KolumneDie mächtigsten Gegner der Bankenfusion

Bernd Ziesemer
Bernd ZiesemerCopyright: Martin Kress

Was wollen die Vorstandsmitglieder der Deutschen Bank? Wie positionieren sich die Top-Manager der Commerzbank? Wo steht der Aufsichtsratschef Paul Achleitner wirklich? Und welche Weichen stellen am Ende die großen Investoren der beiden Kreditinstitute? Wir wissen es nicht so genau. Der Zusammenschluss der beiden Frankfurter Großbanken wirft nach wie vor jede Menge Fragen auf. Nur zwei Stakeholder beziehen eindeutig Stellung: das Bundesfinanzministerium dafür und die Gewerkschaften dagegen.

Es ist ein Treppenwitz der Geschichte: Über das Schicksal der Deutschen Bank, die viele Jahrzehnte lang als Sinnbild eines erzkonservativen Kapitalismus im Lande galt, sprechen am Schluss ein Grüner und ein paar Sozialdemokraten ein ganz entscheidendes Wörtchen mit. Zwei SPD-Mitglieder im Finanzministerium, der Amtschef Olaf Scholz und sein Adlatus Kukies, haben sich die ganze „Notfusion“ ausgedacht und betreiben sie mit Verve. Und die Spitze der Gewerkschaft Verdi, geführt vom Grünen Frank Bsirske und seinen mehrheitlich sozialdemokratischen Kollegen lehnt, lehnt sie mit der gleichen Vehemenz ab. Wir erleben einen innerlinken Showdown: Ohne massive Unterstützung von Scholz kann man den Deal vergessen, gegen den massiven Widerstand der Verdi-Spitze kann man ihn jedoch kaum durchsetzen.

Gegenwärtig sieht es so aus, als ob die Gewerkschaften die besseren Karten in diesem Spiel haben. Sie mobilisieren ihre Mitglieder seit Wochen gegen eine Fusion oder gar Übernahme. 20.000 Jobs stehen wahrscheinlich zur Disposition, wenn es tatsächlich dazu kommen sollte. Für die Gewerkschaften geht es deshalb ums Ganze. Nicht ausgeschlossen, dass Verdi sogar zum Streik bei den Banken aufruft.

Erst radikal, dann pragmatisch

Bsirske und seine Funktionäre operieren schon jetzt hart an der Grenze der guten Sitten und der einschlägigen Gesetze. So droht die Gewerkschaft beispielsweise, die Integration der Postbank in den Deutsche-Bank-Konzern zu torpedieren, sollte es zu offiziellen Verhandlungen zwischen den beiden Großbanken kommen. Bsirske verstößt als Aufsichtsratsmitglied der Deutschen Bank ständig flagrant gegen die gesetzliche Pflicht zur gebotenen Zurückhaltung. Ein Aufsichtsrat, der einen Streik gegen seinen eigenen Konzern organisiert? Das gibt es nur bei uns. Und Bsirske hat bereits in früheren Jahren bei der Lufthansa demonstriert, dass ihn dieser Widerspruch nicht schert.

Nun kennt man es seit langem von den deutschen Gewerkschaften: Erst gibt man sich radikal gegen jeden Plan zum Personalabbau, um dann am Schluss doch pragmatisch mitzumachen. Verdi verhält sich jedoch anders als beispielsweise die IG Metall. Der weitaus größte Block der Verdi-Mitglieder setzt sich aus Menschen zusammen, die im öffentlichen Sektor arbeiten. Dort sind die Jobs per Definition sicher, wirtschaftlicher Wettbewerb spielt keine Rolle und der Gewinn auch nicht. Diese Weltsicht überträgt sich bei Verdi auch auf die Bankbranche. Man sollte deshalb nicht erwarten, dass Bsirske und seine Funktionäre am Schluss einfach einknicken. Viel wahrscheinlicher ist: Sie werden bis zum bitteren Ende gegen einen Deal der beiden Großbanken kämpfen. Sollten sich die Eigentümer der Banken trotzdem für eine Übernahme aussprechen, müssten die Vorstände gegen den massiven Widerstand der Verdi-Betriebsräte ans Werk gehen. Das hat es in Deutschland in den letzten Jahrzehnten nicht mehr gegeben. Nirgends.