KunstinvestmentsDer Boom der Kunstmäzene

Ausstellungsraum im Potsdamer Museum Barberini
Ausstellungsraum im Potsdamer Museum Barberini

Am Anfang: Verwunderung. Ein Riesenklotz Beton, unverputzt, abstoßend, mitten in Berlin. Der ehemalige Nazi-Hochbunker, gebaut in den letzten Kriegsjahren, diente als Schutzraum für Besucher des Deutschen Theaters nebenan. Später bunkerte die DDR hier Bananen, nach dem Mauerfall zog ein Sadomaso-Club ein. Wer hier ein Museum aufzieht und sein Penthouse obendrauf setzt, sucht Aufmerksamkeit.

Christian Boros, ein kleiner, freundlicher Mann mit kahlem Kopf, ist dieser Mann. 2007 hat er den Kunstbunker eröffnet: 80 Räume ohne Fenster, aber mit den dicksten Wänden Berlins. Seither stehen Besucher Schlange, das Privatmuseum gilt als Symbol des hippen Berlin.

Dabei ist Boros eigentlich Unternehmer, ein gewitzter Werber, Inhaber einer 50-köpfigen Kommunikationsagentur. Ein Selfmademan, der es als Kind polnischer Einwanderer zu Erfolg und Geld gebracht hat. Was will er mit diesem Museum?

Christian Boros
Rund 700 Werke zeitgenössischer Künstler hat der Unternehmer mit seiner Frau Karen gesammelt. Ihre Kollektion wird zu
den Top Ten der internationalen Privatsammlungen gezählt

In seinem blütenweißen, auf den Leib geschneiderten Hemd, auch sonst wie aus dem Ei gepellt, steht Boros neben einem Glastisch, auf der Couch daneben lümmelt sein Sohn. Das Penthouse auf dem Bunker ist ein Loft im Mies-van-der-Rohe-Stil, ausstaffiert mit Bildern, Skulpturen, erlesenen Möbeln: ein 500 Quadratmeter großes Statement des besonderen Geschmacks.

Kunstsammeln, sagt Boros, sei für ihn „nicht irgend so ein Hobby“. Es sei genau so sehr Arbeit wie das Planen einer Kampagne: „Ich muss mich an Kunst abarbeiten.“ Auch kaufe er ein Kunstwerk nicht, weil es ihm gefalle – sondern weil es ihn ärgere, irritiere oder weil er es nicht verstehe.

Gefühle, die auch den Besucher der Sammlung beschleichen. Gleich am Eingang des Bunkers stolpert man fast über vergoldete Eierkartons einer chinesischen Künstlerin. Eine Etage höher: Maulwurfshügel, aus Bronze gegossen, mit denen der Urheber Andreas Eriksson, ein Schwede, 2011 sein Land auf der Biennale in Venedig vertreten hat. Eine aufwendige Installation, erklärt der junge Mann, der durchs Museum führt: Eriksson habe zu unterschiedlichen Jahreszeiten Maulwurfshügel in eigens dafür gebauten Kästen gesammelt, um dann Silikon- und später Gipshohlkörper als Form für den Bronzeguss anzufertigen.