BankenDas Volksbank-Geheimnis

Volksbank-Bus
Volks- und Raiffeisenbanken gelten als altbacken. Doch das 70er-Jahre-Image trügt: Der Genossenschaftssektor ist moderner aufgestellt als die Sparkassen – Foto: Laif

In Neumünster, einer Kleinstadt zwischen Hamburg und Flensburg, gibt es zwei Banken – eine gute und eine schlechte. Die Geschichte der schlechten Bank ist schon häufiger erzählt worden, was daran liegt, dass die Sparkasse Südholstein es fertiggebracht hat, binnen weniger Jahre zweimal in Schieflage zu geraten. Das erste Mal, 2009, fehlten rund 50 Mio. Euro. Ein Einzelfall, so hieß es damals. Doch dann, im Frühjahr 2013, musste die Sparkasse erneut gerettet werden. Der einzige Unterschied: Diesmal fehlten sogar 60 Mio. Euro.

Und die gute Bank?

Die Fußgängerzone von Neumünster: Während der rote Schriftzug der Sparkasse auf einem verdreckten gräulichen Betonklotz prangt, residiert die VR Bank Neumünster ein paar Hundert Meter weiter hinter historischem Klinker. Die Fassade, eine Schönheit im Stil der Neorenaissance, hat man erst 2011 frisch poliert. Das restliche Gebäude wurde abgerissen und durch einen eleganten Neubau ersetzt. Man konnte es sich leisten.

Rainer Bouss und Dirk Dejewski, die beiden Vorstände, empfangen auf der zweiten Etage, in einem schlicht gehaltenen Besprechungszimmer. Weiße Wände, grauer Teppich, ein runder Konferenztisch. „Zu unserem Wettbewerber möchten wir uns selbstverständlich nicht äußern“, sagt Bouss gleich zur Begrüßung. Das braucht er auch nicht. Lieber soll er erklären, wie seine Bank es geschafft hat, im vergangenen Jahr aus einer Bilanzsumme von 1,18 Mrd. Euro ein Rekordergebnis von 13,8 Mio. Euro zu zaubern. „Das können wir gerne tun“, sagt Bouss.

Krise? Nicht bei uns

Sparkassen vs. Volksbanken

Neumünster ist nicht Deutschland. Unter den 411 Sparkassen der Republik finden sich genügend, die Jahr für Jahr solide Gewinne erzielen. Genauso gibt es unter den 1026 Volksbanken, Raiffeisenbanken und VR Banken auch solche, die mit Problemen kämpfen. Wenn man aber die Genossenschaftsbanken und die Sparkassen gegenüberstellt, dann bekommt man doch eine klare Ahnung davon, in welchem der beiden Sektoren erfolgreicher und nachhaltiger gewirtschaftet wird: bei den Genossen.

Am offensichtlichsten wurde dies in der Finanzkrise nach 2008. Während nicht nur Großbanken wie die Hypo Real Estate und die Commerzbank, sondern auch mehrere der zum Sparkassensektor zählenden Landesbanken umstürzten, kamen die Genossenschaftsinstitute mit ein paar Schrammen davon. Noch bemerkenswerter scheint, was seitdem passiert: Die schwere Strukturkrise der Bankenbranche, von der es immer heißt, sie würde die kleinen Häuser am stärksten treffen, scheint ausgerechnet die kleinteiligen Volks- und Raiffeisenbanken bislang kaum zu berühren.

Satte 10,7 Mrd. Euro betrug der Überschuss der genossenschaftlichen Finanzgruppe im Jahr 2014. Diese Zahl lässt sich nicht exakt mit den Bilanzen der Sparkassen vergleichen, weil deren Verbund keinen konsolidierten Abschluss für die gesamte Gruppe erstellt. Aber dass der öffentlich-rechtliche Sektor für dasselbe Jahr gerade einmal einen Überschuss von 3,7 Mrd. Euro präsentierte, liegt nicht nur an der unterschiedlichen Bilanzierung. Es lässt auch auf eine deutlich geringere Rentabilität schließen – zumal die Sparkassen für ihren Gewinn ein viel größeres Rad drehen. Sie haben weitaus mehr Mitarbeiter, mehr Kunden und eine größere Bilanzsumme. Anders ausgedrückt: Die Genossen müssen für ihre Gewinne nicht einmal groß ins Risiko gehen, was sich auch am herausragenden „AA–“-Rating der Gruppe zeigt.

Doch warum ist das so? Was machen die Volks- und Raiffeisenbanken besser als die Sparkassen?