KonjunkturEin Handelskrieg kennt keine Sieger

Symbolbild: Containerschiff
Symbolbild: Containerschiff

Die Industrie in Deutschland hat einen Dämpfer bekommen. Im Juni gingen bei Unternehmen vier Prozent weniger Neubestellungen ein als im Vormonat, meldete das Statistische Bundesamt Anfang dieser Woche. Damit ist das Neugeschäft so stark geschrumpft wie seit anderthalb Jahren nicht mehr. Ökonomen hatten lediglich einen Rückgang um 0,4 Prozent erwartet. Bestellungen aus dem Inland und aus dem Euro-Raum gingen um 2,8 Prozent zurück. Aus dem Nicht-Euro-Raum gab es im Juni sogar 5,9 Prozent weniger Aufträge als im Vormonat. Auch im Vergleich zum Juni 2017 ist die Zahl der Neubestellungen gesunken, um 0,8 Prozent. „Bei der Entwicklung dürften Verunsicherungen durch die Handelspolitik eine Rolle gespielt haben“, heißt es in einer Mitteilung des Bundeswirtschaftsministeriums.

Im Klartext: Die Auswirkungen des von US-Präsident Donald Trump angezettelten Handelsstreits machen sich allmählich bemerkbar. In China hat sich die Wirtschaft zwar bislang gut gehalten. Die chinesischen Exporte sind im Juli trotz Strafzöllen stärker gestiegen als erwartet, um 12,2 Prozent im Vergleich zum selben Monat des Vorjahres. Analysten hatten bloß mit einem Plus von zehn Prozent gerechnet. China konnte im vergangenen Monat auch mehr Güter in die USA exportieren als zuvor. Washington hat allerdings inzwischen die nächste Runde im Handelsstreit eingeläutet. Ab 23. August sollen Zölle in Höhe von 25 Prozent auf chinesische Waren im Wert von insgesamt rund 16 Mrd. US-Dollar erhoben werden, darunter etwa Schmierstoffe und Chemikalien.

Die Unsicherheit über die Zukunft der Handelsbeziehungen mit den USA wächst. Das spiegelt sich auch in den Kursen chinesischer Aktien wider. Der chinesische Aktienindex Hang Seng ist seit Jahresbeginn um rund 15 Prozent gefallen. Auch der deutsche Aktienindex Dax hat im Jahresverlauf deutlich nachgegeben. Das sei zu einem guten Teil auf die Verunsicherung wegen des Handelsstreits zurückzuführen, urteilen Marktbeobachter.

In den USA herrscht dagegen weiter Hochstimmung – zumindest auf den ersten Blick. An der Wall Street werde der Handelsstreit bislang nicht so dramatisch gesehen, erklärt Ufuk Boydak, Vorstand der Investmentboutique Loys. Darauf deute die robuste Entwicklung der US-Aktienkurse hin. Sollte der Konflikt andauern oder sogar weiter eskalieren, bekämen aber wohl auch die USA Probleme.

Noch sind in den Vereinigten Staaten dank der starken Konjunktur nur einzelne Branchen unter Druck, darunter die Agrarindustrie, die unter Vergeltungszöllen aus Peking für Produkte wie Sojabohnen und Hirse leidet. Die Regierung in Washington kündigte vor zwei Wochen an, betroffenen US-Landwirten mit Milliardenzuschüssen unter die Arme greifen zu wollen. „Erhebt Trump jedoch Zölle auf die ganze Welt, wird die US-Wirtschaft wahrscheinlich am meisten darunter leiden. Je mehr Kämpfe man führt, desto mehr Schmerzen fügt man sich selbst zu“, sagt Nikolaj Schmidt, Chefökonom beim Fondsanbieter T. Rowe Price. Aktuelle Zahlen von US-Einkaufsmanagerindizes könnten demnach ein Warnsignal sein. Sie zeigen an, dass sich die Stimmung zu Beginn des zweiten Halbjahrs leicht eingetrübt hat.

Schon die jetzigen Handelsbeschränkungen dürften das globale Wirtschaftswachstum spürbar verlangsamen. Sollte der Handelsstreit auch in der US-Wirtschaft deutliche Bremsspuren hinterlassen, wären Unternehmen und Investoren erst recht verunsichert. Die Aktienkurse würden dann voraussichtlich weiter fallen – auch in den Vereinigten Staaten. Ein ausgewachsener Handelskrieg hätte letztlich keine Sieger. Da sind sich Analysten und Ökonomen einig.