Die Stunde Null „Wasserstoff wird einer der spannendsten Energiemärkte überhaupt”

Ein Aggregat zur Hochtemperatur-Elektrolyse zur Wasserstoffherstellung mit geöffneten Klappen vor blauem Himmel
Ein Aggregat zur Hochtemperatur-Elektrolyse zur Wasserstoffherstellung in Dresden
© IMAGO / Sylvio Dittrich
Wasserstoff ist ein wichtiger Hoffnungswert für die Energiewende. Für seine Produktion werden Elektrolyseure gebraucht – eine Technik, in der das Dresdener Start-up Sunfire führend ist. CEO und Mitgründer Nils Aldag im Podcast über die Frage, ob die deutschen Wasserstoff-Ziele erreichbar sind

Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine ist die Produktion von Wasserstoff von einem Expertenthema zu einem Projekt mit absolutem Vorrang geworden. Als Baustein für die Energiewende und Speichermedium war der tendenziell schadstoffarme Energieträger schon immer vorgesehen. Doch der Druck, die Abhängigkeit von russischem Gas so rasch wie möglich zu reduzieren, hat den Bedarf nach Wasserstoff noch stark erhöht. „Seit Anfang dieses Jahres ist noch mal eine zusätzliche Dynamik hinzugekommen“, sagt Nils Aldag, CEO von Sunfire, im Podcast „Die Stunde Null“. „Wasserstoff wird einer der spannendsten Energiemärkte überhaupt.“

Das Dresdener Unternehmen baut Elektrolyseure – also Anlagen, die per Elektrolyse Wasserstoff erzeugen – und setzt auf einen boomenden Markt: Viele Branchen wie die Produzenten von Stahl, Chemie oder Zement setzen beim Weg zur Klimaneutralität auf Wasserstoff. Der globale Wasserstoffbedarf dürfte Schätzungen zufolge zwischen 2019 und 2030 von 71 auf 88 Megatonnen (Mt) wachsen und sich bis 2040 auf 137 Mt verdoppeln. Allein in Deutschland könnte die Nachfrage bis 2030 auf 3,3 Mt steigen.

Aldag hat Sunfire 2010 zusammen mit Carl Berninghausen und Christian von Olshausen gegründet, zu einer Zeit, in der auch Investoren kaum Interesse an Wasserstoff hatten: „Das war damals eine absolute Katastrophe, mit dem Thema Wasserstoff zu kommen und mit einem investitionsintensiven Geschäft. Es war zu dem Zeitpunkt ja auch unklar, wie sich die Margen entwickeln würden“, sagt Aldag.

Zwölf Jahre später scheint klar, dass Aldag und seine Mitgründer richtig lagen. Wenige Unternehmen habe das nötige Knowhow, um Elektrolyseure im industriellen Maßstab zu fertigen. Nach Ansicht Aldags gehört Sunfire „definitiv zu den Top fünf Elektrolyse-Herstellern der Welt“. Das Unternehmen beschäftigt 370 Mitarbeiter in Dresden sowie an zwei weiteren Standorten in Deutschland und in der Schweiz. Es wurde vom Energiekonzern RWE beauftragt, eine Elektrolyseanlage für grünen, also mit erneuerbaren Energien produzierten Wasserstoff zu liefern. 2022 erhielt das Unternehmen bei einer Finanzierungsrunde 195 Mio. Euro von Investoren wie Copenhagen Infrastructure Partners und Lightrock erhalten. „Von Mitarbeiteranzahl, Auftragseingang und Finanzierung her können wir uns mit der Elektrolyseabteilung von Thyssenkrupp oder auch Siemens vergleichen“, sagt der Geschäftsführer.

Die Ziele der deutschen und europäischen Politik für den Fortschritt beim Wassersstoff findet Nils Aldag „extrem anspruchsvoll“: „Wenn wir morgen früh starten könnten, wäre das Ziel tatsächlich auch realisierbar“, sagt er. Die Hersteller stünden „in den Startlöchern“ und wollten in Produktionskapazitäten und Personal investieren. Allerdings handle es sich „eben noch um Ziele und noch nicht um echte Nachfrage“, sagt Aldag. Damit die die Prototypenphase verlassen könne, brauche es „kompetente Leute in großen Mengen“. „Wenn die echte Nachfrage nicht irgendwann kommt und auch die politische Unterstützung nicht noch stärker wird, wird es definitiv zeitlich eng, die Ziele zu erreichen“, sagt der Sunfire-CEO.

Hören Sie in der neuen Folge von „Die Stunde Null“:

  • Wo der Name Sunfire herkommt
  • Warum Sunfire immer wieder Unternehmen gekauft hat
  • Warum das Unternehmen in Dresden sitzt

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