EditorialDie neue Capital

Was für eine wunderschöne Wahl! Ein Kollege von mir will kommendes­ Jahr mit seiner Familie­ nach ­Australien reisen. Oder sie wollen stattdessen ein Klavier kaufen.

Reise oder Klavier – er kann gar nichts falsch machen. Und er hat sein Geld in jedem Fall gut investiert.

Ansonsten ist die Frage, was man mit seinem Geld macht, ja schwierig geworden. Und sie wird inzwischen so oft wiederholt, dass sie anfängt, ein wenig zu nerven. Sie ist das Gequengel unserer zinslosen Ära geworden, wo manche Anleger wie Klageweiber auf ihren prall gefüllten Tagesgeldkonten sitzen, für die sie nur noch 0,4 Prozent bekommen. Bevor Sie böse Leserbriefe schreiben:­ Ja, auch ich klagte schon.

Doch ich finde es hysterisch, bebend die Attacken auf unser Geld zu beschreiben – als hätten ein paar finstere Notenbanker das Ganze als Angriffskrieg geplant.

Capital-iPad-Cover
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Natürlich ist es schwieriger geworden, sein Geld anzulegen. Aber erstens gibt es kein Grundrecht auf Rendite. Zweitens finden sich durchaus Möglichkeiten und Strategien, wie wir in unserer Titelgeschichte im Invest-Teil zeigen. Und drittens sollten wir nicht so tun, als wäre Geldanlage früher ein Low Brainer gewesen. Es ist ja nicht so, als hätten wir Deutschen in den Jahren zuvor unser Vermögen immer grandios angelegt.

Im Gegenteil: Das historische Zinstief entlarvt die alte Schwäche, dass wir Geld am liebsten auf Sparbüchern bunkern, wo es schon immer furchtbare Zinsen gab. Nun werden wir gezwungen, größere Risiken einzugehen. Dass dies bei einem Dax-Stand von über 9000 nicht besonders trivial ist – zugegeben. Aber wir sollten jetzt nicht das gesamte Jahr die ewige Ausweglosigkeit beschwören.

Was passiert um uns herum? Unser Geldsystem hat die heikelste­ Phase seit dem Ende von Bretton Woods 1973 erreicht. Die Notenbanken haben ein gigantisches Experiment gestartet, niemand weiß, wie es ausgeht. Ich bin im Grunde skeptisch, wenn einzelne Menschen vorgeben, hochkomplexe Systeme steuern zu können. Andererseits habe ich keinen befriedigenden Alternativvorschlag: Die Zentralbanken versuchen verzweifelt, einen Geldkreislauf in Gang zu bekommen, der nicht mehr funktioniert. Das ist hochriskant, aber nicht fahrlässig. Einfach gesagt: Einen Versuch ist es wert. Warum kampflos untergehen?

Also versuche ich: zu entspannen. Was wir eh anschaffen wollen, kaufen wir jetzt. Für meine Kinder habe ich Fondssparpläne. Und ja, auch etwas Gold habe ich. Ich wünsche Ihnen für 2014 Mut und Gelassenheit – und denken Sie ab und zu an Loriot: ein Klavier, ein Klavier…

Horst von Buttlar

Chefredakteur

 

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