Zeitfragen„Mein Herz schlägt für alle mechanischen Uhren“

Fabrice Deschanel
Fabrice Deschanel


Der Schweizer Fabrice Deschanel ist seit Mitte 2017 CEO der Marke Greubel Forsey, die 1999 von Stephen Forsey und Robert Greubel gegründet wurde. Deschanel ist ebenfalls Geschäftsführer der ebenfalls von dem Duo gestarteten Uhrwerkschmiede CompliTime.


Wofür würden Sie sich gerne mehr Zeit nehmen?

Für mich und meine Familie.

Was bedeutet für Sie Entschleunigung?

Die dringend benötigte Zeit zum Nachdenken zu haben: über die Entwicklung neuer Produkte und allgemeine strategische Fragen.

In der Hektik des Alltags vergisst man viel zu oft…

… eine Idee gründlich auszuformulieren und nicht sofort ihre konkrete Umsetzung ins Auge zu fassen.

Wenn Sie eine Zeitreise machen könnten, in welches Jahr würden Sie reisen – und warum?

Warum nicht ins Jahr 2020, wo Hunger, Armut und das Streben nach materiellen Gütern der Vergangenheit angehören, und wo wir jeden Tag kreativen Projekten aller Art widmen können. Sie merken, ich bin Optimist.

Wie sieht für Sie die Uhr der Zukunft im Jahr 2100 aus?

Einerseits sehr biotechnologisch, denn wir werden das Konzept „Zeit“ direkt in den Menschen implantieren. Auf der anderen Seite wird die traditionelle Uhrmacherei jedoch weiterhin als Kunstform ausgeübt werden, als Hommage an die Menschlichkeit und die Intelligenz unserer Hände.

Wofür schlägt ihr Herz: Handaufzug, Automatik, Quartz, Digital oder Smart?

Mein Herz schlägt für die angewandte Kunst und somit für alle mechanische Uhren.

Welchen Tag und/oder welche Uhrzeit werden Sie nie vergessen?

Die Geburtstage meiner Kinder.

Welche Komplikation, welches Feature würden Sie gern einmal in eine Uhr integriert sehen?

Jeden Mechanismus, der unser menschliches Genie hochleben lässt.

Ihr liebstes Buch mit Uhren-Bezug (egal ob Sachbuch oder Belletristik)?

Die Zeitmaschine von H. G. Wells.

Ihr liebster Film, bei dem es um Zeit oder Uhren geht?

„Die Zeitmaschine“ von H. G. Wells. Er war 1895 der erste Autor, der Menschen mit einer komplizierten Apparatur durch die Geschichte schickte. Ganz nebenbei schrieb er damit auch ein wichtiges Werk der „Steampunk“-Ästhetik.

Die größte Herausforderung …
… für einen Uhrmachermeister heute?

Ein zeitgenössisches Objekt zu erschaffen, das den Gipfel unseres Intellekts und unserer handwerklichen Expertise darstellt.

… für die Uhrenbranche insgesamt?

Dass der Kern der Uhrmacherei nicht in der fortschreitenden Industrialisierung dieses Kunst-Stückes in Vergessenheit gerät.

… in Ihrem derzeitigen Job?

Uhren zu entwickeln, welche die Grenzen des bisher Möglichen überschreiten.


Das Beste von der Genfer Uhrenmesse