KolumneDas Ende der Eurokrise

Maschinenbau
Die Konjunktur zieht an, davon profitiert auch der Maschinenbau
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Woran erkennt der Optimist, dass er die Debatte gewonnen hat? Ganz einfach. Wenn die Pessimisten statt auf die Frühindikatoren der Wirtschaft immer mehr auf die noch miserable Lage am Arbeitsmarkt verweisen. Damit haben sie zwar Recht. Aber der Arbeitsmarkt folgt nun mal der Konjunktur mit einem Abstand von rund neun Monaten. Erst wenn die Unternehmen bereits wieder mehr verkaufen, stellen sie neue Arbeitnehmer ein.

Und wer im Euroraum genau hinschaut, sieht auch am Arbeitsmarkt bereits die Wende. Selbst in Spanien, Portugal, Irland und Griechenland hat die Beschäftigung Ende 2013 wieder zugenommen. Auch dies zeigt: Der Trend stimmt, die große Krise ist vorbei.

Holger Schmieding
Holger Schmieding ist Chefvolkswirt der Berenberg Bank

Insgesamt zeichnen die Wirtschaftsdaten ein halbwegs erfreuliches Bild für die Eurozone. Der einst so krasse Gegensatz zwischen starkem Kern und schwachem Rand hat sich weitgehend aufgelöst. In Kerneuropa finden wir einige Länder, die wie Deutschland bereits recht gut dastehen, während andere wie Frankreich und die Niederlande aufgrund hausgemachter Probleme noch hinterher hinken. An der Peripherie vermelden Spanien, Portugal und Irland bereits seit dem Herbst 2013 beeindruckende Erfolge, während Griechenland und Italien erst in den letzten Monaten die Wende geschafft haben.

Binnennachfrage zieht an

Auch der Kontrast zwischen anziehender Ausfuhr und rückläufiger Binnennachfrage, der in großen Teilen des Euroraumes bis weit in das Jahr 2013 hinein das Wirtschaftsgeschehen geprägt hatte, lässt sich in den Daten nicht mehr erkennen. In Deutschland ist die Binnennachfrage kräftig angesprungen, getragen von mehr Investitionen und einem lebhafteren privaten Verbrauch.

Selbst an der arg gebeutelten Peripherie kommt die Binnennachfrage aus dem Tal der Tränen heraus. Denn die meisten Staaten haben ihre Sparziele weitgehend erreicht. Sie müssen ihre Bürger nicht mehr durch weitere drastische Steuererhöhungen belasten.  Mit Ausnahme Frankreichs haben diese Staaten auch ihre Ausgaben mittlerweile im Griff.

Die aktuelle Entwicklung in der Eurozone lässt sich mit einem Wort beschreiben: normal. Moderates und breit gefächertes Wachstum. Einige Folgekosten der Krise werden uns allerdings noch für längere Zeit beschäftigen. So ist die staatliche Schuldenquote im Euroraum von 66 Prozent der Wirtschaftsleistung Ende 2007 auf 93 Prozent Ende 2013 hochgeschnellt. Im Vergleich zu den staatlichen Schuldenorgien in den USA mit einem Anstieg um 40 Punkte (von 64 Prozent auf 104 Prozent) und in Großbritannien mit einem Anstieg um 47 Punkte (von 44 Prozent auf 91 Prozent) hat sich der Euroraum aber gar nicht so schlecht geschlagen.

Chance für nachhaltiges Wachstum

Krisen tun weh. Sie sind aber auch Zeiten des Wandels. Unter dem Druck der Krise haben die Randländer der Eurozone einen Spar- und Reformkurs absolviert, der weit über die deutsche Erfolgsagenda 2010 hinausgeht. Sie hatten es auch bitter nötig. Aber die Chancen stehen gut, dass sie künftig ein nachhaltiges Wachstum erleben können, dass auf mehr Arbeitsplätzen in der Privatwirtschaft statt auf mehr Staatsausgaben oder, wie einst in Spanien und Irland, vor allem auf einem übertriebenen Immobilienboom beruht.

Sofern nicht ein Schock von außen, beispielsweise ein russischer Angriff auf die Ukraine, unseren Aufschwung stört, können wir in weiten Teilen des Euroraumes bald die Erfolge der Reformen genießen.