FinanzevolutionDie Konkurrenz für den Bankkredit wird größer

Euro-Scheine hängen an einer Leine
Leider hängt das Geld nicht an der Leine

Die Finanzierung von Unternehmen gehört seit Jahrhunderten zu den Kernaufgaben von Banken und hat in Italien sogar Pate gestanden für die Bezeichnung. So kommt der Begriff Bank daher,  dass italienischen Händler in Handelsstädten wie Venedig oder Genua ihre Geschäfte auf Bänken (banchi) sitzend abwickelten (mehr siehe hier).

Während für Banken die Unternehmensfinanzierung zum Kerngeschäft gehört, spielt aus Unternehmenssicht die Bankfinanzierung eine immer geringere Rolle. Das offenbart ein Blick in eine aktuelle Analyse der Bundesbank über die Finanzierungsverhältnisse deutscher Unternehmen. Die Daten über die aggregierte Bilanzentwicklung zeigen zwar einen deutlichen Anstieg der Fremdfinanzierung, jedoch auch dass die Unternehmensfinanzierung über Kreditinstitute seit Jahren stagniert beziehungsweise rückläufig ist.

Laut Bundesbank hat sich der Anteil der Verbindlichkeiten gegenüber dem Bankensektor von gut 30 Prozent Anfang der 2000er-Jahre bis zum Jahr 2016 auf etwa 20 Prozent verringert. Nach der Statistik trugen 2016 die Banken sogar nur noch gut 15 Prozent zur Fremdfinanzierung bei.

Schuldscheine und Kreditfonds

Aber wie finanzieren sich Unternehmen in Deutschland, wenn die Bedeutung der Banken zurückgeht? Die Invasion digitaler Angebote aus der Start-up-Welt der Finanztechnologie (Fintech) hat sich bisher bei der Unternehmensfinanzierung nicht durchgesetzt. Crowdinvesting und Marketplace-Lending bleiben vorerst in der Nische. Nach Angaben der Bundesbank finanzieren sich Kapitalgesellschaften stärker über Anleihen. Daneben spielen Instrumente wie Schuldscheine eine immer stärkere Rolle. Bemerkenswert ist außerdem, der deutliche Anstieg der Verbindlichkeiten gegen verbundenen Unternehmen und aus Lieferungen und Leistungen. Nach Analyse der Bundesbank weiteten sich hier in nahezu allen Branchen besonders die langfristigen Positionen merklich aus und lieferten den größten Beitrag zum Anstieg der Fremdmittel.

Ein anderes Finanzierungsinstrument, das sich offenbar statistisch nicht so einfach erfassen lässt, sind über sogenannte Kreditfonds vergebene Darlehen. Kreditfonds sind alternative Investmentfonds (AIF), die unter bestimmten Voraussetzungen Gelddarlehen vergeben dürfen (hier von der Finanzaufsicht BaFin ).

Auf der Fachtagung „Neue Player im Kreditgeschäft“ der Branchenplattform True Sale International (TSI) Anfang Februar in Frankfurt gaben Michael Munsch Creditreform, Klaus Petersen von Apera Capital UK und Sofia Harrschar von Universal-Investment einen interessanten Einblick in die öffentlich kaum bekannte Praxis der Kreditfonds. Dort war zu erfahren, dass das Volumen für private „debt funds“ in Europa bereits auf 100 Mrd. Euro geschätzt wird. Viele Kreditfonds seien nach der Finanz- und Kreditkrise ab 2008 entstanden und hätten Lücken abgedeckt, die Banken hinterlassen haben als sie in der Finanzkrise die Kreditvergabe aus verschiedensten Gründen deutlich einschränkten.

Nach den Angaben auf der TSI-Tagung beginnen die Kreditfonds erst bei einem Kreditvolumen ab circa 5 Mio. Euro und vergeben bis etwa 100 Mio. Euro Kredite und dabei sehr fokussiert für bestimmte Branchen und bestimmte Geschäftszwecke. Im Umkehrschluss bedeutet das: Sie spielen für kleinere Mittelständler und für große Konzerne bislang wohl noch keine Rolle. Ursprünglich haben viele Fonds die Fremdfinanzierungen bei Übernahmen getragen, sind aber mittlerweile in die Finanzierung von Investitionen, Immobilien und Infrastruktur eingestiegen.