InterviewDon Gao: „Eine Mauer hat noch nie funktioniert“

Milliardär Don Gao hat sein Vermögen mit Elektro- und Gartengeräten gemacht
Milliardär Don Gao hat sein Vermögen mit Elektro- und Gartengeräten gemachtFrederike Wetzels

Capital: Herr Gao, Sie haben schon in den 90er-Jahren angefangen, mit internationalen Partnern zu handeln – obwohl sich China damals erst zaghaft der Weltwirtschaft öffnete. War das ein Abenteuer?

DON GAO: Ja, das war es. Damals zahlten die staatseigenen Handelsunternehmen mit die höchsten Gehälter. Alle Leute mit guten Verbindungen in die Regierung versuchten, dort einen Job zu bekommen. Jeder wollte westliche Länder kennenlernen, und die Arbeit für eine staatliche Handelsfirma verschaffte einem die Möglichkeit zu reisen. Es war absolut nicht normal, so einen Job aufzugeben. Aber das habe ich getan, um meine Firma Positec zu gründen.

Sie waren ein Pionier.

Das Problem damals war: Wenn Sie internationalen Handel treiben wollten, benötigten Sie dafür eine Lizenz. Diese wurde aber nur staatseigenen Unternehmen gewährt. Also habe ich eine Vereinbarung mit einem Staatsunternehmen getroffen, um in dessen Namen Geschäfte zu machen. Dafür zahlte ich dann eine Art Gebühr.

War das streng nach den Regeln? Oder haben Sie da ein bisschen gemauschelt?

Damals gab es keine eindeutigen Regeln. Wir mussten es eben ausprobieren. Mein Vorgehen war nicht unbedingt regelkonform, hat aber auch nicht gegen Regeln verstoßen.

Zuerst haben Sie mit Elektrowerkzeugen gehandelt, später wurden Sie selbst zum Hersteller. Wie verlief der Weg dorthin?

1997 habe ich einen wichtigen Kunden aus den USA bekommen: Black & Decker. Es ging um die Herstellung von jährlich 50.000 – wie ist das Wort? – (spricht auf Deutsch) „Winkelschleifern“. 1998 haben wir dann sogar 700.000 Stück verkauft. Damit habe ich im vierten Jahr nach Gründung die komplette Summe wieder reingeholt, die ich in den ersten drei Jahren in den Sand gesetzt hatte.

Und Black & Decker konnte billiger produzieren. Eine Win-win-Situation der Globalisierung …

Nun ja. Im Jahr darauf beschloss Black & Decker, eine eigene Fabrik für Winkelschleifer in China aufzubauen. Ich habe das Geschäft verloren, alle 700.000 Stück. Können Sie sich vorstellen, was das für ein Unternehmen bedeutet?

Auf jeden Fall nichts Gutes.

Das war eine Wegmarke für mich. Also dachte ich lange nach und kam zu dem Schluss, dass das Geschäft als Auftragsfertiger für westliche Konzerne doch keine so großartige Sache ist. Selbst wenn Sie hart arbeiten und sicherstellen, dass Ihre Qualität am besten und Ihre Kosten am niedrigsten sind – Ihr Risiko bleibt hoch. Sie können jederzeit einen Auftrag verlieren, und das war es dann. Also entschied ich, dass ich eine eigene Marke brauche. Es hat sechs Jahre gedauert, dann habe ich meine Gartengerätemarke Worx in Großbritannien eingeführt.

Positec hat bis heute eine sehr starke internationale Ausrichtung. Wie abhängig sind Sie von der Weltwirtschaft?

Unser Hauptabsatzmarkt sind die USA, die rund 50 Prozent unseres Umsatzes ausmachen. Der zweitgrößte Markt ist Europa: Deutschland, Großbritannien, Frankreich, die nordischen Länder, Benelux. Insgesamt kommt Europa auf etwa 35 Prozent. Weitere zehn Prozent entfallen auf China. Dort haben wir erst vor acht Jahren damit begonnen, den Markt zu entwickeln, denn in China gab es keine Baumärkte wie in den USA oder Europa.

Positec produziert in China und verkauft seine Produkte in der restlichen Welt. Beunruhigt Sie der Handelskonflikt, der sich derzeit zwischen den USA, China und Europa aufschaukelt?

Ich glaube, die Handelspolitik des US-Präsidenten beunruhigt nicht nur China, sondern auch Deutschland. Stimmt’s?

Das stimmt.

Er will eine Mauer bauen! Schon vor 2000 Jahren haben wir uns die Chinesische Mauer ausgedacht. Aber sie hat nie funktioniert! Höchstens für kurze Zeit. Langfristig hat sie uns geschadet. China war einst die führende Wirtschaft der Welt, dann fiel das Land technologisch zurück und wurde von ausländischen Mächten gedemütigt. Wir haben 100 Jahre gebraucht, um uns zu erholen. Wenn eine Regierung ihre Wirtschaft abriegelt, bringt sie das Land um die Möglichkeit, mit der Welt Schritt zu halten. So etwas schwächt ein Land. Wenn Donald Trump morgen Zölle festlegt, wird sie in spätestens acht Jahren ein anderer Präsident wieder abräumen. Auf lange Sicht mache ich mir keine Sorgen. Aber kurzfristig wird uns eine solche Politik eine Menge kosten.