ZeitfragenRichard Mille: „Ich hasse es, in Eile zu sein“

Richard Mille
Richard MilleAlanLee UberLondon


Richard Mille gründete 1999 die nach ihm benannte Marke für Haute Horlogerie, bekannt für Uhren, die in Design und Material ganz eigene Wege gehen. Auch im Preis.


Capital: Wofür würden Sie sich gerne mehr Zeit nehmen?

Richard Mille: Ich hasse es, in Eile zu sein. Glücklicherweise bin ich in einer Phase meines Lebens, wo ich unnötigen oder langweiligen Dingen weitgehend entkommen kann. Ich sage dann einfach „Ich habe keine Zeit dafür“.

Was bedeutet für Sie Entschleunigung?

In meinem Business wandert der Geist ständig zwischen Kreativität, Vorausberechnungen und Reflexion hin und her. Somit arbeiten meine zwei Hirnhälften in perfekter Harmonie. Auch weil mir die geschäftliche Seite der Uhrenwelt wirklich Spaß macht, die strategischen Weichenstellungen wie auch die Budgetverantwortung. Über Quartalszahlen zu schauen, das fühlt sich an wie bei einem Zwischenzeugnis in der Schule – man wird für gute und schlechte Leistungen benotet. Gleichzeitig gebe ich meiner kreativen Seite völlige Narrenfreiheit.

In der Hektik des Alltags vergisst man viel zu oft…

… nicht wirklich viel, ich bin da recht diszipliniert.

Wenn Sie eine Zeitreise machen könnten, in welches Jahr würden Sie reisen – und warum?

Nostalgie und das Gestern interessieren mich nicht sonderlich, mich fasziniert die Zukunft zu sehr. Aus meiner eigenen Vergangenheit habe ich auch nur gute Erinnerungen, von der Kindheit bis heute. Kein Grund also, zurückzugehen.

Wie sieht für Sie die Uhr der Zukunft im Jahr 2100 aus?

Ich habe nicht die leiseste Ahnung, aber warum beispielsweise sollten wir bis dahin nicht die Zeit direkt vor dem inneren Auge sehen können?

Wofür schlägt ihr Herz: Handaufzug, Automatik, Quartz, Digital oder Smart?

Ich mag alles, was komplett mechanisch funktioniert.

Welchen Tag und/oder welche Uhrzeit werden Sie nie vergessen?

Da gibt es keinen, ich vergesse regelmäßig Jubiläen und Geburtstage, auch meinen eigenen.

Ihr liebstes Buch mit Uhren-Bezug (egal ob Sachbuch oder Belletristik)

„Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ von Marcel Proust.

Ihr liebster Film, bei dem es um Zeit oder Uhren geht?

Ein Film, der auf amüsante Weise auf die Schweizer Uhrenbranche blickt, ist „Der dritte Mann“ mit Orson Welles (1949), ein Thriller einem Drehbuch von Graham Greene.

Die größte Herausforderung …

… für einen Uhrmachermeister heute?
Keine Grenzen zu akzeptieren außer denen technischer Machbarkeit.

– … für die Uhrenbranche insgesamt?
Produkte mit echter Substanz herzustellen.

… in Ihrem derzeitigen Job?
Immer wieder Neues zu schaffen und sich nie auf Lorbeeren auszuruhen. Und immer aufmerksam, innovativ und aufgeschlossen für die Vorschläge anderer zu bleiben.