Stilfragen„Schwarz erlebt ein kleines Comeback“

Christoffer Lundman ist Head of Creative & Design bei Tiger of Sweden
Christoffer Lundman ist Head of Creative & Design bei Tiger of SwedenTiger of Sweden

Capital: Wie sieht für Sie moderne Businessmode aus?

Christoffer Lundman: Das ist eine interessante Frage! Die letzten fünf Jahre habe ich im Londoner Viertel Square Mile gewohnt und dort bemerkt, wie sehr sich der Dresscode verändert hat. Nach und nach sind die Anzüge verschwunden, selbst bei Morgan Stanley betrachtete man plötzlich die Krawatte als „optional“. Für unsere Kollektion heißt das, dass wir auch Strickmode als officetauglich betrachten, wenn die mit einer hochwertigen Hose und guten Schuhen kombiniert wird. Unserem Businesskunden bleiben wir natürlich treu, ich finde es großartig, wenn die sich für Tiger of Sweden entscheiden. Dem Vertrauen bleibe ich treu – und will zugleich mehr Variationen von „bürotauglich“ bieten.

Was sind Dos and Don’ts im Büro – ganz gleich ob an der Rezeption oder auf der Vorstandsetage?

Ich find es sehr schwierig, wenn Gürtel und Schuhe farblich nicht zusammenpassen. Und wenn man ein Zweiknopf-Sakko trägt, dann bitte nur den unteren Knopf auflassen. Ist simpel, wird aber leider immer noch falsch gemacht.

Was sind die wichtigsten neuen Trends der kommenden Saison für Businessmänner?

Während des Designprozesses versuche ich, so selten wie möglich an Trends zu denken. Mir ist Authentizität wichtiger, und dass wir als Marke eine Geschichte erzählen. Ja, die Farbe Schwarz erlebt ein kleines Comeback, auch bei Anzügen, aber wichtiger als solche Entscheidungen ist mir, dass ich in die Kreation eines T-Shirts ebenso viel Liebe stecke wie in den Entwurf eines ganzen Anzugs!

Welche Klassiker sollte jeder Mann in seinem Kleiderschrank haben?

Ein gutes Paar Jeans.

Welches Modestück verdient Ihrer Meinung nach ein Revival?

Der schon erwähnte schwarze Anzug.

Wer ist und bleibt für Sie ein modisches Vorbild, wer verdient Ihr Prädikat „Stilikone“?

Ich finde viel Inspiration in der Architektur, zuletzt habe ich mich intensiv mit dem Werk des Schweden Peter Celsing beschäftigt, der beispielsweise das Stockholmer Kulturhuset entworfen hat. Unter meinen Kollegen bewundere ich den Strickmode-Rebellen Rick Owens, obwohl ich noch kein einziges Stück von ihm besitze.

Welche modische Anschaffung war Ihr bester Kauf?

Eine Jeans von Maison Margiela, die ich leider bei einem meiner vielen Umzüge verloren habe. Wie einen Augapfel hüte ich dagegen einige Pullover und Hosen von Stefano Pilati.

Jenseits des Dresscode: In welchem Outfit gehen Sie am Samstag zum Bäcker?

Ich bin überhaupt nicht prätentiös und mische am liebsten Luxus mit Casual, vermutlich sehen Sie mich also in Jeans und Sneakern, einer Fleecejacke und einem Hut. Vielleicht auch mal mit Handschuhen aus Schlangenleder …

Ihre größte Stilsünde war …?

Über meine eigenen habe ich ja gerade gesprochen. Generell finde ich es schwierig, wenn Männer enge Sport-Leggings in der Stadt tragen. Und ich denke auch nicht, dass man Shorts zur Arbeit tragen sollte.

Wie kaufen Sie Mode: in der Boutique, im Kaufhaus oder online?

Ich bin eigentlich gar kein Shopper, allerdings kaufe ich eine Menge Bücher, die meisten davon ganz impulsiv. Was die Mode betrifft, trage ich hauptsächlich das, was ich gerade mache, also aktuell Tiger of Sweden. Ich bin sozusagen mein eigener Testkunde.

Kurz & knapp:

Krawatte oder Fliege? Weder noch.

Rasur: trocken oder nass? Nass.

Anzug: Doppel- oder Einreiher? Einreiher.

Kaschmirmantel oder Outdoor-Jacke? Kaschmirmantel.

Barfuß oder Lackschuh? Barfuß.