Mode „Bei jeder Gründung gibt es Momente, wo man hinschmeißen möchte“

Die Gründer von Seven Sands: Marc Alexander Ullrich und Maximilian Plank
Die Gründer von Seven Sands: Marc Alexander Ullrich und Maximilian Plank
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Marc Alexander Ullrich blickt auf ein bewegtes Gründerleben zurück: Rainbow Arts, Strato, Lumas, Whitewall ... Jetzt will der Digitalexperte mit Seven Sands im Modebusiness durchstarten, mit Männerbekleidung „on demand“

Marc Alexander Ullrich ist das, was man einen Seriengründer nennt: von der Spieleschmiede Rainbow Arts (1984) über den Internetdienstleister Strato (1997) bis zur Galerie Lumas (2004) und dem Fotolabor-Anbieter WhiteWall (2007). Gemeinsam mit Co-Geschäftsführer Maximilian Plank hat er im Dezember 2020 das Unternehmen Seven Sands gestartet, das sich auf zeitlose Männermode mit Fertigung auf Bestellung spezialisiert hat.

Capital: Was lautet der Elevator Pitch für Seven Sands?

MARC ALEXANDER ULLRICH: Wir wollen die Adresse für Premium-Basics in Büro, Homeoffice und der Freizeit sein. Jedes Produkt landet mit wenigen Klicks im Warenkorb, Nachbestellungen sind bald per Barcode möglich – und alles ist trotz Fertigung nach Order rasch verfügbar. In mehr Varianten, Größen, Längen und Farben als irgendwo sonst.

Was bedeutet der Name?

Seven Sands ist abgeleitet von einem sehr farbintensiven Gebirgszug aus Sandstein, der in Peru liegt. In diesem Spektrum natürlicher Töne bewegt sich auch unsere Kollektion.

Wie klappt(e) die Finanzierung – aus eigener Tasche oder mit Venture Capital?

Wir sind derzeit noch vor einer Series A unterwegs und haben die bisherige Entwicklung tatsächlich komplett selbst finanziert.

Die Modebranche ist einer extrem dynamischen Transformation unterworfen: von der Krise des stationären Handels über wankelmütige junge Zielgruppen bis zum Lieferkettengesetz. Braucht es viel Mut, sich da reinzuwagen?

Am Anfang hat man zum Glück von der Komplexität der Industrie wenig Ahnung, sonst würde wohl niemand überhaupt loslegen. Später sind dann Probleme zu meistern wie das unterschiedliche Schrumpf-Verhalten von Stoffen beim Waschen, und zwar je nach Charge. Dann brauchten wir CNC-Cutter, die eine Lage Stoff nach individuellen Bestellungen schneiden, und es mussten Unmengen an Code für die Automatisierung geschrieben werden.

Mit unserem disruptiven Ansatz der On-Demand-Fertigung waren wir dagegen für brandaktuelle Themen wie Direktverkauf, faire Löhne, Nachhaltigkeit und Überschussvermeidung trotz breitem Sortiment sehr gut gerüstet.

20 Farben, mehrere Passformen und Farben: zwei T-Shirts aus der aktuellen Kollektion von Seven Sands.
20 Farben, mehrere Passformen und Farben: zwei T-Shirts aus der aktuellen Kollektion von Seven Sands.
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Frauen kaufen häufiger Mode und sind leichter von neuen Marken zu begeistern als der männliche Bedarfskäufer, heißt es. Ist die Konzentration auf Männermode da nicht riskant?

Wir zwei Gründer sind nun mal Männer und ich finde, es hilft, wenn das eigene Produkt aus persönlicher Trageerfahrung kennt. Frauen mögen begeisterungsfähiger sein, sie sind aber auch ein Stück weit emotionaler und wählerischer. Davor sollte man gerade als Newcomer hohen Respekt haben. Trotzdem könnte Womenswear ein logischer nächster Schritt sein, schließlich erlaubt unsere Technologie zahllose Schnittvarianten eines Designs.

Sie sind mitten in der Pandemie gestartet, denkt man da auch mal ans Gleich-wieder-Aufhören?

Bei jeder Gründung gibt es Momente, an denen man hinschmeißen möchte. Meistens bewahrt einen die Team-Dynamik vor solch finsteren Gedanken. Was uns durch diese Phase geholfen hat, war die Offenheit der Kunden für lässige Homeoffice-Garderobe und der Boom des Online-Shoppings.

Welche Vor- und welche Nachteile hat das Modell von Seven Sands gegenüber der klassisch agierenden Konkurrenz?

Ein Nachteil ist sicher die Lieferzeit von fünf bis zehn Tagen. Doch das kommunizieren wir ganz transparent und wir zielen ohnehin auf Kunden, die auf Fast Fashion keine Lust (mehr) haben. Die bekommen bei uns für ihre Geduld alle Vorteile eines weitgehend nur für sie hergestellten Produktes.

Ja, die Lieferkette war in den letzten zwölf Monaten immer mal wieder stark belastet, aber das hat die ganze Branche getroffen. Auch ohne ein Lager voller Fertigware – was ja für die Konkurrenz durchaus Segen und Fluch zugleich war und ist – sind wir da recht glatt durchgekommen.

Was sollte ich über meine Statur wissen, um mit der Wahl zwischen „slim“ oder „standard“ sowie verschiedenen Kragentypen klarzukommen?

Die Krägen, bei denen wir deutlich mehr Varianten anbieten können als Mitbewerber, sind reine Geschmackssache. Ansonsten folgen unsere Größen den klassischen Industriestandards. Wer zumeist L kauft, sollte das auch bei uns tun. Und wem L bisher ein klein wenig weit war, der wählt L in „slim“ und endlich passt’s perfekt.

Welche Farben sind Bestseller?

Natürlich die Klassiker wie Marineblau, Schwarz, Weiß und Grau. Aber auch die übrigen 16 Farben liegen bei 3 bis 6 Prozent Anteil am Absatz. Unsere Idee, dass es Zeit für etwas mehr Leben im Schrank ist, wird also ganz gut angenommen.

Wären Produktbereiche wie Hosen oder Schuhe zukünftig denkbar oder lauert in der Verbreiterung des Angebotes die Gefahr von Beliebigkeit und Abverkaufsdruck?

Schuhe im Casual-Segment müsste man vorproduzieren, was unserem „Zero Waste“-Prinzip widersprechen würde. Andere Teile wie Pullover oder Hosen werden allmählich folgen, denn wir möchten eine rundum einkleidende Marke werden. Bei Jeans überlegen wir noch, weil hier die „richtige“ Marke vielleicht eine zu große Rolle spielt.

Bestellen auch Frauen für ihre Männer oder ist das bloß noch ein Klischee?

Etwa ein Drittel unserer Kunden ist weiblich. Wir haben noch nicht erforscht, ob diese Kundinnen für Ihre Partner oder für sich selbst bestellen. Im Grunde ist ja sehr viel was wir anbieten unisex.


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