ExklusivDax-Konzerne müssen sich auf Verschärfung des Handelsstreits einrichten

Bei den deutschen Autobauern wie Daimler wächst die Abhängigkeit vom chinesischen Markt
Bei den deutschen Autobauern wie Daimler wächst die Abhängigkeit vom chinesischen Marktdpa

Trotz der jüngsten Teileinigung zwischen China und den USA müssen sich deutsche Unternehmen auf eine Verschärfung des Handelsstreits einrichten. Dies ist das Ergebnis einer umfangreichen Capital-Analyse (Ausgabe 2/2020; EVT 23.01.2020). So gehe der Konflikt weit über die Agenda des aktuellen US-Präsidenten Donald Trump hinaus und werde auch von den Demokraten vorangetrieben, sagte die Chefin des Instituts für Demoskopie in Allensbach, Renate Köcher: „Jetzt entscheidet sich, ob die USA ihre globale Vormachtstellung in diesem Jahrhundert verteidigen können – oder ob ihnen China den Rang abläuft.“ Viele deutsche Unternehmen würden sich derzeit intensiv mit der Frage beschäftigen, für welchen der beiden Märkte sie sich entscheiden würden, sollten sie in Zukunft vor die Wahl gestellt werden. „Und egal, wie man sich entscheidet, der Flurschaden ist immens groß.“

Auch der renommierte deutsche China-Wissenschaftler Sebastian Heilmann sagte, die Europäer gerieten zunehmend „ins Kreuzfeuer der chinesisch-amerikanischen Rivalität. Da kommen wir mit Freihandelsfolklore nicht mehr weiter.“

Die neue Capital erscheint am 23. Januar
Die neue Capital

Schon Ende vergangenen Jahres hatte das Allensbach-Institut im Auftrag von Capital und FAZ im traditionellen „Elitepanel“ die deutschen Entscheider nach ihren Einschätzungen des amerikanisch-chinesischen Konflikts befragt. Damals erwarteten 78 Prozent der befragten Manager, deutsche Unternehmen müssten sich in Zukunft wahrscheinlich entscheiden, ob sie lieber weiter mit den USA oder mit China Geschäfte machen wollen. 51 Prozent würden sich in diesem Fall für die USA entscheiden, 32 Prozent hingegen für China – 17 Prozent antworteten, sie seien sich unsicher.

Eindeutig war hingegen die Erwartung, wer in diesem Jahrhundert die führende Weltmacht sein wird: 70 Prozent der deutschen Elite rechnet damit, dass China die USA als Weltmacht Nr. 1 ablösen wird, lediglich 23 Prozent glauben, dass die USA ihre Vormachtstellung werden verteidigen können.

In der Folge hat Capital für die 30 größten börsennotierten Konzerne in Deutschland die Abhängigkeit von den beiden Märkten China und USA untersucht. Ergebnis: Neun der 30 Dax-Konzerne sind gemessen an Umsatz, Gewinn und Wachstumsdynamik nach Capital-Recherchen vom US- wie auch vom chinesischen abhängig oder sogar sehr abhängig. Besonders stark ist die Abhängigkeit von beiden Märkten bei BASF, BMW, Adidas und Infineon. Die Autobauer Volkswagen und Daimler haben zumindest eine große China-Abhängigkeit, während SAP, Fresenius Medical Care und Bayer sehr stark am US-Geschäft hängen.

 


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