They never come back. Der alte Spruch stammt ursprünglich aus der Box-Welt, wo einem einmal geschlagenen Champion nur äußerst selten ein Comeback gelingt. Die Regel gilt aber auch für Konzerne, die aus dem Dax absteigen wie jetzt Thyssenkrupp: Sie kehren danach so gut wie nie in die oberste Liga zurück. Die noch viel wichtigere Frage für die Aktionäre aber lautet: Geht es überhaupt mit dem Essener Traditionsunternehmen wieder aufwärts?
Die Chancen stehen besser als noch vor einem Jahr – und zugleich schlechter. Auf der einen Seite gibt es nach sehr vielen falschen Anläufen endlich eine vernünftige Strategie in Essen. Thyssenkrupp hebt nach vielen verlorenen Jahren endlich seinen wichtigsten Wert in der Bilanz: die Aufzugssparte. Gelingen der Verkauf oder ein Börsengang, kann der Restkonzern endlich sein Eigenkapital stärken. Auf der anderen Seite waren die Rahmendaten für das, was künftig den Kern von „Newtk“ (so das interne Kürzel) bilden soll, noch nie so schlecht wie heute. Und wahrscheinlich haben wir den Tiefpunkt der Konjunktur noch gar nicht gesehen.
Gegenwärtig blitzen die Augen mancher Manager bereits gierig, wenn sie an den möglichen Verkaufserlös der profitablen Aufzugssparte denken. 15 Mrd. Euro, das ist ein Wort. In Wahrheit muss man die Euphorie ein bisschen dämpfen. Noch klimpert das Geld nicht in der Kasse. Und wenn es mit den 15 Mrd. Euro wirklich klappen sollte, bleibt die spannende Frage: Wieviel kommt davon im Restkonzern wirklich an? Die gebeutelten Aktionäre, die über Jahre nichts als Geld bei Thyssenkrupp verloren haben, rechnen auf jeden Fall mit einer Sonderdividende. Und selbst wenn ein Großteil des Geldes tatsächlich bei Thyssenkrupp bleiben sollte, wie verhindert man, dass es die Manager des Konzerns nicht gleich wieder verbrennen?
Thyssenkrupp muss aus dem Dauer-Krisen-Modus
Man darf nicht vergessen: die Stahlsparte muss sich erst noch neu erfinden, wenn sie einen Ausweg aus dem Dilemma der gesamten Branche finden will. Der Versuch, sie mit dem indischen Tata-Konzern zu fusionieren, kam ja nicht von ungefähr. Und auch die öffentlich ventilierte Idee, mit einem Teil des Geldes aus der Aufzugssparte den Stahlhandel auszubauen, stimmt bei näherem Hinsehen nicht gerade hoffnungsfroh: Was sollen die Aktionäre davon haben, wenn man hoch rentierliches Kapital in niedrig rentierliches Kapital umtauscht? Die Margen im Stahlhandel sind noch schlechter als in der Stahlerzeugung – allerdings wenigstens nicht so schwankend.
Wie man es auch betrachtet: Der Abstieg aus dem Dax spiegelt nicht nur die Vergangenheit des Konzerns wider, sondern leider auch die wahrscheinlichste Zukunftsvariante. Allerdings wäre es im Vergleich zum Status quo bereits ein gewaltiger Fortschritt, wenn sich Thyssenkrupp endlich vom Dauer-Krisen-Modus auf einen normalen Geschäftsmodus umstellen könnte. Zumindest dafür stehen die Chancen 50:50, wenn der Börsengang oder der Verkauf der Aufzugssparte glatt und einigermaßen schnell über die Bühne gehen. Man wird es im MDax beobachten.
Thyssenkrupp & Co: Die spektakulärsten Dax-Absteiger
Thyssenkrupp muss als Gründungsmitglied den Dax verlassen. Nicht das erste bekannte Schwergewicht, das dieses Schicksal ereilt: Es hat schon andere prominente Namen der deutschen Wirtschaft erwischt
Nixdorf
Beim Börsengang 1984 konnte Heinz Nixdorf (3.v.l.) optimistisch in die Zukunft blicken. Vier Jahre später gehörte Nixdorf Computer zum Kreis der 30 größten deutschen Aktiengesellschaften. Heinz Nixdorf war allerdings zwei Jahre zuvor gestorben. Ende der 80er-Jahre ging es bergab mit Nixdorf, bis Siemens das Unternehmen übernahm. 1990 verschwand Nixdorf vom Kurszettel.
Continental
Continental ist Rekord-Ab- und -Aufsteiger aus dem Dax. Wegen einer geringeren Marktkapitalisierung mussten der Autozulieferer und die Metallgesellschaft 1996 der Münchener Rück und der Telekom weichen. 2003 kehrte Conti in die erste Börsenliga zurück. Fünf Jahre später erfolgte der nächste Abstieg: Nach der Übernahme durch die Schaeffler-Gruppe lag Continental beim Wert der frei verfügbaren Aktien nur noch auf Platz 66. Seit 2012 ist der Konzern wieder Mitglied der ersten deutschen Börsenliga.
Hoechst
Die Geschichte des Frankfurter Chemie- und Pharmakonzerns endete 1999: Hoechst fusionierte mit Rhone-Poulenc zu Aventis. Das war auch das Ende der Hoechst-Aktie.
Mannesmann
Nur ein Jahr später war auch Schluss für die Mannesmann-Aktie nach der Übernahme des Telekommunikations- und Stahlkonzerns durch Vodafone. Die Briten waren nur an der Telekom-Sparte interessiert und verkauften die anderen Geschäftsbereiche weiter. Von Mannesmann blieb nichts mehr übrig.
Dresdner Bank
Der Name Dresdner Bank steht heute noch an einer Commerzbank-Filiale in Dresden. 2001 hatte zunächst die Allianz die Dresdner Bank übernommen. Damit endete auch die Dax-Geschichte des Instituts. 2008 reichte die Allianz die verlustträchtige Bank dann an die Commerzbank weiter.
MLP
Der Finanzdienstleister MLP gab nur ein kurzes Gastspiel im Dax: 2001 für die Dresdner Bank aufgestiegen, folgte schon zwei Jahre später der Abstieg. Der von einem Bilanzskandal belastete Konzern erfüllte bei der Marktkapitalisierung nicht mehr die Kriterien für den Verbleib im Leitindex.
Hypovereinsbank
Für die HypoVereinsbank war nach der Übernahme durch die italienische Großbank Unicredit Schluss im Dax. 2005 verschwand auch diese Bank vom Kurszettel.
Postbank
Und noch eine Bank mit einer kurzen Lebensdauer im Dax: die Postbank. Nach dem Börsengang 2004 war sie 2006 in den Leitindex aufgestiegen. 2009 wurde sie von der Deutschen Bank geschluckt.
Infineon
Der Chiphersteller Infineon ist neben Continental das einzige Unternehmen, das nach einem Abstieg den Wiederaufstieg schaffte. Im Frühjahr 2009 wurde Infineon durch Fresenius ersetzt, aber schon ein halbes Jahr später gelang die Rückkehr. Nach dem Abstieg aus dem Dax hatte sich die Aktie fulminant erholt.



































