Kommentar Deutsche Bank: Schöne Zahlen, aber keine Strategie

Die Zwillingstürme der Deutschen Bank in Frankfurt
Die Zwillingstürme der Deutschen Bank in Frankfurt
© IMAGO / Future Image
Die Deutsche Bank macht zum zweiten Mal in Folge Gewinn, es ist der höchste seit zehn Jahren. Doch dem Haus fehlt eine neue Strategie, sie soll Mitte März kommen. Was Anleger erwarten können

Christian Sewing, Vorstandschef der Deutschen Bank, betritt am Donnerstag in Frankfurt mit stolzer Brust das Podium der virtuellen Bilanzpressekonferenz. „Das ist mehr, als wir uns noch 2019 zugetraut hätten“, verkündet er. „Wir haben die Deutsche Bank nachhaltig in die Gewinnzone und auf Wachstumskurs gebracht.“ Ja, das Ergebnis aus dem vergangenen Jahr ist beachtlich: mit 2,5 Mrd. Euro hat die Deutsche Bank das Ergebnis im Vergleich zum Vorjahr mehr als vervierfacht und die Erwartungen des Marktes übertroffen. 2020 hatte sich das Ergebnis noch auf 624 Mio. Euro belaufen. Eine Leistung, trotz Verkäufen etwa des Aktienhandels – womit die Deutschen Bank auf 2 Mrd. Euro Erträge verzichtet hat – und des Geschäfts mit Hedgefonds an die BNP Paribas.

Sewing behauptet selbstbewusst, man fahre jetzt die Ernte der Mühen aus den vergangenen Jahren ein. Rasantes Wachstum kündigt er an, zudem eine tolle Entwicklung der Unternehmens- und die Privatkundenbank. Man sei mitnichten so abhängig vom Investmentbanking, wie gerne unterstellt werde, meint er. Doch ob die aktuelle Lage wirklich so nachhaltig ist, muss Deutsche-Bank-Chef noch beweisen.

Denn für das satte Gewinnplus sind keine massiven Ertragssteigerungen aus dem Herzen der Bank verantwortlich, sondern die sich erholende Weltwirtschaft: Die Risikovorsorge für Kredite ist von 1,8 Mrd. Euro um 71 Prozent auf 515 Mio. Euro gesunken, das entlastet die Bilanz. Die Segmente Unternehmens- und Privatbank melden stagnierende Erträge, obwohl beide mittlerweile davon profitieren, dass die Bank auf hohe Einlagen Strafzinsen erhebt und so 360 Mio. Euro mehr auf Einlagen eingenommen hat.

Die Investmentbank ist mit einem Plus von vier Prozent immerhin leicht gewachsen. Dazu trug vor allem der Boom rund um Spac-Börsengänge bei, bei denen Investoren eine Kapitalgesellschaft an die Börse bringen und mit dem eingesammelten Geld der Aktionäre später ein Unternehmen hineinkaufen. „Wir sind hier seit Jahren stark“, sagte Finanzchef von Moltke. Die Bank profitiere dabei zweifach: Von der Organisation des Börsengangs und der Zusammenlegung von Gesellschaft und Unternehmen. Aber der Boom flache bereits wieder ab. Die Konzernsparte konzentriere sich weiter auf Emissionen sowie Beratungen, Finanzierungen und Zins- und Währungsgeschäfte, das seien die Stärken des Investmentbankings.

Den größten Wachstumsschub hat jedoch die Tochter DWS hingelegt. Die Erträge der eigenständigen Vermögensverwaltung sind um 21 Prozent auf 2,7 Mrd. Euro gewachsen. Damit steuert sie jedoch nach der Unternehmensbank mit 5,2 Mrd. Euro, der Privatkundenbank mit 8,2 Mrd. Euro und der Investmentbank mit 9,6 Mrd. Euro den viertgrößten Betrag zum Gesamtertrag von 25,4 Mrd. Euro bei. Das hohe, aber relativ unwichtige Ergebnis hilft derzeit nur einem: DWS-Chef Asoka Wöhrmann. Sewings Lob, er habe hervorragende Arbeit geleistet, stärkt dem derzeit umstrittensten Führungsmitglied den Rücken. Gegen Wöhrmann wird derzeit wegen des Verdachts auf Geldwäsche ermittelt, er soll einem Geschäftsmann 160 000 Euro überwiesen haben, damit dieser ihm einen Porsche Panamera kaufe. Dieser hat ihm das Geld jedoch ein Jahr später aus ungeklärter Ursache zurücküberwiesen. Zudem soll Wöhrmann sein privates Mailpostfach auch für geschäftliche Zwecke genutzt haben. Gegen die DWS als Ganzes ermitteln zudem die US-Behörden wegen des Vorwurfs des „Greenwashing“, den eine ehemalige Mitarbeiterin erhoben hat. „Bisher hat sich jedoch kein Verdacht erhärtet“, sagt Sewing.

Riskanter Stil

Die hausinterne Bad Bank machte anders als im Vorjahr keinen Verlust, sondern wies sogar einen kleinen Ertragsgewinn aus. Zudem sanken die Ausgaben für die Sanierung der Bank – obwohl laut Sewing vergangenes Jahr massiv in neue Technologie und die Bekämpfung von Geldwäsche investiert worden sei. Hier hat die Bank Nachholbedarf, das hat bereits die US-Notenbank Fed hochoffiziell moniert. Die Bafin hat dem Finanzkonzern zwei Strafen aufgebrummt. Eine, weil es die Deutsche Bank versäumt hat, Vorgaben umzusetzen, die Manipulationen des Referenzzinssatzes Euribor verhindern sollen. Und eine weitere, weil den Beratern in Spanien Fehler unterlaufen sind.

Die Bank liefert, aber eben nicht nur Zahlen sondern auch Skandälchen, die es Anlegern schwer machen, in die Entwicklung der Aktie zu vertrauen. Da ändert auch das Versprechen nichts, dass die Deutsche Bank in den nächsten Jahren – den genauen Zeitraum ließ Sewing offen – 5 Mrd. Euro den Aktionären zugutekommen lassen will. Der Kurs sprang zwar nach Veröffentlichung der Zahlen um knapp fünf Prozent hoch, die Euphorie verflog jedoch schnell. Der Aktienkurs erreichte noch nicht einmal das Hoch vom 10. Januar bei 12,56 Euro.


Deutsche Bank Aktie


Deutsche Bank Aktie Chart
Kursanbieter: L&S RT

Die demonstrative Ignoranz von Investoren gegenüber der Aktie ist frappierend. Aber sie ist auch deshalb begründet, weil Sewing bislang kaum ein anderes Programm fährt als Sparen und Schrumpfen. 180 Filialen hat die Bank im vergangenen Jahr geschlossen und die Mannschaft um 1690 Vollzeitkräfte verringert. Dass der Personalaufwand dennoch auf dem gleichen Niveau wie im Vorjahr verharrt ist, zeigt, dass er dabei nicht immer erfolgreich ist.

Noch ist unklar, wie Sewing im laufenden Jahr die Bank so effizient machen will, dass die Aufwand-Ertrags-Quote von derzeit 85 – was bedeutet, dass der Konzern für jeden verdienten Euro 85 Cent ausgibt – auf 70 senken wird. Auch das Ziel, die Eigenkapitalrendite von zuletzt 6,4 Prozent auf 8 Prozent zu erhöhen, ist ambitioniert. Am 10. März soll es Antworten geben. Dann stellt Sewing beim Investorentag seine neue Strategie vor. Gut wäre es, dabei zu erfahren, welches Geschäft die Deutsche Bank nach der Rosskur aufbauen will.

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