KommentarDie Commerzbank im Umbaufieber 

Die Sanierung der Commerzbank macht FortschritteIMAGO / Jan Huebner

Bis zur Hauptversammlung wird bei der Commerzbank fleißig am Turnaround gearbeitet. Zunächst gibt es einen neuen Aufsichtsratschef, Helmut Gottschalk, ehemaliger Chefaufseher der DZ-Bank, soll am 18. Mai von den Aktionären gewählt werden.

Der nicht mehr ganz so neue Vorstandschef Manfred Knof – er hatte zu Jahresbeginn seinen Posten angetreten – hat einen Teilerfolg bei der Durchsetzung seines Vier-Jahres-Programms zum Umbau der unter notorischer Ertragsschwäche leidenden Bank erzielt: Mit  Aufsichtsrat und Betriebsrat konnte er sich auf den Abbau von rund 9000 Vollzeitstellen einigen.

Und eine neue Einnahmenquelle steht kurz vor der Erschließung: Zu Juli werden die kostenlosen Girokonten weitgehend abgeschafft. Eine siebenstellige Zahl an Kunden ist betroffen, wer sich nicht für eine in Sachen Service gnadenlos abgespeckte Kontovariante entscheidet, zahlt künftig 4,90 Euro monatlich. Es ist eine einfache Rechnung: Das kann Millionenerträge bringen.

Überraschender Gewinn

„Wir haben bereits nach wenigen Monaten bedeutende Meilensteine unserer Transformation erreicht und wichtige strategische Projekte in allen Teilen des Konzerns auf den Weg gebracht“, sagte Knof. „Diese Projekte setzen wir jetzt konsequent um.“

Am heutigen Mittwoch konnte Deutschlands zweitgrößte Privatbank  Quartalszahlen mit noch mehr positiven Nachrichten aufwarten: Statt des erwarteten Verlusts – Analysten hatten im Schnitt mit einem Minus von 131 Mio. Euro gerechnet – meldete die Commerzbank fürs erste Quartal einen operativen Gewinn von 538 Mio. Euro, von dem netto immerhin noch 133 Mio. Euro übriggeblieben sind. Die Hoffnungen der Anleger auf eine Trendwende bei der angeschlagenen Bank beflügelten die Aktie, schon kurz nach Börseneröffnung verzeichnete der Kurs ein Plus von mehr als 6,5 Prozent.

Commerzbank Aktie

Commerzbank Aktie Chart
Kursanbieter: L&S RT

Allerdings könnten die Turnaround-Fantasien etwas zu früh kommen. Denn das gute Ergebnis ist weniger dem Vier-Jahres-Plan von Knof als zum Teil einmaligen Effekten geschuldet.

Die Magie der Effekte

Zum einen war dafür das starke Wertpapiergeschäft verantwortlich: Neue Anleger drängen an die Börse, davon hat auch die Commerzbank profitiert. Das Volumen hat seit Jahresbeginn um 15 Mrd. Euro zugelegt. Dadurch habe die Commerzbank Effekte aus dem negativen Zinsumfeld „weitgehend“ ausgleichen können, sagte Finanzvorständin Bettina Orlopp. Bitter ist jedoch, dass die Commerzbank Aktiengeschäft und Research zu Ende des Jahres an den deutsch-französischen Wettbewerber Oddo BHF auslagern will und deshalb künftig vom Aktienboom nicht mehr vollumfänglich profitieren wird. Kleiner Trost: Im Firmenkundengeschäft waren dafür Anleihen- und Syndizierungsgeschäfte (zum Beispiel Konsortialkredite) ausschlaggebend.

Ein weiterer Wermutstropfen ist, dass zum Überraschungscoup zwei Sondereffekte beitrugen: Ein Bewertungseffekt bei Commerzbank-Absicherungsgeschäften spülte 360 Mio. Euro in die Bilanz. Zum zweiten trug eine nicht näher bezifferte Steuergutschrift zu den guten Zahlen bei. Diese Effekte sind wohl einmalig, zum Glück stellt wenigstens der dritte Sondereffekt eine wiederkehrende Einnahmenquelle dar: Die Commerzbank hat von der Europäischen Zentralbank eine Gutschrift für unter Vorgaben ausgegeben Kredite erhalten.

Trotz der Sondereffekte und der Tatsache, dass der Stellenabbau die Kosten von Knofs Sanierungsplan von 1,8 Mrd. Euro auf mehr als 2 Mrd. Euro anschwellen lassen wird, glauben die Commerzbanker, die guten Zahlen halten zu können. Sie haben die Prognose angehoben und gehen nun auch für das Gesamtjahr von einem Gewinn aus. Die Analysten haben da bislang noch nicht mitgezogen, sie gehen im Schnitt noch von einem Verlust aus. Fazit: Die Aktie bleibt eine Spekulation darauf, dass die Commerzbank ihr derzeit hohes Tempo beim Umbau beibehält – und der Umbau sich auch auszahlt.

 


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