KolumneDie alten gefährlichen Fehler bei Airbus

Bernd Ziesemer
Bernd ZiesemerMartin Kress

Wie es um die Führung eines Konzerns wirklich steht, zeigt sich gewöhnlich erst in der Krise. Seit Monaten muss sich Airbus mit schweren Korruptionsvorwürfen auseinandersetzen. Und weil der mächtigste Franzose im Konzern, Fabrice Brégier, nicht zu halten ist, muss eben auch der wichtigste Deutsche gehen: der Vorstandsvorsitzende Thomas Enders. Denn in der Krise gilt eben doch wieder die alte Arithmetik eines Staatskonzerns mit allen ihren komplizierten nationalen Gleichungen. Airbus ist eben doch noch kein normales Unternehmen, so sehr sich gerade Enders in den letzten Jahren um die Abschaffung der alten Strukturen und Mentalitäten bemüht hat.

Und Airbus wäre eben nicht Airbus, wenn der Wechsel im Management nicht mit neuen Richtungskämpfen und den üblichen Ränkespielen begleitet wäre. Dass der überaus verdiente Manager Enders seinen endgültigen Abschied aus französischen Zeitungen erfahren musste, gehört sich nicht. Man spürt zwischen den Zeilen die klammheimliche Freude einiger französischer Strippenzieher, den seit langem ungeliebten Deutschen endlich zu Fall zu bringen.

Enders darf bei seinem Nachfolger mitreden

An einem Punkt konnte sich Enders aber doch durchsetzen: Während Brégier schon in den nächsten Wochen seinen Sessel räumen muss, bleibt der Airbus-Chef bis zum Ablauf seines Vertrags im Frühjahr 2019 an Bord. Enders kann also, wenn es denn bei diesem Termin bleibt, ein ganzes Stück über seinen eigenen Nachfolger mitbestimmen. Und wer den kantigen Manager kennt, der ahnt: Enders wird sich diese Chance nicht entgehen lassen.

Am wichtigsten ist die Frage, ob sich Airbus wieder stärker in Richtung eines Staatskonzerns zurückbewegt oder nicht. Es wäre sehr zu wünschen, dass ein ausgewiesener Industriemann mit großer Führungserfahrung in einem anderen Konzern 2019 an die Spitze tritt – und keiner der üblichen Verdächtigen aus der französischen Verwaltungselite, die sich mehr als Politiker denn als Unternehmer verstehen. Der neue Mann sollte die Agenda seines Vorgängers Enders auf jeden Fall fortsetzen und Airbus weiter zu einem ganz normalen Unternehmen fortentwickeln, in dem es keine politischen Besitzstände mehr gibt.

Gelungene Umwandlung

Es ist noch zu früh, um Thomas Enders zu verabschieden. Aber man kann jetzt schon sagen: Er hat Großes bei Airbus geleistet. Allein schon die Umwandlung des früheren EADS-Konzerns und die Konzentration auf das Geschäft mit zivilen Flugzeugen waren eine Herkulesaufgabe. Das Unternehmen agiert heute sehr viel schlagkräftiger am Markt als jemals zuvor in seiner langen Geschichte.

Natürlich gab es auch zahlreiche Fehler. Einiges misslang – zum Beispiel die Schaffung eines großen europäischen Rüstungskonzerns. Und Enders selbst wird sich wahrscheinlich ärgern, dass er nicht früher und entschlossener gegen die Korruption im Konzern vorgegangen ist. Aber das alles ändert nichts daran, dass es eigentlich besser gewesen wäre, wenn der Deutsche noch ein paar Jahre weitergemacht hätte. Auf seinen Nachfolger wartet eine schwierige Aufgabe.