NobelpreisDeutsche Ökonomen loben Nobelpreis-Trio

Zusammen mit Abhijit Banerjee und Michael Kremer ist Ökonomin Esther Duflo mit dem Nobelpreis für Wirtschaft ausgezeichnet worden – und zwar als jüngste Preisträgerin der Geschichte
Zusammen mit Abhijit Banerjee und Michael Kremer ist Ökonomin Esther Duflo mit dem Nobelpreis für Wirtschaft ausgezeichnet wordendpa

Mit ihrer Forschung wollten sie globale Armut erforschen – und schlugen dabei mit qualitativen Feldexperimenten einen neuen Weg der Entwicklungsforschung ein. Nach knapp zwei Jahrzehnten wurden Esther Duflo, Abhijit Banerjee und Michael Kremer dafür mit dem Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften ausgezeichnet.

Die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften begründete ihre Entscheidung damit, dass die Arbeit der drei die Fähigkeit zur Armutsbekämpfung verbessert habe. Duflo ist damit die zweite und mit 46-Jahren auch die jüngste Preisträgerin, die mit dem Wirtschaftspreis je ausgezeichnet wurde.

Lob aus Deutschland

Auch aus Deutschland gab es für das Nobelpreis-Trio viel Lob. „Esther Duflo war bereits im Jahr 2018 für mich die Favoritin für den Nobelpreis“, sagte Christoph M. Schmidt, Vorsitzender der fünf Wirtschaftsweisen und Präsident des RWI–Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung. Er hob dabei vor allem die Forschungsmethode der randomisierten Feldexperimente hervor. Sie hätten die drei „auf bemerkenswerte Weise weiterentwickelt“.

Ziel der Feldexperimente ist es, die Auswirkungen politischer Maßnahmen zu ermitteln. Dazu teilen die Forscher Menschen in mehrere Gruppen mit leicht unterschiedlichen Lebensbedingungen ein und erforschen so die Auswirkungen politischer Maßnahmen. „Damit leisten Forscherinnen und Forscher wie Esther Duflo, Abhijit Banerjee und Michael Kremer einen wichtigen Beitrag zu evidenzbasierter Politik“, so Schmidt.

Gabriel Felbermayr Präsident des Instituts für Weltwirschaft Kiel (IfW) lobte das Vorgehen der drei Ökonomen ebenfalls: „Die drei Preisträger haben die Entwicklungsforschung auf eine ganz neue qualitative Ebene gebracht mit innovativer Theorie und neuen Konzepten.“ Durch die Experimente hätten sie „die Entwicklungsökonomik zu einer empirischen Wissenschaft gemacht, die so vom Rand ins Zentrum der Volkswirtschaftslehre gerückt ist.“ Banerjee hatte 2014 bereits den Berhnhard-Harms-Preis des Instituts erhalten

Experimente zu Mikrokrediten und Schulbüchern

Armut zu verstehen, um sie dann zu bekämpfen, lautet das Ziel der Preisträger. Seit Mitte der 1990er arbeiten die drei am Massachusetts-Institut für Technologie (MIT). 2003 gründeten Banerjee und Duflo dort „Poverty Action Lab“, das die beiden auch heute noch leiten.

In ihrer Forschung zeigten Duflo und Banerjee dabei bisher, dass die in der Entwicklungspolitik beliebten Mikrokredite doch nicht so erfolgsversprechend sind wie gedacht. Bei Bildungsmaßnahmen der Entwicklungszusammenarbeit stellte das Trio dagegen fest, dass erhöhte Ausgaben für Schulbücher weniger effizient sind als Ausgaben in die Gesundheit der Schüler.

Der Nobelpreis für Wirtschaft wurde 1969 zum ersten Mal verliehen. Er ist der einzige Preis, der nicht auf dem Testament von Alfred Nobel beruht. Stattdessen stiftet ihn die Schwedische Reichsbank. Bislang war nur ein Deutscher unter den Preisträgern: 1994 erhielt der Bonner Wissenschaftler Reinhard Selten die Auszeichnung zusammen mit John Nash und John Harsanyi für ihren Beitrag in der Spieltheorie.