Exklusiv„Der wirtschaftliche Einschnitt fordert uns Junge heraus“

Sarna Röser ist seit 2018 Bundesvorsitzende von „Die Jungen Unternehmer“, designierte Nachfolgerin in einem Familienunternehmen in Baden-Württemberg und Gründerin von zwei Start-UpsDie Jungen Unternehmer / Anne Grossmann Fotografie

Angesichts der vorgesehenen Neuverschuldung in Deutschland und der geplanten Schulden auf EU-Ebene warnt der Wirtschaftsverband „Die Jungen Unternehmer“ vor den Folgen für die eigene wirtschaftliche Situation. „Steuerausfälle, Schuldenberge und unsichere Zukunftschancen verdüstern die Aussichten für die junge Generation auf Jahre“, sagt Sarna Röser, Bundesvorsitzende des Verbands. „Der tiefe wirtschaftliche Einschnitt fordert uns Junge heraus, die Corona-Scherben wieder aufzusammeln.“ Zusammen mit dem Mutterverband „Die Familienunternehmen“ machen  „Die Jungen Unternehmer“ rund 6000 Familienunternehmen in ganz Deutschland aus.

1,2 Billionen Euro umfassen die Hilfsprogramme der Bundesregierung bislang. Anfang Juni soll ein neues Konjunkturpaket folgen. Ökonomen gehen davon aus, dass die Schuldenquote Deutschlands auf 80 Prozent der Wirtschaftsleistung steigen wird. Das sind gut 20 Prozentpunkte mehr als vor der Corona-Krise. Die Rechnung der Konjunkturmaßnahmen werden vor allem die künftigen Generationen zahlen.

Der Verband, der sich aus jungen Familienunternehmern und Gründern bis zum 40. Lebensjahr zusammensetzt, hat deshalb Maßnahmen ausgearbeitet, damit auch der Nachwuchs der deutschen Wirtschaft die Folgen der Krise überwindet. Ihre Forderungen, die Capital exklusiv vorliegen, haben „Die Jungen Unternehmer“ in einem „Re-Start Programm“ zusammengefasst. Die Forderung der sogenannte „Generation-Corona“ lautet dabei: „Mut zu mehr Marktwirtschaft“.

Schnelle Rückkehr zur Schuldenbremse

Um die Kosten für die nächsten Generationen einzudämmen, schlägt der Verband eine schnelle Rückkehr zur Schuldenbremse vor. Ende März hatte der Bundestag einer Aussetzung der Schuldenbremse zugestimmt, um eine staatliche Neuverschuldung von 156 Mrd. Euro für die Corona-Hilfen zu erlauben. Angesichts des neuen Hilfspakets steigt nun die Sorge vor steigenden Staatsschulden. CSU-Chef Markus Söder hat daher bereits eine Obergrenze der Neuverschuldung gefordert.

Ein konkreter Zeitplan für eine Rückkehr zur Schuldenbremse soll laut „Die Jungen Unternehmen“ deshalb schon mit der Verabschiedung des Bundeshaushaltes 2021 stehen. Um den Prozess zu beschleunigen fordert der Verband die Personalkosten bei Staatsbediensteten – darunter auch Pensionen – vorübergehend einzufrieren. Damit der Austausch mit staatlichen Behörden schnell und effizient wird, sollen außerdem die Verwaltungsabläufe flexibler und schlanker werden.

Das Geld zur Schuldentilgung soll dabei nicht aus höheren Sozialbeiträgen oder einer Vermögenssteuer kommen, um Unternehmen den Spielraum für Investitionen und die Sicherung von Arbeitsplätzen zu lassen. Stattdessen wollen die Jungen Unternehmer die Sozialbeiträge auf 40 Prozent deckeln. Um Gründern den Start zusätzlich zu erleichtern, sollen neugegründete Unternehmen in der Anfangsphase keine Sozialbeiträge zahlen.

Um die gesamte Wirtschaft langfristig wieder anzukurbeln, setzt der Verband auf Digitalisierung und eine neue Klimapolitik. Neben dem Ausbau der digitalen Infrastruktur in der Verwaltung, soll dabei auch die digitale Schulbildung vorangetrieben werden. Eine Ausweitung des Emissionshandels auf weitere Sektoren wie Verkehr, Wohnen und Landwirtschaft könnte langfristig außerdem Investitions- und Wachstumsimpulse setzen.