Deutsche BankDem Tod von der Schippe gesprungen

Konzernchef Christian Sewing bei der Jahresmedienkonferenz seines Instituts
Deutsche-Bank-Chef Christian Sewingdpa

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing will die derzeit führungslose Commerzbank nicht aus ihrem Führungs-Schlamassel retten. Auf einer Analystenkonferenz zu den Halbjahreszahlen sagte er, dass ezwar in den nächsten Jahren mit einer zunehmenden Zahl an Zusammenschlüssen rechnet. Sein Haus soll sich jedoch nach der mühevollen Integration der Postbank und der Übernahme der Privatbank Sal. Oppenheim als Käufer zurückhalten. Kosteneffizienz und Neuausrichtung stünden im Vordergrund: „Wir haben alle Hände voll mit unserer eigenen Umstrukturierung zu tun“, sagte Sewing 

Besonders die mittlerweile bewältigte mühevolle Integration der 2008 übernommenen Postbank dürfte die Deutsche Bank abschreckenWeil der Fokus auf Privatkunden und kleine Firmen kaum zur Deutschen Bank passt, die rund die Hälfte ihrer Erträge mit dem Investmentbanking macht, sollte sie 2015 verkauft werdenAls sich kein Interessent fand, integrierte der Frankfurter Finanzkonzern die Tochter notgedrungen und kostenintensiv selbstEine Übernahme der Commerzbank, deren Schwerpunkte mit einem starken Privatkunden und Mittelstandsgeschäft dem der Postbank ähneln, dürfte deshalb auf Sewings Agenda kaum Priorität haben. Oder wie er das formuliert: „Wenn sich die Deutsche Bank etwas anschaut, muss es wertsteigernd sein.“ Und weil die Deutsche Bank derzeit sogar ihre eigenen Pläne übertreffesei die Hürde ziemlich hoch. „Wir glauben voll und ganz an unsere eigenständige Strategie.“ 

Es gibt zarte Anzeichen dafür, dass er recht haben könnte. Das Investmentbanking hat sich im ersten Halbjahr tapfer geschlagen. Der Handel mit festverzinslichen Wertpapiere steigerte die Erträge so massiv wie in den letzten acht Jahren nicht, konkret um 31 Prozent. Die um 761 Mio. Euro gestiegene Rückstellungen für wegen der Viruskrise ausfallgefährdeten Kredite konnte die Bank so ausgleichen. Im Vergleich zum Vorjahr steigerte die Deutsche Bank in den ersten sechs Monaten ihre Erträge leicht auf 12,6 Mrd. Euro. Bemerkenswert ist zudem, dass die zinsunabhängigen Kosten um 15 Prozent auf rund elf Mrd. Euro gesunken sind – hier schlagen sich die im Zuge des Abbaus von 18 000 Stellen niedrigeren Lohnkosten sowie die Investitionen in die IT bemerkbar.  

Prognose angehoben, Dividende angekündigt

Nach einem Verlust von knapp drei Milliarden Euro im Halbjahr 2019 konnte die Deutsche Bank jetzt einen Nachsteuergewinn von 126 Mio. Euro verbuchen. Das verbessert die Aussichten aufs Gesamtjahr: Die Erträge sollen nicht wie ursprünglich erwartet leicht sinken, sondern stagnieren. Finanzvorstand James von Moltke kündigte zudem an, dass im kommenden Jahr wieder Dividende ausgeschüttet werden sollen. Analysten hätten damit erst 2021 gerechnet.  

Der Aktienkurs reagierte auf die Zahlen am Mittwoch zunächst positiv, gab den Gewinn jedoch schnell wieder ab. So ganz nehmen Aktionäre der Bank ihre Zuversicht nicht ab. Viele Marktkenner kritisierten Sewings Optimismus in Bezug auf die Covid-19-Krise. In Deutschland sei die Lage vielleicht anders, aber die hohen Infektionszahlen etwa aus den USA deuteten darauf hin, dass es zu weiteren Lockdowns kommen könnte, hieß es aus Analystenkreisen. Das würde auch das Bankgeschäft belasten. Im Vergleich zu den US-Banken hinkt die Deutsche Bank zudem hinterher. Die hatten im Schnitt ihre Erträge im zweiten Quartal mehr als verdoppelt. JP Morgan-Analyst Kian Abouhossein sagte, die Ergebnisse der Deutschen könnten „gerade als gut genug angesehen werden“.