KolumneDas Debakel des Eon‑Vorstands

Bernd Ziesemer© Martin Kess

Bernd Ziesemer ist Capital-Kolumnist. Der Wirtschaftsjournalist war von 2002 bis 2010 Chefredakteur des Handelsblattes. Anschließend war er bis 2014 Geschäftsführer der Corporate-Publishing-Sparte des Verlags Hoffmann und Campe. Ziesemers Kolumne erscheint jeden Montag auf Capital.de. Hier können Sie ihm auf Twitter folgen.


Die Börse hat ihre Entscheidung längst gefällt: Seit Monaten entwickelt sich die Eon-Aktie schlechter als der Dax – und vor allem deutlich schlechter als der ewige Rivale RWE. Dabei geht es nicht um kurzfristige Kurszuckungen, sondern um die langfristige Bewertung der beiden Konzerne. Oder anders gesagt: Die Aktionäre stimmen in ihren Depots per Mausklick gegen die Strategie von Eon – und für die Strategie von RWE.

Der große Unterschied zwischen beiden Konzernen: Die RWE AG gliederte ihr profitables Geschäft mit erneuerbaren Energien und Übertragungsnetzen in die Tochter Innogy aus, brachte einen 25-Prozent-Anteil Anfang Oktober erfolgreich an die Börse und verschaffte sich so eine dringend notwendige Kapitalzufuhr von 5 Mrd. Euro. Eon trennte dagegen die konventionellen Kraftwerke unter dem Namen Uniper ab und verteilte die neuen Aktien an die Altaktionäre. Einnahmen aus dieser Operation: Null Euro.

Investoren sind verärgert über Eon

Vor allem die institutionellen Anleger halten die Eon-Strategie inzwischen fast unisono für einen kapitalen Fehler. Das „Wall Street Journal“ berichtete in der vergangenen Woche über die Verärgerung vieler Fonds und Kapitalgesellschaften. Sie gehen davon aus, dass Eon bald neues Kapital aufnehmen muss, um die Belastungen aus dem Rückbau seiner Atomkraftwerke zu bewältigen. Beim jetzigen Aktienkurs, dem niedrigsten der ganzen Konzerngeschichte, käme das einem Offenbarungseid gleich.

E.ON Aktie

E.ON Aktie Chart
Kursanbieter: L&S RT

Alternativ könnte Eon Teile seines Konzerns verkaufen – zum Beispiel das Stromnetz in Deutschland. Doch damit würde der Essener Konzern eine stabile Gewinnquelle abstoßen – und langfristig noch mehr in die Bredouille kommen. Trotzdem kann man nach Meinung vieler Experten nicht mehr ausschließen, dass Eon diesen Weg gehen muss. Der Aktie wird es nicht guttun.

Dabei standen amerikanische Investoren, angeblich sogar der legendäre Warren Buffett, zur Übernahme von Uniper bereit. Das „Wall Street Journal“ berichtete, der US-Vermögensverwalter Knight Vinke habe im August einen entsprechenden Deal vorgeschlagen. Doch Eon-Chef Johannes Teyssen lehnte nach kurzen Gesprächen ab, weil ihm die Bewertung zu niedrig war und hohe Abschreibungen auf den Firmenwert drohten. So bekommt der glücklose Manager auf lange Sicht erst einmal gar nichts.

Wer bremst Teyssen?

Die falsche Strategie könnte sich in den nächsten Monaten zu einem Desaster für den Eon-Vorstand ausweiten – je nachdem wie die Atomverhandlungen mit der Bundesregierung ausgehen. Es gibt jedenfalls keine Anzeichen dafür, dass Teyssen noch eine neue Idee aus dem Hut zaubern könnte, um die Kapitalbasis seines Konzerns zu stärken. Der Aufsichtsrat lässt den umstrittenen Manager schon viel zulange vor sich hin werkeln, obwohl die Liste seiner falschen Entscheidungen lang ist.

Eine Mitschuld trägt ein Mann, der in der deutschen Wirtschaft eigentlich einen untadeligen Ruf genießt: Der langjährige Eon-Aufsichtsratsvorsitzende und frühere Bayer-Chef Werner Wenning. Der Multi-Aufseher segnet die Teyssen-Strategie im letzten Jahr ab, machte sich dann aber aus dem Staub. Jetzt wacht sein Nachfolger Karl-Ludwig Kley über den Konzern – eine Aufgabe, um die ihn niemand beneidet.

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