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Nobelpreis Bernanke, Diamond, Dybvig: Das sind die drei Wirtschaftsnobelpreisträger

Ben Bernanke, Douglas Diamond Philip Dybvig erhalten in diesem Jahr den Nobelpreis für Wirtschaft
Ben Bernanke, Douglas Diamond Philip Dybvig erhalten in diesem Jahr den Nobelpreis für Wirtschaft
© IMAGO/TT
Die US-Ökonomen Ben Bernanke, Douglas Diamond and Philip Dybvig sind heute mit dem Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften ausgezeichnet worden. Dank ihrer Forschung wissen wir heute, wie wichtig Banken sind und wie sie reguliert werden müssen

„Bail Out People! Not Banks!“ riefen die Demonstranten zu Zeiten der Finanzkrise in den USA. Auf Deutsch: „Rettet die Menschen, nicht Banken“. Denn ausgerechnet die Banken, die 2008 die Weltwirtschaft gegen die Wand gefahren haben, sollten nun auch noch mit dem Geld der Steuerzahler unterstützt werden, die Opfer der Krise waren.  

Dennoch sprechen sich noch heute viele Ökonomen dafür aus, Banken zu retten. Denn Banken sind systemrelevant. Ohne sie gibt es keine Kredite an von der Krise betroffene Unternehmen. Ohne sie gibt es keine Infos über die Kreditwürdigkeit der Schuldner und damit keine günstigen Zinsen. Ja, ohne Banken könnten Krisen noch sehr viel teurer werden. Daher braucht es Regeln, die dafür sorgen, dass Banken am besten gar nicht erst in eine Krise geraten.   

Heute wurden drei Ökonomen mit dem Nobelpreis ausgezeichnet, deren Forschung dazu beigetragen hat, dass wir wissen, wie wichtig Banken für die Entstehung und Entwicklung von Wirtschaftskrisen sind, und wie sich Banken so regulieren lassen, dass das Bankensystem krisenfester wird. Die Ausgezeichneten sind der ehemalige Fed-Chef Ben Bernanke, der Chicagoer Professor Douglas Diamond und der Professor Philip Dybvig von der Washington University in St. Louis.  

Strauchelnde Banken verschlimmern Wirtschaftskrisen

Bernanke wurde ausgezeichnet für ein Forschungspapier, in dem er die Rolle der Banken in der Finanzkrise der 1930er-Jahre untersuchte. Viele Menschen ließen sich damals in Panik ihr Geld auszahlen, dass sie auf der Bank hatten. Sie hatten Sorge, dass diese pleite gehen würden. Die Banken trauten sich also nicht mehr, Kredite zu vergeben, weil sie ihre Einlagen schnell verfügbar haben mussten. Infolgedessen gab es auch weniger Kredite an Unternehmen, wodurch die Krise sich verschlimmerte. So verschärften die Banken die Wirtschaftskrise immer weiter.  

Vor Bernankes Forschung gingen die meisten Ökonomen davon aus, dass Bankenkrisen die Folge einer Rezession waren, nicht, dass sie die Krise selbst noch verschlimmerten.  

Auch die beiden ausgezeichneten Ökonomen, Diamond und Dybvig haben schon zu Bank-Runs geforscht. Sie entwickelten gemeinsam das sogenannte Diamond–Dybvig-Modell, das, verkürzt formuliert, den Bankenansturm von Menschen in Finanzkrisen erklärt.

Den Nobelpreis bekamen sie aber vor allem für ihre Forschung, die zeigt, wie wichtig Banken als Vermittler zwischen Sparern und Kreditnehmern sind. Denn die Sparer wollen möglichst immer auf ihr Geld zugreifen können, die Kreditnehmer aber wollen erst nach einigen Jahren ihr Geld zurückzahlen. Gemeinsam entwickelten sie auch das sogenannte Diamond–Dybvig-Modell, das, verkürzt formuliert, den Bankenansturm von Menschen in Finanzkrisen erklärt.

Ihre Arbeit wurde aber auch gewürdigt, weil sie zeigt, wie destabilisierend Bank Runs sind. Daher ist heute bekannt, dass Einlagensicherungen ein wichtiges Instrument gegen Krisen sind.  

Forschung hilft, Finanzkrisen zu vermeiden

In Deutschland beispielsweise sichert der deutsche Staat einem Bankkunden 100 000 Euro seiner Einlagen bei der Bank zu, auch wenn diese pleite geht. Durch diese Sicherheit verfallen Bankkunden in einer Finanzkrise nicht so schnell in Panik und wollen sofort ihr Geld abheben, was die Krise bekanntermaßen zusätzlich verschärfen würden.  

Douglas Diamond wurde darüber hinaus noch für eine Arbeit geehrt, in der er zeigt, dass Banken durch ihr Wissen über ihre Gläubiger die Wahrscheinlichkeit von Unternehmenspleiten reduzieren. Durch ihre Informationen wissen sie, ob Investitionen lohnend sind oder nicht.  

Die drei Ökonomen haben den Grundstein gelegt für weitere Forschung über Wirtschaftskrisen und die Rolle von Banken. „Die Erkenntnisse der Preisträger haben unsere Fähigkeit verbessert, sowohl schwere Krisen als auch teure Rettungsaktionen zu vermeiden“, sagt Tore Ellingsen, Vorsitzender des Komitees für den Wirtschaftsnobelpreis.  

Ein Hinweis noch an alle, die Banken immer noch skeptisch gegenüberstehen: Dass Bankenrettungen den Staat so viel kosten, wie in Deutschland ist nicht unbedingt normal. Die USA retteten in der Finanzkrise 2008/09 hunderte Banken und veräußerten ihre Beteiligungen Jahre später mit einem zweistelligen Milliardengewinn.

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