Pandemie-BekämpfungDax-Konzerne haben Impfstart vorbereitet

Beiersdorf richtet in Hamburg eine Impfstation einJewgeni Roppel

Die größten deutschen Konzerne stehen in den Startlöchern, um Mitarbeiter, Angehörige und auch weitere Menschen gegen Covid-19 zu impfen. Das zeigt eine Umfrage des Wirtschaftsmagazins „Capital“ (Ausgabe vom 15.4.2021). Danach sind 29 von 30 Dax-Konzernen, aber auch Unternehmen wie die Deutsche Bahn, Bosch und Beiersdorf bereit, die Bundesregierung bei der Corona-Impfkampagne zu unterstützen. „Ja, wir wollen impfen!“, heißt es etwa beim Chemiekonzern Bayer. „Wir hoffen, dass wir im zweiten Quartal starten dürfen.“ Allein bei Volkswagen und seinen Tochterunternehmen könnten laut Konzern 140.000 Menschen „direkt erreicht werden“.

Die neue Capital erscheint am 15. April

Das Bundesgesundheitsministerium hatte die Betriebsärzte explizit in der Coronaimpfverordnung sowie bei der Empfehlung der Ständigen Impfkommission mit in die Pflicht genommen. Bisher mangelte es in Deutschland aber an Impfstoff. Die knappen Ressourcen werden bislang nur an die eigens errichteten Impfzentren und seit einigen Tagen auch an Hausärzte verteilt. Bis Mitte April hatten knapp 16 Prozent der Deutschen mindestens eine Impfdosis bekommen – deutlich weniger als in den USA oder Großbritannien.

Wie und wann auch die rund 12.500 Betriebsärzte in Deutschland zum Einsatz kommen, ist bislang unklar. Dabei gelten Arbeitsstätten mittlerweile als eine der größten Risiken für Corona-Übertragungen. Arbeitgeber werden angehalten, die Mitarbeiter nach Möglichkeit im Homeoffice zu beschäftigen und andernfalls für regelmäßige Corona-Tests zu sorgen.

Viele Unternehmen sind bereit, mehr zu tun und die Impfung ihrer Mitarbeiter selbst zu übernehmen. Sie haben die vergangenen Wochen genutzt, um Impfstationen aufzubauen, medizinisches Fachpersonal zu schulen, Abläufe zu proben. „Uns war schon früh klar, dass irgendwann mehr Impfstoff zur Verfügung stehen wird, als in den Impfzentren ausgegeben werden kann“, sagt Michael Heinz, Vorstandsmitglied bei BASF und Standortleiter des Werks Ludwigshafen. Beim Chemieriesen könnten 34.000 Angestellte zum Zuge kommen, dazu 8000 Mitarbeiter von Partnerfirmen und je nach Genehmigung die Angehörigen der BASFler – macht insgesamt um die 100.000 Menschen.

Viele weitere der von Capital befragten Unternehmen erklärten sich bereit, auch über die eigene Belegschaft hinaus zu impfen, wenn die Behörden es zulassen. Der Konsumgüterhersteller Beiersdorf könnte am Stammsitz in Hamburg-Eimsbüttel bis zu 300 Menschen täglich impfen „Bei etwa 6000 Mitarbeitern in Hamburg sind wir mit unseren Kapazitäten in ungefähr drei Wochen durch“, sagt Jörg Busam, leitender Betriebsarzt bei Beiersdorf. „Aber es wäre doch schade, unsere Infrastruktur nicht auch für andere zu nutzen.“

Monatlich könnten in den Betrieben nach Hochrechnungen des Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte fünf Millionen Impfungen stattfinden. Zur Umfrage von Capital hat lediglich Dax-Neuling Delivery Hero keine Stellung bezogen.

 


Unsere große Geschichte über das Impfen am Arbeitsplatz erscheint in Capital 5/2021. Interesse an Capital? Hier geht es zum Abo-Shop, wo Sie die Print-Ausgabe bestellen können. Unsere Digital-Ausgabe gibt es bei iTunes und GooglePlay