Zuversicht: „Wuhan macht dem Rest der Welt Hoffnung, dass selbst die schlimmste Situation gedreht werden kann“, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus am Freitag in einer im Internet übertragenen Pressekonferenz.

China demonstriert Kompetenz und Solidarität

Dennoch: Die Gefahr durch das Coronavirus ist in China noch längst nicht gebannt – und die Angst vor einer zweiten Corona-Welle ist groß. Bewohner von Hubei können sich auch weiterhin nicht frei im Land bewegen, berichtet der britische „Guardian“. Zudem hätten die meisten Einwohner nach wie vor große Angst vor einer Ansteckung und würden sich davor hüten, auf die Straße zu gehen.

Auch in Peking herrscht noch keine Normalität. Zwar öffnen in der Hauptstadt immer mehr Restaurants und die ersten Mutigen trauen sich sogar ohne Atemschutzmaske auf die Straße. Dennoch versucht die Regierung, den Großraum Peking weiterhin so gut es geht vor dem Virus abzuschirmen. Die wenigen internationalen Flüge dürfen grundsätzlich nicht mehr an einem der beiden Hauptstadtflughäfen landen, sondern werden in eine der Nachbarprovinzen umgeleitet. Alle Passagiere an Bord müssen nach ihrer Ankunft sofort in eigens eingerichtete Quarantänezentren.

Offiziell ist nichts darüber bekannt, ob in und um Peking wichtige Vertreter der Kommunistischen Partei, der Wirtschaft und des chinesischen Militärs mit dem Coronavirus infiziert sind. Denn Chinas Regierung will mit aller Kraft demonstrieren: Die Parteiführung hat mit starker Hand die Ausbreitung des Virus gestoppt. Die Krise ist überstanden. Der Rest der Welt könne sich einiges von China abschauen, lautet die Botschaft. So schickt China mittlerweile medizinische Hilfen und Spenden in das virusgeplagte Europa.

Zuerst erschienen bei n-tv.de