IdeenschmiedeCurevac – Impfstoff aus dem Drucker

Elon Musk (M) im vergangenen Jahr bei einem Besuch bei Curevac. Der RNA Printer ist eine gemeinsame Entwicklung der Pharmafirma und der Tesla Grohmann Automationdpa

Wenn Florian von der Mülbe darüber spricht, wie das Pharmaunternehmen Curevac die Impfstoffherstellung revolutionieren will, greift der Produktionsvorstand gerne zum „Ei“. Das ovale Stück Metall, groß wie eine Hand, ist das wichtigste Bauteil einer Anlage, mit der Curevac künftig Impf- und Wirkstoffe flexibler herstellen möchte.

Als sich in Deutschland jenseits von Fachkreisen nur wenige für Impfstoffe interessierten, forschte Curevac nach der Gründung im Jahr 2000 bereits an neuen Technologien für Biopharmazeutika. Von der Mülbes Mitgründer Ingmar Hoerr entdeckte die Botenstoff-RNA (mRNA) als Basis für Impfstoffe und Therapeutika, etwa in der Krebsmedizin. Als weltweit erste Firma begann Curevac mit der Entwicklung von mRNA-Impfstoffen – noch vor Biontech und Moderna, durch deren Vakzine gegen Covid-19 die Technologie nun in aller Munde ist.

Für den eigenen Impfstoff, bei dem Curevac auch mit dem Pharmariesen Bayer kooperiert, rechnet die Firma mit einer Zulassung im zweiten Quartal. Doch die Zulassung ist das eine. Der „Flaschenhals“ sei in der aktuellen Phase vor allem die Produktion, sagt Vorstand von der Mülbe. „Das große Thema ist es, innerhalb kurzer Zeit viele Millionen Dosen Impfstoff herzustellen.“

Der Drucker von Curevac kann weltweit eingesetzt werden

In Tübingen haben sie daher nicht nur früh eine große Fabrik gebaut. 2015 gab von der Mülbe einem Projektteam auch auf, eine Methode zu entwickeln, mit der in kleinerem Maßstab schnell produziert werden kann – mit einer Art Drucker. Dafür verbündete sich Curevac mit dem Maschinenbauer Grohmann, der später von Tesla gekauft wurde. Die globale Impfstoffstiftung Cepi förderte die Entwicklung mit 30 Mio. Euro. 2019 wurde der Printer als Patent angemeldet.

Ähnlich wie bei 3D-Druckern geben die Forscher das Rezept für einen Impfstoff oder ein Medikament aus mRNA-Molekülen ein, das dann im „Ei“ der Maschine produziert wird. Mit der Minifabrik lassen sich extrem kleine, sogar auf einzelne Patienten zugeschnittene Chargen herstellen, aber auch Hunderttausende Dosen in kurzer Zeit.

„Ich kann mir eine Welt vorstellen, in der jedes große Krankenhaus eine solche Anlage hat“

Florian von der Mülbe

In den Curevac-Laboren wird gerade ein Prototyp des mRNA-Printers installiert. Wenn alle Genehmigungen vorliegen, will von der Mülbe bis Jahresmitte ein erstes Produkt auf dem Drucker herstellen, wenngleich nicht den Corona-Impfstoff. Schon bald könnten die Maschinen, die so groß wie ein Auto und leicht transportierbar sind, weltweit zum Einsatz kommen – auch in Entwicklungsländern, wo eine dezentrale Produktion aufwendige Kühlketten überflüssig machen würde.

Die Erfindung aus Tübingen könnte dann nicht nur im Kampf gegen die nächste Pandemie oder regionale Ausbrüche noch unbekannter Infektionskrankheiten helfen. Sie ermöglicht auch neue, individuelle Therapien, etwa in der Onkologie. Von der Mülbes Vision: „Ich kann mir eine Welt vorstellen, in der jedes große Krankenhaus eine solche Anlage hat.“