Krypto 5 Mythen über die Blockchain

Symbolbild: Blockchain
Symbolbild: Blockchain
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Alle reden über Bitcoin, Krypto und Co. - doch dabei wird vieles durcheinandergebracht. Das sind die fünf gängigsten Irrtümer über die Blockchain-Technologie

Kennen Sie jemanden, der Bitcoin besitzt, oder sind Sie vielleicht selbst auf den Krypto-Hype aufgesprungen? Bestimmt haben Sie schon viele Schlagzeilen zu Kryptowährungen gelesen – vom neuen Heilsbringer bis hin zur nächsten Spekulationsblase. Sicher haben Sie auch schon etwas von der Blockchain gehört, wissen, dass sie irgendwie mit Kryptowährungen zusammenhängt, etwas mit Computern und Mathematik zu tun hat und dementsprechend extrem kompliziert ist.

Da liegen Sie vollkommen richtig! Und da das Thema eben so kompliziert ist, sind einige Erklärungen oft missverständlich - oder auch geradezu falsch. Daher wollen wir hier mal mit den fünf gängigsten Irrtümern über die neue Technologie aufräumen:

Mythos #1: „Bitcoin und Blockchain sind das Gleiche.“

Bitcoin und Blockchain werden häufig in einem Atemzug erwähnt, manchmal sogar synonym verwendet, und das ist auch nicht weiter verwunderlich. Schließlich wurde die Blockchain-Technologie erstmals von dem bis heute nur unter dem Pseudonym Satoshi Nakamoto bekannten Bitcoin-Erfinder genau beschrieben. Aber auch wenn beide Begriffe eng zusammenhängen – sie sind nicht das Gleiche. Denn die Blockchain ist die Technologie hinter der Kryptowährung Bitcoin. Diese Technologie sorgt dafür, dass Transaktionen in einem Rechnernetzwerk von vielen verschiedenen Teilnehmern bestätigt werden und verwendet dazu komplexe Rechenmechanismen, die man Proof-of-Work nennt. Als Entlohnung für die Durchführung dieser komplexen Rechenmechanismen erhält der erfolgreiche Teilnehmer eine Vergütung in einer Kryptowährung, wie beispielsweise Bitcoin. Bitcoin ist also genaugenommen das Produkt der Blockchain, allerdings auch ihr Ursprung – ein Henne-Ei-Problem.

Mythos #2: „Es gibt nur eine Blockchain.“

Das stimmt so nicht! Zugegeben, wenn von „der“ Blockchain die Rede ist, geht es meist um die Technologie hinter Bitcoin. Allerdings gibt es neben Bitcoin auch diverse andere Kryptowährungen wie Ether, die ebenfalls auf Varianten der Technologie basieren. Theoretisch kann nämlich jeder eine Blockchain aufsetzen (oder einen vorhandene nutzen) und einen eigenen Token erfinden – wie es in den letzten Monaten durch sogenannte ICOs (Initial Coin Offerings) auch häufig geschehen ist. Es braucht allein Computer, Programmierfähigkeiten, sowie ein Netzwerk von Leuten, das sich beteiligt und dem Token einen Wert beimisst. Da es sowohl öffentliche, als auch private Blockchains für einen begrenzten Teilnehmerkreis gibt, kann also nur geschätzt werden, wie viele existieren – mehr als eine einzige sind es in jedem Fall.

Mythos #3: „Die Blockchain ist unhackbar.“

Ein Motto unter Hackern lautet: „Everything is hackable“. Oft liest man jedoch von der enormen Sicherheit der Blockchain und davon, dass eine Manipulation fast unmöglich sei – aber eben nur fast. Ja, durch Kryptographie und Dezentralisierung ist die Technologie sehr sicher, das stimmt. Es gibt allerdings bereits einige Fälle, in denen es Hackern gelang, die Blockchain zu manipulieren und damit Geld zu erbeuten. Dass das möglich ist, liegt unter anderem an der demokratischen Grundstruktur der Technologie. Besitzt man mehr als 50 Prozent des an der Validierung von Transaktionen beteiligen Rechnernetzwerks, so ist es möglich, falsche Bestätigungen vorzunehmen. Dafür ist natürlich ein enormer Ressourcenaufwand nötig, der es somit wirtschaftlich meist unsinnig macht – die theoretische Möglichkeit besteht aber dennoch.

Mythos #4: „Die Blockchain ist ein Umweltkiller.“

Die Blockchain als Energiefresser? Da ist was dran, aber nicht zwangsläufig. Häufig ist zu lesen, dass ‚Mining’, also das Bilden eines neuen Blocks aus bestätigten Transaktionen in der Datenkette, enorme Rechenleistung und damit viel Energie benötigt. Das ist richtig, aber eben nur für Blockchains, die auf den beschriebenen Proof-of-Work-Mechanismus setzen. Der sogenannte Proof-of-Stake-Mechanismus, bei dem Transaktionen nicht durch denjenigen bestätigt werden, der erfolgreich die aufwändigen Berechnungen durchgeführt hat, sondern durch denjenigen, der wertmäßigen den größten Anteil am Netzwerk hat, ist deutlich energiesparender und gewinnt zunehmend an Popularität. Die Nutzung einer Blockchain muss also nicht zwangläufig eine schlechte Ökobilanz nach sich ziehen.

Mythos #5: „Die Blockchain wird die Welt revolutionieren und ganze Branchen abschaffen.“

Eindeutig: Jein. Die Idee hinter Bitcoin ist so einfach, wie revolutionär: „Cut out the middleman“. Es geht darum, wenig Wert schaffende Intermediäre abzuschaffen, Verantwortung und Zuständigkeiten zu dezentralisieren und Menschen zu befähigen, direkt Transaktionen miteinander vorzunehmen. Eine solche Abschaffung von Mittelsmännern würde manche Banker, Notare und viele weitere Berufsgruppen überflüssig machen. Allerdings ist diejenige Branche, die sich wohl am intensivsten mit der Blockchain-Technologie auseinandersetzt, tatsächlich die Bankenbranche. Und während die Ursprungsidee des Erfinders der Blockchain eine öffentliche, dezentrale und demokratisierende Technologie zur Veränderung des herrschenden Systems darstellte, entwickeln nun ausgerechnet Banken Wege, diese Technologie zu privatisieren und sie für die Verbesserung ihrer internen Prozesse zu verwenden. Dabei gilt das Motto: Effizienz statt Ideologie. Eine wirkliche Revolution, so zumindest der aktuelle Stand, ist da bisher ausgeblieben.

Die Technologie ist also nicht nur ein Thema für Nerds und Technikversessene, ganz im Gegenteil. In der Wirtschaft ist es die Herausforderung, sich frühzeitig über die grundlegende Funktion und die generellen Auswirkungen der Technologie auf den eigenen Markt klar zu werden. Im nächsten Schritt sollte man sie mit dem eigenen Geschäftsmodell in Bezug setzen, um mögliche Risiken, aber auch Potentiale zu bestimmen. Denn – und das ist sicherlich kein Mythos – das Potential der Technologie ist noch lange nicht ausgeschöpft und wer sich zuerst öffnet, kann die neuen Marktstrukturen zu eigenen Gunsten formen.


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