TechlashDas jähe Ende der Tech-Euphorie

Techlash: Die Techkonzerne sind vom Zukunftsversprechen zur Bedrohung geworden
Techlash: Die Techkonzerne sind vom Zukunftsversprechen zur Bedrohung gewordenDaniel Downey

DAS PROBLEM — Facebook erlebt seinen Frankenstein-Moment. Der Missbrauch
von bis zu 87 Millionen Profilen für den US-Wahlkampf hat eine Vermutung zur Gewissheit gemacht: dass die Netzwerke, die sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten um die Erde gespannt haben, nicht nur unseren Alltag tiefgreifend verändern – sondern unsere Gesellschaft. Und mehr noch: dass völlig unklar ist, wer diese Veränderung kontrolliert. Und ob sie überhaupt kontrollierbar ist. Facebook wollte die Welt offener machen und vernetzen. Inzwischen fragen viele, welche Manipulationswaffe da geschaffen wurde. Aber es geht nicht nur um Facebook: Apple, Google und Amazon – sie alle haben unser Leben verändert und verbessert, aber an vielen Stellen auch zerstört und deformiert. Die Welt erlebt nun ein Ende der Tech-Euphorie. In Anlehnung an das englische backlash (Rück- schlag) sprechen viele längst von einem „Techlash“. Doch worum geht es bei der Debatte?

Die Macht der Plattformen ist zu groß

Vergangenen Herbst hat sich Jeff Bezos, Amazon-Gründer und reichster Mensch der Welt, mit einer Champagnerflasche auf einem Windrad fotografieren lassen. Es war eine Taufe, der Konzern betreibt inzwischen eigene Windparks. Für den eigenen gigantischen Energiebedarf.

Das Bild war auch ein Symbol: Es scheint keinen Markt zu geben, in den Amazon nicht vordringen kann. Der Konzern ist der größte Internethändler der USA, produziert Kleidung, Mode, Tiefkühlgerichte, Bettwäsche, Werkzeuge und natürlich das E-Book-Lesegerät Kindle und den Lautsprecher Echo samt Assistentin Alexa. 5000 Mitarbeiter arbeiten allein an künstlicher Intelligenz. Kaum jemand investiert so viel in Roboter wie Amazon.

Für die Logistik betreibt der Konzern eine Flotte von 25 Flugzeugen und 4000 Lkw. Amazon verlegt Bücher und Hörbücher, dreht Fernsehserien. Die Finanzabteilung vergibt Kleinkredite an Firmen, die Amazon auf diese Weise an die eigene Website bindet. Die Kreditnehmer verkaufen ihre Waren, von Amazon finanziert, über Amazon. Amazon macht ihnen gleichzeitig Konkurrenz, indem es die gleichen Produkte herstellt. Außerdem ist der Konzern der Betreiber des größten Cloud-Servers der Welt. Zu Amazon gehören eine Bio-Supermarktkette mit 431 Filialen und 15 Buchläden.

Man könnte eine ähnliche Liste über Google erstellen: Suchmaschine mit bis zu 90 Prozent Marktanteil, Betreiber von Youtube, Anbieter von Handy-Betriebssystemen, Hersteller von autonom fahrenden Autos. Oder Facebook: größtes soziales Netzwerk mit über zwei Milliarden Mitgliedern, Marktplatz für Kleinanzeigen, Kurator von Presseartikeln und der öffentlichen Meinung, Betreiber von Whatsapp und Instagram. Allein Google und Facebook beherrschen ein Viertel des Werbemarkts.

Die Herrschaft der Tech-Giganten ist global, wachsend und paradox: Denn ihre Produkte und ihr Service enttäuschen nicht, im Gegenteil. Diese Konzerne wetteifern darum, Kunden den besten Nutzen zu bieten. Dennoch gelten sie immer öfter als BAADD: Das Akronym stammt vom „Economist“ und steht für: big, anti-competitive, addictive und destructive to democracy.

Der Expansionsdrang in immer neue Märkte und Lebensbereiche hat Spuren hinterlassen: Viele Start-ups und Wettbewerber haben keine Chance mehr – was der Innovationskraft der Wirtschaft schadet.