Trump OrganizationDüstere Aussichten für die Marke Trump

Immer mehr Unterstützer und Unternehmen distanzieren sich von Donald Trump und seinem Unternehmen
Immer mehr Unterstützer und Unternehmen distanzieren sich von Donald Trump und seinem Unternehmenimago images / ZUMA Wire

Mit dem Ende seiner Präsidentschaft wartet auf Donald Trump eine gewaltige Herausforderung: Er muss sich um sein Firmengeflecht kümmern. Dort ist die Lage derzeit unerfreulich. Die Geschäfte laufen nicht gut, Kredite in Millionenhöhe müssen zurückgezahlt werden, juristischer Ärger droht – und Unternehmen und republikanische Politiker gehen zu Trump auf Distanz, nachdem er maßgeblich zum Sturm auf das Kapitol in Washington beigetragen hatte.

Die Marke „Trump“ ist – zurückhaltend ausgedrückt – beschädigt. Und derzeit sieht es ganz danach aus, als werde sie sich von der Präsidentschaft und vor allem von deren unrühmlichem Ende nicht völlig erholen können. Zudem hat Trump durch die Verbannung von Twitter, Facebook, Youtube und anderen Plattformen seinen brummenden Online-Shop verloren: Ihm fehlt die Möglichkeit, kostenfrei und mit riesiger Reichweite nicht nur Werbung für sich, sondern auch für seine Hotels und Golfplätze zu machen.

Das Geschäftsmodell der Trump Organization basiert auf einer Sache: dem Namen Trump. Er steht für einen zur Schau gestellten, golden glitzernden Luxus für eine Klientel, die sich mit diesem Image schmücken will. Neben seinen Hotels und Golfplätzen setzt Trump darauf, seinen Namen zu lizenzieren. Er stellt diese Marke für die Projekte anderer zur Verfügung und kassiert dafür Lizenzgebühren. Außerdem verbreitet Trump von sich das Bild eines überaus erfolgreichen Mannes. Spätestens mit der Niederlage bei den Präsidentschaftswahlen und dem Beginn des zweiten Amtsenthebungsverfahrens ist das erheblich angekratzt.

Kredite werden fällig

Der Schritt der Bank dürfte für Trump besonders ärgerlich sein, da sie ihm Geld geliehen hatte, als sich andere große Institute längst von ihm abgewendet hatten. Zudem werden bis 2023 dem Vernehmen nach alleine bei der Deutschen Bank Trump-Kredite im Volumen von mehr als 300 Mio. US-Dollar fällig werden – Darlehen, für die der amtierende US-Präsident zum Großteil persönlich haftet.

Der „Financial Times“ zufolge ist das allerdings nur ein Teil der Kredite. Insgesamt steht die Trump Organization demnach mit 1,1 Mrd. US-Dollar in der Kreide. Davon müssten in den kommenden vier Jahren 900 Mio. US-Dollar zurückgezahlt werden.

Auf dem Papier ist das keine Gefahr für Trump: Seinen Schulden steht ein Nettovermögen gegenüber, das „Forbes“ auf rund 2,5 Mrd. US-Dollar schätzt. Doch es ist völlig unklar, wie hoch das Vermögen Trumps tatsächlich ist. Außerdem steckt es in Immobilien und Golfplätzen, mit denen die Kredite abgesichert sind. Die entscheidende Frage ist also, wie viel Geld Trump bei Bedarf überhaupt flüssig machen kann.

Angesichts von Corona ist der Markt für Büro-Immobilien angeschlagen. Und auch Trumps Golfplätze und seine Hotels leiden. Schon vor dem Ausbruch der Pandemie hatten sie Jahr für Jahr Verluste geschrieben – darunter sein Hotel in Washington und sein größtes Golf-Resort in der Nähe von Miami.

Einige seiner Projekte sind bereits gefloppt. Darunter drei Kasinos in Atlantic City und das Plaza Hotel in New York. Andere Projekte überlebten nur, weil sie entweder verkauft wurden oder Gläubiger Trump entgegenkamen und ihm einen Teil der Schulden erließen, weil sie eine Pleite mehr Geld gekostet hätte.

Seine Wiederauferstehung gelang Trump durch die populäre Reality-Show „The Apprentice“, in der er von 2004 bis 2015 die Hauptfigur war und einen überaus erfolgreichen Geschäftsmann darstellte. Sie brachte ihn ins Rampenlicht und ihm viel Geld ein, die „New York Times“ beziffert seine Einnahmen auf mehr als 400 Mio. US-Dollar.

Als die Sendung zu Ende ging, bewarb sich Trump um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner – und dann geschah das völlig Unerwartete: Er wurde nicht nur Kandidat, sondern sogar Präsident. Damit war die Marke Trump auf einen Schlag wertvoller als je zuvor. Doch diese Zeiten sind seit der Wahlniederlage vorbei, kommende Woche legt Joe Biden den Amtseid ab und Trump wird wieder Privatmann.

Amtsenthebungsverfahren gestartet

Neben den geschäftlichen Herausforderungen steht Trump vor weiteren Problemen: Er streitet mit der Behörde IRS, die eine Steuerrückzahlung von mehr als 70 Mio. US-Dollar durchsetzen könnte. Außerdem droht juristischer Ärger, da die Staatsanwaltschaft in Manhattan gegen die Trump Organization wegen des Verdachts auf Wirtschaftskriminalität und Steuerhinterziehung ermittelt.

All das ändert allerdings nichts daran, dass Trump weiterhin Möglichkeiten hat, an Geld zu kommen. Viele Millionen US-Amerikaner haben ihn gewählt und stehen weiterhin zu ihm – viele von ihnen bedingungslos. Dass er von dieser Unterstützung auch finanziell profitieren kann, hat Trump bereits unter Beweis gestellt. Mit seinem Spendenaufruf, um gegen angeblichen Wahlbetrug vor Gericht zu ziehen, hat er mehr als 200 Mio. US-Dollar eingesammelt.

Der Löwenanteil des Geldes ist noch da und kann von Trump auch zur Schuldentilgung verwendet werden. Zudem ist Trump nicht nur bei vielen US-Amerikanern, sondern auch anderswo weiterhin populär – etwa in Brasilien, Israel, Indien oder Saudi-Arabien. Dort bieten sich nach dem Ende seiner Amtszeit durchaus Geschäftsgelegenheiten.

„Keine politische Figur hatte jemals so viel Energie und Unterstützung hinter sich versammelt wie mein Vater“, sagte Eric Trump. „Es wird an Möglichkeiten im Immobilien-Bereich und darüber hinaus nicht mangeln“ Spekuliert wird darüber, dass Trump etwa eine Medien-Plattform aufbaut, um seinen Anhängern kostenpflichtige Inhalte anzubieten.

Tatsächlich hat Trump in der Vergangenheit bewiesen, dass er sich neu erfinden und seinen Namen zu Geld machen kann. Es ist aber offen, in welchem Ausmaß ihm das wieder gelingt. Es wird davon abhängen, ob seine Fans treu bleiben und welchen Einfluss Trump in der Republikanischen Partei künftig hat.

Die Herausforderung ist groß: Das zweite Amtsenthebungsverfahren hat begonnen. In weiten Teilen der USA ist Trump außerdem überaus unbeliebt. So versteigert Atlantic City die Möglichkeit, Ende Januar ein ehemaliges Kasino des scheidenden US-Präsidenten in die Luft zu sprengen.

Der Beitrag ist zuerst erschienen auf ntv.de.