InterviewBurkhard Weller über seine erste Million

Wie kamen Sie auf die Idee, Autohändler zu werden?

Mein Vater hatte einen Simca-Handel. Auch wenn das nicht lange gut ging – Simca ging ja den Bach runter –, war mir klar, dass ich so was auch machen wollte. Also habe ich beim Opel-Autohaus Hagemann in Bielefeld eine Lehre angefangen.

Was ist das Geheimnis eines guten Verkäufers?

Man muss hartnäckig sein, dran bleiben, nicht aufgeben. Das habe ich bei Schrauben-Würth gelernt. Für Würth bin ich fünfeinhalb Jahre als Vertreter über die Dörfer gefahren. Da gab es einen Schmied, der wollte erst gar nicht mit mir reden. Da bin ich sechsmal mit meinem Musterkoffer hin, bis ich den ersten Auftrag hatte: für 400 D-Mark Sägeblätter und Schleifpapier. Danach wurde er ein treuer Kunde.

Und wer Schrauben verkaufen kann, kann alles verkaufen?

Würth war für mich die beste Schule, die ich haben konnte. Ich bewundere Reinhold Würth noch heute und sitze in seinem Kundenbeirat. Die Atmosphäre in diesem Unternehmen ist einzigartig.

„An den Autos war einfach nichts zu reparieren“

Nach der Zwischenstation haben Sie sich dann mit 25 Jahren als Autohändler selbstständig gemacht. Warum mit Toyota?

Das waren die Einzigen, die mich genommen haben. Als ich mich bei Opel vorstellen wollte, bin ich noch am Pförtner vorbeigekommen, bei VW nicht mal das.

Capital 03/2017
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Toyotas zu verkaufen war 1979 sicher auch nicht einfach. Die Autos waren nicht gerade aufregend.

Die Autos hatten zwei Vorteile: ­billig und unkaputtbar. Unsere Werkstattmitarbeiter standen den halben Tag rum. An den Autos war einfach nichts zu reparieren.

Für ein Autohaus kein gutes Geschäftsmodell. Kommt der Gewinn nicht vor allem aus der Werkstatt?

Nicht bei Toyota. Die haben immer darauf geachtet, dass man als Händler ordentlich verdient, selbst wenn die Marke hier Verlust gemacht hat.

Sie haben den Ruf, von Ihren Mitarbeitern viel zu verlangen.

Ja, aber ich achte auch darauf, dass die Work-Life-Balance stimmt. Hier gibt es eine Regel: Die „Tagesschau“ wird zu Hause geschaut.

Sie sind heute der größte BMW-Händler in Deutschland und eine große Nummer bei VW und Audi. Wann wussten Sie, dass Sie die erste Million zusammenhatten?

In den ersten zehn Jahren gab es noch viele Momente, da dachte ich, das kann auch schiefgehen. Mit 40 habe ich dann das erste Segelboot gekauft. Und weil ich privat noch nie Schulden gemacht habe, war es mir dann klar.

„Ich mache jedes Jahr eine Woche länger Urlaub“

Was gönnen Sie sich heute? Mit 62 Jahren könnten Sie ja auch langsam etwas kürzertreten.

Ich mache jedes Jahr eine Woche länger Urlaub. Auf meinem Segelboot. Nur da kann ich wirklich abschalten. Ich segele, seit ich sechs bin. Die Schule ist mir schwer­gefallen. Da war das Segeln der ideale Ausgleich.

Sie engagieren sich für Jugendliche aus schwierigen Verhältnissen, denen Sie einen Ausbildungsplatz geben. Was machen Sie konkret?


In unserem Programm „Weller Chance“ bilden wir aktuell 47 Jugendliche aus. Voraussetzungen sind Migrationshintergrund und kein Schulabschluss. Die dürfen sogar mal mit dem Gesetz in Konflikt gekommen sein. 80 Prozent von denen schließen ihre Lehre erfolgreich ab. Damit ist die Quote nicht schlechter als bei den anderen 440 Auszubildenden.

Warum machen Sie das?


Wenn wir das nicht hinbekommen, wer denn sonst? Ich hatte gehofft, dass sich mehr Nachahmer finden. Wir haben auch zwölf Flüchtlinge eingestellt.

Das ist mehr als manches Dax-Unternehmen.

Ja, leider.


Burkhard Weller, 62, eröffnete 1979 in Osnabrück sein erstes Autohaus. Mittlerweile verkauft die Wellergruppe an 15 Standorten 55.000 Neu- und Gebrauchtwagen pro Jahr, macht über 1 Mrd. Euro Umsatz und zählt mit 2100 Beschäftigten zu den fünf größten Autohändlern in Deutschland.


Meine erste Million erscheint monatlich in Capital. Weitere Folgen: Sipgate-Chef Tim Mois, TV-Entertainer Eckart von Hirschhausen, Filmregisseur Roland Emmerich, Schriftstellerin Cornelia Funke, Immobilienunternehmer Christian Völkers, Rapper Samy Deluxe, Schiffscontainerhändler Ian Karan, Filmproduzentin Regina Ziegler, Start-up-Investor Morten Lund, Vaude-Gründer Albrecht von Dewitz, Trigema-Chef Wolfgang Grupp, Ex-Manager Jan Bredak, Investor Frank Thelen, Vermögensverwalter Gottfried Heller, Reiseunternehmerin Jasmin Taylor, Ex-Rennfahrer Niki Lauda, Promi-Wirt Michael Käfer, Erlebnisunternehmer Jochen Schweizer, Internetunternehmer Fabian Heilemann, Modedesignerin Jette Joop, Scanhaus-Chef Friedemann Kunz, Lichtblick-Gründer Heiko von Tschischwitz und Xing-Gründer Lars Hinrichs.

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