ExklusivBenko will Karstadt Kaufhof weiter unterstützen

Nach langen Verhandlungen ist der Kaufhaus-Deal unter Dach und Fach: Kaufhof und Karstadt schließen sich zusammen
Karstadt Kaufhof wird von der Coronakrise schwer getroffen. Nun flüchtet der Handelskonzern in ein Schutzschirmverfahrendpa

Der Eigentümer der Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof, die Signa-Gruppe von René Benko, will den angeschlagene Konzern auch im anstehenden Schutzschirmverfahren weiter unterstützen. Wie Capital aus Unternehmenskreisen erfuhr, stellt der österreichische Immobilieninvestor kurzfristig 140 Mio. Euro frisches Kapital zur Verfügung. Darüber hinaus habe Benko heute in einer Sitzung des Aufsichtsrates angekündigt, am Fortbestand des Unternehmens festzuhalten. Der Investor sei auch bereit, in Zukunft weiteres Kapital zur Verfügung zu stellen, heißt es in Unternehmenskreisen weiter.

Die Warenhauskette hatte am Nachmittag angekündigt, wegen der massiven Umsatzausfälle infolge der Coronakrise ein Schutzschirmverfahren zu beantragen. Bis zuletzt hatte die Konzernspitze mit ihren Hausbanken um eine Lösung gerungen, um den Weg für Staatshilfe frei zu machen. Im Gespräch war ein Kredit von rund 800 Mio. Euro. Nach Informationen von Capital waren die Hausbanken des Warenhauskonzerns allerdings nicht bereit, einen Teil der Kreditrisikos zu übernehmen. Das Hilfsprogramm der Bundesregierung sieht vor, dass die Hausbanken bei Krediten der bundeseigenen KfW bis zu 20 Prozent des Ausfallrisikos tragen. Die als Konsortialführer vorgesehene Commerzbank habe allerdings „horrende Zinsen und Sicherheiten“ verlangt, sagte ein Unternehmensinsider.

Als vorläufiger Sachwalter wurde vom Amtsgericht Essen der Düsseldorfer Insolvenzverwalter Frank Kebekus eingesetzt. Es werde erwartet, dass der bisherige KarstadtKaufhof-Chef Stephan Fanderl, der zuletzt im Urlaub weilte, nicht mehr ins Unternehmen zurückkehrt, heißt es weiter.

In Branchenkreisen war schon in den vergangenen Tagen die Rede davon gewesen, dass das Handelsunternehmen parallel zu den Verhandlungen über Staatshilfe auch die Möglichkeiten eines Schutzschirmverfahrens auslotet. Allerdings war das Management davon ausgegangen, eine Lösung mit den Hausbanken zu finden. Dass ausgerechnet die Commerzbank, an der der Bund seit der Finanzkrise 2009 als Minderheitsaktionär beteiligt ist, eine Übernahme des restlichen Kreditrisikos abgelehnt hat, könnte darauf hindeuten, dass auch in anderen Fällen die Bereitschaft der Hausbanken zu einer Beteiligung an den KfW-Rettungskrediten zu einem Problem werden könnte.

Das Geschäft von Galeria Karstadt Kaufhof leidet derzeit massiv unter den Maßnahmen, die Bund und Länder gegen die rapide Ausbreitung des Coronavirus beschlossen haben. So dürfen in den Filialen nur die Lebensmittel- und Drogerieabteilungen geöffnet sein. Allerdings machen Warenhäuser einen erheblichen Teil ihres Umsatzes mit Mode und anderen Artikeln, die aktuell nicht verkauft werden können.

Schon vor dem Ausbruch der Coronakrise hatte der Konzern, der 2018 durch eine Fusion unter der Regie von Benkos Signa-Gruppe entstanden ist, unter großen Problemen gelitten. 2019 verbuchte der Gesamtkonzern nach eigener Darstellung einen Verlust in dreistelliger Millionenhöhe. Allein Kaufhof häufte demnach in den vergangenen vier Jahren sogar einen kumulierten Verlust von 600 Mio. Euro an.